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Wie Fans den Fußball wollen – ein Rückblick auf den Fankongress 2014

Wie Fans den Fußball wollen – ein Rückblick auf den Fankongress 2014

700 Fans aus 80 verschiedenen Fanszenen, die ein Wochenende lang konstruktiv gemeinsam mit Vertretern aus Verbänden, Polizei und Wissenschaft diskutieren? Dass das funktionieren kann, hat der zweite Fankongress in Berlin erneut bewiesen. Auch aus Dortmund waren rund 30 Personen vor Ort.Unter dem Motto „Wie Fans den Fußball wollen“ luden die Fanorganisationen Unsere Kurve und ProFans bereits zum zweiten Mal ins Veranstaltungszentrum Kosmos ein. Im Mittelpunkt stand das Stadionerlebnis aus Fansicht, das spätestens seit dem gleichnamigen DFL-Papier und der Debatten um die 12:12-Aktion in Deutschland heiß diskutiert wird. So bunt gemischt die Fans an diesem Wochenende waren, so vielfältig waren auch die Inhalte in den verschiedenen Diskussionsrunden.

Sie reichten von der Notwendigkeit von Zweit-vertretungen in den Profifußball bis zur Pressearbeit von Fanvertretungen und der Frage, wie es mit den Medien zu einem Dialog auf Augenhöhe kommen kann. So kritisierte Journalist Andrej Reisin, dass viele Berichterstatter auf das sportliche Geschehen fokussiert seien und das Thema „Fans“ eigentlich gar nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. Zeit- und Aktualitätsdruck in den Redaktionen führt aber immer wieder dazu, dass sie sich dennoch damit beschäftigen müssen und beispielsweise Pressemitteilungen 1:1 übernommen werden. Martin Endemann vom Netzwerk „Football Supporters Europe“ teilte und ergänzte diese Einschätzung: „Derartige Debatten sind oft nicht fanfreundlich, weil die Leute, die berichten, keine Ahnung haben oder skandalisieren.“ Als möglichen Verbesserungsvorschlag verwies er auf den Medien-Guide der FSE, der Fangruppierungen beim Umgang mit den Medien helfen soll. Andersherum geht es die BVB-Fanabteilung an, in der momentan eine Arbeitsgruppe an der Erstellung eines Mediaguides für Pressevertreter arbeitet.

BIE_4558Wie wichtig die Vertretung von Fans und ihren Interessen im Fußballgeschäft ist, wurde in einem weiteren Workshop deutlich. Darin sprach Daniel Nowara (Fanabteilung / Unsere Kurve) die Probleme vieler Organisationen an, Nachwuchs für die teils mühsame Arbeit zu begeistern. Er nahm Stellung dazu, weshalb ihre Erfolge in der Öffentlichkeit häufig kaum sichtbar seien. Beispielsweise im Fall „Sicheres Stadionerlebnis“: „Man hätte nach 12:12 sagen können ‘wir können eh nichts bewegen‘“, sagte Nowara. „Aber hier sitzen 700 Leute, die etwas verändern wollen. Das ist ein Erfolg mit dem wir offensiv umgehen müssen.“

Diese 700 Fans verfolgten im Anschluss die mit Spannung erwartete Podiumsdiskussion zum Verhältnis von Fußballfans und Polizei. Ausgerechnet diese wurde aber durch die Nachricht getrübt, dass bei einer Auseinandersetzung vor einem Testspiel in Köln ein Fan lebensgefährlich verletzt wurde. Die Organisatoren des Fankongresses und der anwesende DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig verurteilten diesen Vorfall in aller Form.

In der anschließenden Diskussionsrunde waren die Fronten erwartungsgemäß verhärtet. Hertha-Fanbetreuer Donato Molillo schilderte, dass es aktuell keine direkte Kommunikation zwischen Fans und Polizei gibt. Dadurch befindet er sich in seiner Funktion in einer problematischen Vermittlerrolle. Soziologe Dr. Albert Scherr forderte Abrüstung und Deeskalation auf beiden Seiten, Kriminologe Thomas Feltes darüber hinaus die Einrichtung einer unabhängigen Stelle zur Nachbereitung der Einsätze bei Fußballspielen. Überraschend selbstkritisch zeigte sich Direktionsleiter Hans-Ulrich Hauck von der Berliner Polizei. Er sprach Situationen an, die er selbst als Stadionbesucher nicht gutheißen kann und warnte vor einem Teufelskreis: „Wir müssen in dieser Diskussion vorankommen, sonst können wir noch zehn solcher Kongresse veranstalten.“

BIE_4241Am zweiten Tag der Veranstaltung bedauerte Andreas Rettig in seinem Grußwort das fehlende Vertrauen der Fans gegenüber den Verbänden, lobte und betonte aber auch die Wichtigkeit des Fankongresses. Die Medien würden dieser Bedeutung durch die Schwerpunktlegung ihrer Berichterstattung an diesem Wochenende zum Großteil nicht gerecht. Mit dem deutlichen Statement „Nazis raus!“ leitete er zur folgenden Podiumsdiskussion über, die sich mit Politik und Rassismus im Stadion beschäftigte. Die Teilnehmer (u.a. BVB-Fanbetreuer Daniel Lörcher) diskutierten den Einfluss von Fanprojekten, die Antidiskriminierungsarbeit der Vereine und die Selbstregulierung der Kurven. Philip Hülsen vom Fanprojekt aus Gladbach resümierte, dass es „kein politisches Statement ist, gegen Nazis zu sein. Auch angeblich unpolitische Kurven müssen sich davon distanzieren.“

Inwiefern die Ergebnisse der Diskussionen das teils angespannten Verhältnis von Fans, Verbänden, Polizei und Medien beeinflussen können, wird sich noch zeigen. „Wir hoffen, dass Fans in der öffentlichen Debatte als das wahrgenommen werden, was sie sind: Eine Bereicherung für den Fußball!“, erklärte UK-Sprecher Nowara. Im Rahmen des Fankongresses 2014 konnten das alle Beteiligten unter Beweis stellen.

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