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London Calling – Mein schwarz-gelber Tag auf der Insel

London Calling – Mein schwarz-gelber Tag auf der Insel

 

So einiges ging mir durch den Kopf, als ich am 08.05.2013 um 23.50 Uhr in mein E-Mail-Postfach schaute. Doch das, was ich sah, ließ mein Herz schneller schlagen: Es war nicht die erwartete E-Mail von Borussia Dortmund mit einer Absage und einem Dank für die Teilnahme an der Verlosung wie noch vor einem Jahr beim Pokalfinale in Berlin – nein, es war eine E-Mail von „tickets@bvb.de“. In diesem Moment wagte ich kaum zu glauben, was ich im nächsten Moment lesen konnte: „Herzlichen Glückwunsch!“ Meine Freude darüber, in London dabei sein zu dürfen, war unbeschreiblich groß und wollte raus – zur Freude meiner Nachbarn … Eigentlich wollte ich in dieser Nacht schlafen, um fit für meinen anstehenden Berlintrip zu sein, doch an Schlaf war nun nicht mehr zu denken. Das Adrenalin in den Adern und das pure Glücksgefühl über die Tickets ließen mich nur dauergrinsend im Bett wach liegen. Und wie viele andere hatte auch ich in dieser Nacht die eine oder andere Freudenträne vergossen. 

Lisa HalmNun ging es an die Planung – wie kommen wir nach London? Die Busplatzverlosung der BVB | Fan- und Förderabteilung hatte ich leider knapp verpasst und so entschieden wir uns, mit dem Auto nach Brüssel und von dort aus mit einer Buslinie von Eurolines nach London zu fahren. Dann war er gekommen: der 25.05.2013. Morgens um halb drei ging es mit einem Zeitpuffer von zwei Stunden von Köln aus Richtung Brüssel. Dort angekommen standen wir aber schon vor dem ersten Problem: Wo parken wir? Nach einer anderthalbstündigen Suche und unzähligen Versuchen, auch nur einen Menschen zu finden, der einen richtigen Hinweis hatte, parkten wir in irgendeiner Seitenstraße – in der Hoffnung, das Auto am nächsten Abend auch noch wieder zu sehen. Aber all das rückte erst einmal in den Hintergrund, denn wir konnten es kaum erwarten, nach London aufzubrechen.

In Brüssel trafen wir schon auf die ersten Gleichgesinnten – teilweise ebenfalls glückliche Kartenbesitzer, aber auch ein paar Fans, die einfach nur die Atmosphäre in London aufsaugen wollten. Die Stimmung im Bus war optimistisch und auf dem Weg nach London wurden die ersten Fangesänge angestimmt. So ging es über Lille zur Grenze, an der wir durch den Eurotunnel fahren sollten. Hier war auch schon ein erster richtiger Vorgeschmack auf den bevorstehenden Abend zu erkennen. Dortmund- und Bayernfans bildeten Blöcke und sorgten für gute Stimmung. Zwei Dinge waren schon zu diesem Zeitpunkt klar – beide Gruppen wollten an diesem historischen Tag ihre Mannschaft feiern, aber wir Dortmunder haben die lauteren und besseren Fans! (Das haben mir nach diesem Wochenende sogar einige befreundete Bayernfans attestiert.) 

