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10. Juni 1910: Erste DFB-Geschäftsstelle in Dortmund eröffnet

10. Juni 1910: Erste DFB-Geschäftsstelle in Dortmund eröffnet

Der Mann, der dem BVB 1910 den Weg zur Aufnahme in den Westdeutschen Spielverband ebnete, hieß Walter Sanß und war ein bestens vernetzter sportlicher Tausendsassa. Er fungierte für die Borussen um Franz Jacobi als „listiger Odysseus” und empfahl ihnen, sich zunächst als Leichtathletikverein aufnehmen zu lassen, da für Fußballclubs ein absoluterAufnahmestopp verfügt worden war.

Der Geniestreich gelang, die BVB-Leichtathleten wurden tatsächlich aufgenommen und im Dezember 1910 folgten auch die Fußballer. Damit war der BVB kein „wilder Verein” mehr und durfte am offiziellen Spielbetrieb teilnehmen. Sanß hatte mit durchschlagendem Erfolg das „Trojanische Pferd des BVB” geboren.

Franz Jacobi und Walter Sanß waren miteinander befreundet. Die Beziehung begann anlässlich eines Sportfestes 1910, an dem beide als Sprinter über die 100 m teilnahmen. Sanß hatte die Laufschuhe vergessen, Jacobi lieh ihm ganz selbstverständlich seine aus. Da funkte es freundschaftlich zwischen dem Hüttenbeamten (Franz Jacobi) und dem Steuerberater (Walter Sanß).

Etwa um die gleiche Zeit landete der umtriebige Dortmunder Multi-Funktionär einen geradezu spektakuläreren Coup:

„Ich stelle Einstimmigkeit fest! Damit ist die Einrichtung einer DFB- Geschäftsstelle mit dem hauptamtlichen Geschäftsführer Walter Sanß beschlossene Sache.” Präsident Hinze war sichtlich zufrieden. Bereits im Vorfeld des 15. DFB-Bundestages, der im Mai 1910 in Köln stattfand, hatte er die Weichen für diese wichtige Entscheidung gestellt. Insbesondere der Süddeutsche Verband, der wie so oft „quer im Stall stand,”  musste „eingenordet” werden.

Nun waren Hinzes Argumente allerdings mehr als überzeugend. Immerhin hatte Sanß, seit 1905 FDB-Schriftführer, mittlerweile jährlich mehr als 2000 Schriftstücke zu bearbeiten. Hinzu kam: In den zehn Jahren seit seiner Gründung hatte der DFB erfolgreich an der Verankerung des Fußballs in Deutschland gearbeitet. Er war mittlerweile als Dachverband eines aufblühenden Sports und als selbstbewusste sportpolitische Interessenvertretung etabliert. Deutsche Meisterschaften, die Nationalmannschaft und ein Länder-Pokalwettbewerb – all dies war eingeführt worden und musste geplant, organisiert und abgewickelt werden. Das ging nicht mehr ehrenamtlich!

Damit hatte Walter Sanß, neben Benno Elkan der wichtigste Dortmunder Fußballpionier, eines seiner zentralen persönlichen Ziele erreicht und konnte am 10. Juni 1910 in seinem Haus in der Gutenbergstraße 48 die DFB-Geschäftsstelle eröffnen und von hier aus die Geschicke des aufstrebenden Verbandes hauptamtlich lenken.

Der Sitz des DFB befand sich mehrere Jahre in Dortmund. Neben der Gutenbergstraße weisen die DFB-Jahrbücher als Folgeadressen den Neuer Graben 75 sowie die Märkische Straße 50 aus. Ende 1914 wurde Walter Sanß zu den Waffen gerufen und musste in den 1. Weltkrieg ziehen. Die Geschäftsstelle wurde durch Sanß`s Abwesenheit ein „Opfer” des Krieges und verwaiste. Der DFB verlegte sie deshalb 1916 nach Köln.

Walter Sanß, geboren am 30. Mai 1879 und von Beruf Buchhalter, war ein leidenschaftlicher Sportliebhaber und begnadeter Organisator. Er wirkte an exponierter Stelle im Westfälischen, Westdeutschen und Deutschen Fußballverband, war über Jahre hinweg Vorsitzender des DFC 95 (später DSC 95, heute TSC Eintracht 48/95) und begründete 1919 unter dem Namen „Dortmunder Verband für Leibesübungen“ den Stadtsportbund, wie er heute heißt.

Dass Sanß als Schiedsrichter über 200 Spiele pfiff, die deutsche Fußball-Olympiadelegation 1912 in Stockholm anführte, als geschätzter Dolmetscher international gefragt und wahrscheinlich der erste Dortmunder Fußball- und Fotoreporter war, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Heute befindet sich die DFB-Geschäftsstelle in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt. Nur wenige wissen, dass der allererste DFB-Hauptsitz vor 110 Jahren in der Gutenbergstraße angesiedelt und Dortmund dadurch für mehrere Jahre der „Nabel der DFB-Welt” war.