• english
  • polski
  • tuerkce
  • espanol
  • nippongo
  • hindi
  • thai
Du bist hier: Startseite » Archiv » Thomas Treß begeistert beim Borussentreff

Thomas Treß begeistert beim Borussentreff

Gerade noch die grandiose BVB-Woche mit den Siegen gegen die Bayern und in Gelsenkirchen zelebriert, die Feierlichkeiten des Wochenendes waren kaum vorüber. Schon wartete am Montagabend auf alle Fans, die den Kopf wieder frei für etwas ernstere Fußball-Themen hatten, im Brauerei-Museum der nächste Termin.

Treß1Unter dem Oberbegriff „Zukunftsfähigkeit der Bundesliga“ brachte Thomas Treß, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, den anwesenden Fans die Themen verursachergerechte TV-Geld-Verteilung, die 50+1-Regel und das Financial Fairplay näher.

Bevor Treß 2005 beim BVB anfing, hatte er nichts mit dem Thema Fußball zu tun, sahsich aber plötzlich mit der Frage konfrontiert, wie er einen Club, der „eigentlich tot ist wie eine Kirchenmaus“ nach vorne bringen kann. Das Konzept hieß schließlich „Stars selbst machen, mit kleinen Budgets arbeiten“ und das auch noch „öffentlich zu bekennen“. So sei Schwarz-Gelben das Scouting ausgebaut und in die Jugend investiert worden.

Damit die Bundesliga auch in Zukunft spannend bleibe, seien eine verursachergerechte TV-Geld-Verteilung, die 50+1-Regel sowie das FFP drei unerlässliche Säulen.

Die TV-Gelder werden aktuell nur nach sportlichen Kriterien verteilt, das heißt die Endplatzierungen der letzten Jahre entscheiden, wie viel Geld ein Club bekommt.

Für Treß wäre eine Verteilung nach holländischem Modell, also die Verteilung der Fan-Basis (im Fachjargon: Markenwert) mit einzubeziehen. Dabei würden zum Beispiel zu Auswärtsspielen mitreisende Fans und Einschaltquoten berücksichtigt. „Ohne die Fans“, ist laut Treß „gar nichts zu verteilen“.

Profitieren würden davon vor allem Vereine, die viele Fans haben, in der Tabelle aber nicht oben mitspielen. Bisher hätten diese „Mittelklassevereine“ sich aber nicht für diese Neuregelung eingesetzt.

Eine solche Veränderung in der Verteilung der TV-Gelder würde die Clubs zur „Intensivierung der Gewinnung und Bindung von Fans“ veranlassen. Nach und nach könnte man so die „Attraktivität der Bundesliga“ steigern.

Treß2
Auf der anderen Seite schütze die 50+1-Regel vor der „Verfolgung nicht-ökonomischer Einzelinteressen“. Damit meinte Thomas Treß, dass Investoren „keine Plattform zur Selbstdarstellung“ gegeben wird. Investoren gäben den Clubs oft nur Darlehen – sobald sie wieder ausstiegen, würden die Clubs von Schuldenlasten erdrückt.

In Dortmund gehe er davon aus, dass die „Südtribüne Sturm“ laufe gegen einen möglichen Investor. Bei anderen Clubs sei das nicht der Fall.

Das Financial Fairplay-Konzept, welches zur Saison 2013/2014 eingeführt werden soll, besagt, dass die Ausgaben der Clubs nicht höher sein dürfen als die Einnahmen. Allerdings gibt es eine Übergangsregelung, anschließend ist ein jährliches Defizit von 5 Millionen Euro erlaubt. FFP soll für alle Champions League-Teilnehmer gelten.

Nicht in die FFP-Bilanz einfließen werden Ausgaben die Stadion und Jugendbereich betreffen, sowie fußballfremdes Geschäft, Ertragssteuern und Dividenden.

2

Die Sponsoringeinnahmen müssten laut den FFP-Regularien marktvergleichbar sein, bisher habe die UEFA jedoch nicht bekannt gegeben, wie das geregelt werden soll.

Fraglich bleibe außerdem, wie Clubs, die gegen die Regeln verstoßen, bestraft werden. Treß berichtete, dass momentan über Geldstrafen  nachgedacht werde und fügte augenzwinkernd hinzu, dass jeder diese Überlegung beurteilen solle.

Ginge es nachThomas Treß, sollte FFP in Deutschland für die drei höchsten deutschen Spielklassen (1. bis 3. Liga) eingeführt werden. So könnte ein Club wie RB Leipzig „schon in der zweiten oder dritten Bundesliga ausgebremst werden“.

Insgesamt war Treß zum Thema FFP der Auffassung, dass noch nicht geklärt werden kann, „ob es was bringt“.Momentan laufe eine Testphase, an der auch Borussia Dortmund teilnimmt.Nicht nur um das Financial Fair Play voranzutreiben, sondern auch um zu wissen, wo der BVB steht.

Im Anschluss an seinen Vortrag gab es bunte Diskussionen zum Namen unseres Stadions, dem Merchandising und dem Transfer von Marco Reus. Dabei erteilte Treß einer möglichen Rückkehr zum alten Stadionnamen eine klare Absage: „Solange die Signal Iduna das macht, bin ich dafür, dass das weitergeht.“ Allerdings brauche sich niemand Sorgen machen, dass sich der Name des Stadions ähnlich oft ändere wie in Hamburg. Das sei schon aus ökonomischer Sicht vollkommen sinnlos; bei jeder Umbenennung ist das Namensrecht nämlichweniger wert.

Was das neue Trikot angeht, wies Treß Befürchtungen, dass der erneute Ausrüsterwechsel mit einem weiteren neuen Gelbton verbunden ist, zurück: „Das Gelb ist im Vertrag festgeschrieben“. Ein spezifisches BVB-Gelb zu haben, sei auch für die Marke Borussia Dortmund wichtig.

Zur Ablösesumme und dem Gehalt von Marco Reus versicherte der Geschäftsführer den anwesenden Fans, dass der Transfer kein finanzielles Risiko für den BVB bedeutet. Ein solcher Wechsel sei zwar nicht in jeder Saison zu finanzieren, aber er (Treß) habe in den vergangenen Jahren nicht so hart gearbeitet, um wieder in eine ähnliche Situation wie 2005 zu geraten – kein Transferrisiko also, beruhigt der BVB-Geschäftsführer.

Der Abend gab einen Einblick in einen der Bereiche unseres Lieblingsclubs, der den Fans sonst oft verschlossen ist: Der Verein aus wirtschaftlicher Sicht – eine Perspektive, die den Fan als Markenwert betrachtet.

Scroll To Top