Lisa Halm 2Mit ein wenig Verspätung ging es von der Grenze aus weiter nach London. Hier angekommen haben wir schnell im Hotel eingecheckt, um direkt zum Stadion zu fahren. Das, was nun folgte, ist nur mit einem Wort zu beschreiben: einzigartig! Schon in der hoffnungslos überfüllten U-Bahn konnte man ein wenig von der Atmosphäre erahnen, die wir 50 Minuten später vor dem Stadion erleben sollten. Ein schwarz-gelbes Meer an Menschen und wir mittendrin. Es wurde gesungen und gefeiert. Viele sagen, dass sich die Fankultur der Dortmunder nach den letzten Jahren verändert hätte; dass es viele Fans gibt, denen die Leidenschaft und das Herzblut fehlen, oder dass es Leute gibt, die ihre Karten nur kaufen, um sie dann lieber bei Ebay und Co. zu versteigern, als bei diesem so einzigartigen, historischen Tag live dabei zu sein. Sicher, diese Leute mag es geben, aber das sind dann in meinen Augen auch keine richtigen Fans. Denn eins habe ich in London gemerkt: Die Fankultur des BVB ist einzigartig auf dieser Welt. Eine in schwarz-gelb getauchte Stadt und Fans, die auch in schweren Zeiten und einer Niederlage so hinter ihrer Mannschaft stehen, die auch nach einer Niederlage ihre Mannschaft feiern, als hätte der BVB den Pott geholt – das gibt es nur beim BVB!

Die Verbundenheit zur Mannschaft und zu diesem Verein kann man auch schon an Kleinigkeiten erkennen, wie dem großen Foto von unserer Mannschaft, vor dem man sich fotografieren lassen konnte – auf der Gegenseite stand übrigens ein Foto von der Umkleidekabine. Aber auch an den vielen in Vorfreude auf das kommende Ereignis strahlenden Gesichtern konnte man so einiges ablesen. Von der Masse mitgerissen ging es dann Richtung Stadioneingang, wo sich die Masse teilte – links die Dortmunder, rechts die Bayern. So groß unsere BVB-Familie auch ist, so klein ist doch die Welt, denn wir haben hier auch ein paar Freunde aus der Heimat getroffen. Nun ging es in unseren Block, in dem wir Teil der gelben Wand wurden, aber gleichzeitig auch einen guten Blick auf den Rest von ihr hatten. Ab hier gab es eigentlich kein Halten mehr. Schon vor Beginn des Spiels wurde gesungen und die Mannschaft gefeiert – sei es beim Aufwärmen oder bei der Mannschaftsaufstellung. Auch das gesamte Spiel über war die Atmosphäre kaum zu beschreiben. Wirklich realisieren konnten wir das alles in diesem Moment noch nicht. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an dieses Gefühl denke, dabei gewesen zu sein und das alles miterlebt zu haben.

Lisa Halm 3Das, was wir vorher gehofft und woran wir geglaubt hatten, nämlich dass der BVB dieses Finale gewinnen kann, war nach dem Anpfiff deutlich zu sehen. Anfangs klar die bessere Mannschaft hatten es die Jungs leider nicht geschafft, ihre toll herausgespielten Möglichkeiten auch zu nutzen. Zugegeben, die erste Halbzeit hatte uns alle schon so einige Nerven gekostet. Doch lange nicht so viel wie die 60. Minute – das 1:0 für die Bayern. Ein Schock für jeden Dortmunder, doch noch kein Grund zur Verzweiflung! Die gesamte gelbe Wand feuerte nun nur noch lautstärker unseren BVB an. Dann kam der Elfmeter – keiner wusste so recht, ob er hinschauen soll oder nicht … Mein Herz pochte immer stärker und ich habe instinktiv mit der Kamera draufgehalten. Dann der Schuss – TOOOOR!! Was in diesem Moment in uns allen vorging, lässt sich kaum beschreiben, ein großer Stein fiel uns vom Herzen und wir alle verfielen in totale Ekstase, was unschwer an meiner „grandiosen“ Kameraführung nach dem Torschuss zu erkennen ist. Kurz vor Schluss kam dann der Stich in jedes Borussenherz, das müssen wir uns wohl alle eingestehen. Das Tor von Robben in der 89. war ein unglaublicher Schock für uns alle. Es blieb kaum noch Zeit zum Reagieren, doch die Hoffnung hatten wir selbst da noch nicht aufgegeben: Ein Tor in der letzten Sekunde – das haben wir doch schon mal geschafft! Diese Hoffnung wurde mit dem Abpfiffton jäh erstickt.

