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Vor 55 Jahren: Skandalspiel in Mailand

Vor 55 Jahren: Skandalspiel in Mailand

Mittwoch, 29. April 1964. Dieter Kurrat, den alle Welt nur liebevoll „Hoppy“ nannte, krümmte sich vor Schmerzen. Er lag auf dem heiligen Rasen des Guiseppe-Meazza-Stadions im Mailänder Vorort San Siro und hielt sich den Unterleib. Soeben hatte ihn Louis Suarez von Inter Mailand im Halbfinal-Rückspiel des Europapokals 1963/64 mit einem sehr unfeinen und schmerzhaften Tritt in den Unterleib regelrecht gefällt.

Man schrieb genau die 21. Minute dieser Partie, in der es um den Einzug ins Europapokalendspiel ging. Klare Sache: Platzverweis. So sahen es zumindest die über 90.000 Besucher im Stadion und die Millionen an den Fernsehschirmen. Aber weit gefehlt! Schiedsrichter Branco Tesanic aus Jugoslawien, der direkt neben dem Tatort stand, beurteilte die Situation aber ganz, ganz anders!

„Alles verlief normal und korrekt,“ so der „Unparteiische“ später. Suarez blieb auf dem Platz, Mailand siegte letztendlich mit 2:0 und der BVB verpasste sein erstes Landesmeisterfinale. Das wäre nämlich nach dem 2:2-Unentschieden im Hinspiel gegen dezimierte Mailänder durchaus drin gewesen. Denn Suarez war der Spielgestalter und damit der Kopf von Inter und sein Ausscheiden hätte die Italiener schmerzlich getroffen.

Aus der Traum vom Finale für den BVB. Dabei war die Europapokalsaison der Schwarz-Gelben bis dato makellos gewesen: Borussia Dortmund hatte sich nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1963 im Wettbewerb der Landesmeister gegen Lyn Oslo, Benfica Lissabon und Dukla Prag durchgesetzt und für das Halbfinale qualifiziert. Insbesondere der 5:0-Sieg am 4. Dezember 1963 ist unvergessen und wird nach wie vor als das BVB-Spiel des Jahrhunderts apostrophiert. Aber auch das 4:0 in Prag gegen Dukla war große Klasse.

Und dann kam eben Inter. Aber der Fußballgott stellte sich auf die Seite der Mailänder und ihren Trainer Helenio Herrera, der als Defensivspezialist den destruktiven Abwehrblock namens „Catenaccio“ von seinen Weltstars praktizieren, ja, zelebrieren ließ und damit den schönen Fußball regelrecht kastrierte.

Für Tesanic hatte die Episode Kurrat/Suarez allerdings wenige Monatespäter ein einschneidendes Nachspiel. Der jugoslawische Verband ließ den Vorfall nicht auf sich beruhen, recherchierte akribisch und stellte fest, dass der Schiedsrichter und auch sein Assistent Skoric von Inter einige unlautere Vergünstigungen dankend angenommen hatten. Das Resultat: Lebenslange Sperren.

Für den BVB war das zwar eine späte Genugtuung, machte das Geschehen aber nicht rückgängig. Besonders bitter war, dass Inter Mailand kurze Zeit später im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister 1964 in Wien vor 72.000 Besuchern auch noch Real Madrid mit 3:1 besiegte und den „Pott“ damit gewann.

Übrigens: In der Nacht nach dem 0:2 gegen Inter Mailand entließ der BVB-Vorstand den beliebten Trainer Hermann Eppenhoff und provozierte damit eine Vereinskrise.

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