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Günter „Bubi“ Rau vor 90 Jahren geboren

Günter „Bubi“ Rau vor 90 Jahren geboren

Am 12. Mai 1930, also vor 90 Jahren, erblickte in der Robertstraße am Borsigplatz Günter „Bubi“ Rau das Licht der Welt. Jener „Bubi“ Rau also, der 19 Jahre später in der Endrunde der Deutschen Fußballmeisterschaft 1949 mit geradezu grandiosen Torhüter-Leistungen dafür sorgte, dass der BVB das erste Endspiel seiner ruhmreichen Geschichte erreichte.

Der BVB war 1948 der erste Westdeutsche Meister in der Geschichte der Oberliga West geworden. Ein Jahr später schickte man sich an, das Kunststück zu wiederholen. Einer der Garanten des Erfolges war Willi Kronsbein, der nach dem 2. Weltkrieg von Marten zum Borsigplatz gewechselt war. Er hatte sich in der Gauliga bereits einen Namen gemacht und galt als einer der besten Keeper des Westens.

Im Frühjahr 1949 jedoch geschah das Unglück: Kronsbein verletzte sich Ende Februar beim Auswärtsspiel in Aachen, das mit der ersten Saisonniederlage (0:2) endete, schwer am Knie. An einen kurzfristigen Einsatz war nicht zu denken. Obwohl man ein gutes Punktepolster Vorsprung in der Tabelle hatte, brachte dies die Clubführung in Bedrängnis.

Der Hüne Kronsbein war noch nie in seiner Karriere verletzt worden und, was schlimmer war: Es stand kein auch nur annährend gleichwertiger Ersatz zur Verfügung. Die ganze Fußballabteilung schien „torwarttechnisch“ verwaist.

In ihrer Not schauten die Bietzek, Pentrup und Co. rüber zur Handballabteilung. Da stand doch in der ersten Mannschaft der „hochgeschriebene“ Günter „Bubi“ Rau im Gehäuse. Ein Mann mit fulminanten Reflexen auf der Torlinie. Das könnte die Lösung der Probleme sein…

Der Bubi zierte sich zunächst ein wenig, sagte dann aber doch unter dem sanften Druck der Vorstandsherren zu. Die Bedenken Raus waren verständlich: Sein Spiel auf der Linie war über jeden Zweifel erhaben, aber als Handballkeeper war das Thema „Strafraumbeherrschung“ für ihn ein böhmisches Dorf.

Trotzdem versagte er sich nicht und stand am 6. März 1949 erstmalig im Borussentor. 24.000 Besucher erlebten sein Debut, das der BVB mit 3:2 gewann. Kronsbein saß mit geschwollenem Knie auf der Tribüne der „Roten Erde“ und drückte seinem Ersatzmann alle Daumen. Trotzdem urteilte die soeben in der Medienlandschaft aufgetauchte „Ruhr-Nachrichten“:„Das zweite Tor wäre einem Kronsbein nie widerfahren“. In der Tat: Ein kapitaler Stellungsfehler ermöglichte dem Gast den Anschluss…

Aber das „wandernde Dreieck“ des BVB mit Michallek, Erdmann und Kasperski war eigentlich immer Herr der Lage. Allein Max Michallek traf dreimal Pfosten und Latte. Da hätte es mehrfach im gegnerischen Gehäuse klingeln können. Das Siegtor markierte übrigens der unverwüstliche August Lenz.

Eine Woche später in Horst gegen die „Emscherhusaren“ stand Kronsbein trotz schmerzenden Knies wieder im BVB-Gehäuse. Borusias Siegtreffer markierte nach feiner Vorarbeit von Michallek „Ede“ Kasperski. Bei Horst überragend: Mittelstürmer Fred Kelbassa, später Sturmtank der Dortmunder.

Der Einsatz Kronsbeins in Horst war ein Fehler. Die Verletzung brach schlimmer wieder auf als zuvor. Bubi Rau musste wieder ran. Und das auf Sicht. Also stärkte man dem Kronsbein-Ersatz den Rücken. Beim 3:1 über Fortuna Düsseldorf überzeugte er, eine Woche später in Essen gegen Rot-Weiß hatte er aber einen rabenschwarzen Tag: Fünfmal griff er daneben – das waren fünf Treffer für die Gastgeber. Das Endergebnis: 5:3.

Die beiden letzten Saisonspiele standen unter dem Motto: Rau zu Hause „Hui“, auswärts „Pfui“. Das führte nach einem knappen Heimsieg über Oberhausen auswärts im letzten Saisonspiel zu einem 4:0-Sieg von Vohwinkel über den als Westdeutscher Meister schon feststehenden BVB.

Alles das war allerdings nur der Aufgalopp für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1949. Denn Bubi Rau hatte seine Lektionen in Sachen Strafraumbeherrschung trefflich gelernt. Der bisherige Unsicherheitsfaktor im Tor wurde zu einer der ganz großen Stützen des Teams und damit ein echter Garant des Erfolges.

Neben dem Endspiel gegen den VfR Mannheim, das unglücklich mit 2:3 in der legendären Sonnenschlacht von Stuttgart verloren wurde, zeigte er seine besten Leistungen in den beiden Spielen gegen den 1. FC Kaiserslautern auf dem Weg ins Endspiel. Das erste Spiel in München erlebte einen Günter Rau in absoluter Weltklasseform.

Fast 15 hochkarätige Chancen allein von Fritz und Ottmar Walter entschärfte er in unnachahmlicher Manier. Der „große Fritz“ sagte Jahre später in einem Interview: „Ich habe in meiner ganzen Laufbahn noch nie einen Torhüter erlebt wie diesen Bubi Rau. Er hat uns schier zur Verzweiflung gebracht.“

Ein wunderbares Kompliment aus kompetentem Munde, dem nichts hinzu gefügt werden muss. Übrigens: Im Wiederholungsspiel gegen Klautern in Köln, das der BVB souverän gewann, war Rau erneut der Turm in der Schlacht.

Leider konnte der Bubi in den Folgejahren nicht mehr an die überragenden Erfolge der Endrunde 1949 anknüpfen. Sein „Erbe“ im Borussentor legte er in die Hände von Heinrich Kwiatkowski, der 1954 Dortmunds erster Fußball-Weltmeister werden sollte.