Was danach kam, gehört auch zu den Momenten, die ich in meinem ganzen Leben wohl nie vergessen werde, und auch das zeichnet jedes einzelne Mitglied dieser einzigartigen Fankultur aus. Mit Tränen in den Augen standen wir wie automatisiert auf und erhoben die Schals. Trotz der Niederlage und der Trauer über den Spielausgang kam in mir und auch bei den meisten anderen Dortmundern der Stolz auf diese Mannschaft auf. Was diese Jungs diese Saison und auch schon die letzten Jahre geleistet haben, ist einfach unbeschreiblich. Wir haben in der letzten Minute dieses Finales zwar das Spiel verloren, aber doch mehr gewonnen, als vielleicht einige denken. Wir gehören zu den besten Mannschaften dieser Welt und die Jungs auf dem Platz konnten ihre Qualität zeigen. Aber nicht nur die Jungs, sondern auch wir, jeder einzelne, der in London dabei war, haben gezeigt, was es heißt, ein schwarz-gelbes Herz zu haben. Es gibt wohl keine andere Mannschaft, deren Fans nach einer Niederlage noch so (im wahrsten Sinne des Wortes) hinter ihrer Mannschaft stehen.

Lisa Halm 4Der Sieg der Bayern war verdient, keine Frage, aber es hätte sich auch niemand beschweren können, wenn der Sieger Borussia Dortmund gelautet hätte. Nach einer großartigen Saison der Bayern haben sie diese mit dem Pott gekrönt. Ihre Fans haben das an diesem Abend aber wohl – zumindest außerhalb des Stadions – nicht ganz erfassen können. Wir gehörten zu den Letzten, die aus dem Stadion gingen, als sich auch viele Bayernfans auf den Weg machten. Hätte man das Spiel nicht gesehen, so hätte man aber meinen können, dass nicht die Bayern, sondern wir das Finale gewonnen hätten. Wir Dortmundfans haben unseren BVB besungen, vom Stadion bis in die U-Bahn hinein, von den Bayernfans war nichts zu hören. Und auch diese Tatsache macht diesen Abend trotz der Niederlage so unvergesslich. Wir stehen zu unserem BVB – in guten und in schweren Zeiten. Auf dem Rückweg haben uns einige Engländer angesprochen und uns ihr Bedauern ausgesprochen, da sie auch auf der Seite des BVB standen. Auch hier konnte ich sehen, dass der BVB durch das Finale sehr viele Sympathien bekommen hat.

Lisa Halm 5Am nächsten Morgen ging mir einiges durch den Kopf, aber treffender als ein Freund von mir kann man es wohl nicht beschreiben: „Wenn danach in der Stadt am Piccadilly nur Dortmunder feiern, Bayern staunend zuschauen und fragen, ob sie mit uns feiern dürfen, wenn Fans zeigen, dass sie sich auch noch über Kleinigkeiten (Als ob das Finale eine Kleinigkeit wäre!) freuen können und auch in der Trauer zu ihren Jungs halten, wenn man morgens traurig aufwacht und trotzdem weiß, dass der BVB Großes vollbracht hat, dabei auch viel Glück hatte, welches gestern leider fehlte, wenn eine Stadt glaubt, die Borussia hätte gewonnen, dann weiß man, es ist echte Liebe. Und nur, wer ehrlich liebt, darf auch ehrlich mal traurig sein. Aber wir bleiben immer ein Teil von dir – Booooooooooooooooorussia.“

Was bleibt, sind wundervolle und vor allem unvergessliche Erinnerungen an ein Wochenende, die man kaum in Worte fassen kann. Ich bin unglaublich stolz auf den BVB, der großartig gekämpft hat: Danke Jungs! – Denn wer hätte wirklich gedacht, dass wir in dieser Champions-League-Saison im Finale stehen würden? Ich bin mir sicher, dass die Borussia auch in Zukunft solche Momente für uns bereithalten wird; das nächste CL-Finale kommt bestimmt! You’ll never walk alone – das haben wir schon an diesem Wochenende beweisen und spüren können. Es war ein einzigartiges Erlebnis und ich bin stolz, Borusse zu sein!

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