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Stellungnahme der BVB | Fan- und Förderabteilung

Die allermeisten BVB-Fans haben sich das erste Heimspiel der neuen Saison sicherlich anders vorgestellt – als rauschendes Fußballfest mit ausgelassener Stimmung und lautstarkem Support. Doch leider kam es anders, denn im Stadion blieb es über lange Strecken ziemlich still. Die drei Dortmunder Ultra-Gruppen hatten sich aufgrund polizeilicher Aktionen im Vorfeld des Spiels spontan dazu entschlossen, an diesem Spieltag aus Protest zu schweigen.

Die Fanabteilung hält diese Reaktion vor dem Hintergrund der Geschehnisse an diesem Spieltag für nachvollziehbar.


Bereits Stunden vor dem Anpfiff hatte sich die Ultra-Gruppe Desperados auf den Weg zum Stadion gemacht, um gemeinsam mit der Fanabteilung eine Sammelaktion zugunsten des Franz-Jacobi-Filmprojekts durchzuführen. Sie kam bis zur Roten Erde, dort wurde sie von der Polizei gestoppt und eingekesselt. Die Mitglieder der Ultraguppe mussten sich und ihre Fanutensilien nach vorherigen Vermittlungsversuchen durch das Fanprojekt und die Fanbetreuer des BVB einer umfassenden Kontrolle durch die Polizei unterziehen lassen.

Doch beschränkte die Polizei, entgegen ihrer getätigten Aussagen, ihre Maßnahmen nicht nur auf die Ultra-Gruppe Desperados. Auch viele kleinere Fanclubs mussten sich auf dem Weg zum Stadion Durchsuchungen gefallen lassen. Fans wurden ohne Begründung von der Polizei aufgehalten, Materialien und Personen kontrolliert und videografiert. All dies geschah ohne vorherige Rücksprache mit den Verantwortlichen von Borussia Dortmund.

Gemeinsam mit den anderen Ultra-Gruppierungen entschieden sich die Desperados kurz vor dem Spiel zu einem Support-Verzicht, um auf das Verhalten der Polizei gegenüber den BVB-Fans öffentlich aufmerksam zu machen und gegen die beim ersten Heimspiel in der Saison ergriffenen Maßnahmen zu protestieren.

Laut Aussage der Polizei stützten sich die durchgeführten Maßnahmen auf den Verdacht, dass „bei vergangenen Spielen Transparente mit strafrechtlich relevanten Inhalten gezeigt wurden“, so der Tenor einer Pressemitteilung der Polizei. Konkret sei es um Banner mit der Aufschrift „ACAB“ sowie ein Bild von Dietmar Hopp im Fadenkreuz gegangen. Ob ein Vorfall, der mehr als drei Monate zurückliegt, geeignet ist, einen konkreten Verdacht zu begründen, der wiederum massive polizeiliche Maßnahmen wie Einkesselungen zu rechtfertigen vermag, möchten wir an dieser Stelle offen lassen. Ebenso wie die Frage, warum eine Fangruppierung ein Konterfei von Dietmar Hopp (ob im Fadenkreuz oder nicht) mit zu einem Spiel gegen Eintracht Braunschweig nehmen sollte.


Es geht uns nicht darum, das am Sonntag Geschehene rechtlich zu bewerten. Ebenso steht die Verpflichtung der Polizei, bei objektiv strafrechtsrelevantem Verhalten einzuschreiten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, selbstverständlich außer Frage. Das möchten wir ausdrücklich betonen.

Es geht uns an dieser Stelle vielmehr darum, zu hinterfragen, wie die Staatsgewalt – in diesem Fall die Polizei – derzeit Fußballfans gegenübertritt und mit welcher Motivation sie dies tut.

Insbesondere in der letzten Saison ist viel geredet worden vom intensiven Dialog – mit den Fans, mit den Vereinen, mit der Polizei. Dieser soll nach Aussage des Dortmunder Polizeipräsidenten Wesseler auch in dieser Spielzeit weitergeführt werden. „Wir werden den intensiven Dialog mit allen Netzwerkpartnern und den Fangruppierungen auch in dieser Saison fortsetzen und wollen auch damit einen wichtigen Beitrag für ein sicheres Fußballerlebnis leisten“, wird Herr Wesseler in einer Stellungnahme vom 16. August 2013, zwei Tage vor dem Spiel, zitiert.

Laut dem Duden versteht man unter Dialog „Gespräche, die zwischen zwei Interessengruppen geführt werden, mit dem Zweck des Kennenlernens der gegenseitigen Standpunkte.“ Wir fragen uns nun mit einiger Besorgnis, ob wirklich allen Beteiligten ernsthaft daran gelegen ist, zu einer solchen Form der Verständigung zu kommen. Denn bei einem echten Dialog geht es natürlich nicht nur um den bloßen Austausch von Informationen, sondern vor allem um das aufrichtige Interesse an dem Gegenüber und auch – zumindest als Grundlage – um ein gewisses Maß an Vertrauen.


Wir hoffen sehr, dass der Dialog auch in der neuen Saison fortgesetzt wird. Und wir sind auch gerne dazu bereit, uns weiterhin dafür einzusetzen, hierfür entsprechende Grundlagen zu schaffen. Wir möchten aber auch die Polizei Dortmund bitten, sich selbst zu hinterfragen, ob ein derartiges Einschreiten bei dem ersten Heimspiel in einer neuen Saison geeignet ist, ein entsprechendes Gesprächsklima sowie gegenseitiges Vertrauen zu schaffen. Und ob es nach den Ereignissen am Sonntag überhaupt gelingen kann, für alle Beteiligten nicht nur eine sichere, sondern auch ein freundliche Fußballatmosphäre zu schaffen.

Wir sind Fußballfans. Wir gehen ins Stadion, um unsere Mannschaft mit aller Leidenschaft zu unterstützen. Wir würden uns wünschen, dass wir auch genau so wahrgenommen werden.

Ach, und ganz nebenbei, fast hätten wir es vergessen: „Strafrechtlich relevante Aufschriften konnten nicht festgestellt werden. Eine Sturmhaube wurde sichergestellt.“ Ausschreitungen gab es keine. Weder während noch nach Durchführung der polizeilichen Maßnahmen.

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