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WDR-Diskussion „Wer bändigt die Hooligans? Damit Fußball wieder Spaß macht“

WDR-Diskussion „Wer bändigt die Hooligans? Damit Fußball wieder Spaß macht“

Die Einladung zum Fankongress in Berlin hatte NRW-Innenminister Ralf Jäger im Januar nicht angenommen. Beim WDR5-Stadtgespräch im Dortmunder Harenberg City Center bot sich nun erstmals allen Interessierten die Möglichkeit, die unter Fußballfans umstrittenen Polizeieinsätze rund um Bundesligaspiele mit dem Minister zu diskutieren.

Und so blieb trotz des reißerischen Titels „Wer bändigt die Hooligans? Damit Fußball wieder Spaß macht“ kein Platz im Veranstaltungssaal leer. Der Gesprächsbedarf der Fans ist offensichtlich hoch.

Neben Ralf Jäger nahmen Fanvertreter Jan-Henrik Gruszecki, die Wissenschaftlerin Judith von der Heyde und der BVB-Fanbeauftragte Jens Volke auf dem Podium Platz. Moderator Thomas Koch eröffnete die Diskussion mit der Frage, was passieren müsse, damit der Fußball wieder Spaß macht. Gruszecki ordnete diese direkt als überflüssig ein: „Mir macht Fußball Spaß“ und ergänzte, dass er sich trotzdem oft mehr mit Problemen mit der Polizei als mit dem Spiel selbst beschäftigen müsse. Von der Heyde, die eine Ultra-Gruppe 13 Monate lang wissenschaftlich begleitet hatte, pflichtete ihm bei: „Brenzlig ist es eigentlich nur geworden, wenn die Gruppe überraschend auf die Polizei traf.“ So kreiste die Diskussion bereits nach den ersten Minuten um das Verhältnis von Fußballfans und Polizei.

IMG_7809Ralf Jäger zeigte sich als dialogbereiter Innenminister und Fußballfan, der gerne mit seinem Sohn ins Stadion geht und sich dort sicher fühle. Er setze sich sehr mit dem Thema Fankultur auseinander und forderte eine Versachlichung der Debatte. Zudem räumte er ein, dass die Einsatzkonzepte der Polizei in den verschiedenen Bundesländern zu verschieden und die deeskalierenden Konzepte erfolgreicher seien.

Darüber hinaus agierte der Innenminister dann doch wieder mit vielen seiner bekannten Floskeln: Problematisch seien „ein bis zwei Prozent, die sich Fußball als Bühne suchen und in der Masse abtauchen“, deshalb müsse man „konsequenter bei Strafverfahren“ sein und die „Rädelsführer bestrafen“. 30 Prozent der Arbeitsstunden der Hundertschaften würden beim Fußball abgeleistet, die Kosten dafür würden die Bürger immer mehr nerven.

Auf all diese Aussagen reagierte das Publikum mit Unverständnis und Gegenfragen: Warum werde die Reisefreiheit der 98 Prozent friedlichen Fußballfans so stark eingeschränkt, dass man als Auswärtsfan, der mit der Bahn anreist, am Zielort bereits von Polizei-Hundertschaften begrüßt werde? Und wie kann es sein, dass man dort nicht einmal zur Toilette gehen dürfe? Wer achte auf die Einhaltung der Freiheitsrechte für Fußballfans? Jäger entgegnete, dass er in der Verantwortung stehe, wenn etwas passiere und nicht ausreichend Polizeikräfte vor Ort seien.

„Mein Bild von Polizei ist eigentlich das vom freundlichen Dorfsheriff, der mir regelmäßig einen guten Tag wünscht. Beim Fußball werde ich mit vermummten Armeen konfrontiert, deren Schienbeinschoner dicker sind als die der Spieler auf dem Platz“, beschrieb ein Besucher im Plenum seine Erfahrungen mit der Polizei.

IMG_7819Dass die Hooligan-Fragestellung der Podiumsdiskussion im Publikum nicht auf Zustimmung traf, erfuhr Moderator Thomas Koch gleich zu Beginn. „Vielleicht sollte man besser fragen, wie der Medienhype in den Griff zu bekommen ist“, kommentierte ein Zuschauer den reißerischen Titel der Veranstaltung. In die gleiche Richtung argumentierte Volke: „Ohne den Medienhype würden wir die Frage nicht diskutieren.“ In den zwei Wochen vor dem Derby würden sich die Anfragen bei ihm häufen, was beim Derby wohl – außerhalb des Spiels – passiere. Auch das trage eher dazu bei, dass etwas passiert und eigentlich Unbeteiligte, die auf der Suche nach Auseinandersetzungen sind, angezogen würden.

Moderator Thomas Koch wirkte schlecht vorbereitet. Er vermischte in seiner Begrüßung Ultras, Hooligans und Rechtsradikale, stellte Jens Volke als Mitarbeiter des Fanprojekts dar und schrieb der Wissenschaftlerin Judith von der Heyde die Betreuung der Ultra-Gruppe anstelle deren wissenschaftlicher Begleitung zu.

Was von der Diskussion bleibt, sind für aktive Fans keine Neuigkeiten. Aber vielleicht liegt der Gehalt der Veranstaltung darin, dass der in Sachen Fußballfanalltag unwissende WDR5-Hörer bei der Ausstrahlung der Sendung mit der Sichtweise von Jan-Henrik Gruszecki und den Beiträgen der anderen Fans im Publikum konfrontiert wird.

WDR5 wird die Diskussion am Donnerstag, 13. März, ab 20.05 Uhr im Programm ausstrahlen.

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