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An Tagen wie diesen…

Es war 5:30 Uhr morgens, als der Wecker rappelte. Völlig übermüdet habe ich mehrmals auf ihn draufgeschlagen. Aber es war ein schönes Klingeln. Es war das Zeichen, dass es gleich losgehen werde. Nach Berlin. In einem zur Schulzeit unerreichbarem Tempo sprang ich aus meinem Bett und machte sofort Musik von M.I.K.I und Dauerkarte an. Erst, als mein Bruder im Nachbarzimmer immer und immer wieder gegen die Wand geschlagen hat, habe ich gemerkt, dass die Musik wohl etwas zu laut war und noch andere Leute im Haus schlafen wollten. Doch eigentlich war mir das völlig egal. Schließlich hat mein Vater mich und einen Freund, Lars, zum Hauptbahnhof gefahren.

In der Eingangshalle des Bahnhofes angekommen, traf ich sofort viele weitere Freunde und schließlich auch Richter, der mit mir und Lars die Zugfahrt gebucht hatte. Lars hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch leider keine Karte für das Spiel bekommen können, wollte aber natürlich trotzdem mitfahren. Richter und ich hatten das Glück über die Verlosung an Karten gekommen zu sein. Häufig genug haben wir uns dafür selbst gefeiert Karten zu haben. Es machte einfach glücklich und Hoffnung auf ein wahnsinns Wochenende!

Kartenglück vor dem Stadion

Unser Zug ist um kurz vor sieben endlich abgefahren. Zum Bedauern waren wir nicht in einem Sonderzug, weil wir schon lange bevor die Fahrten für diese herauskamen gebucht hatten, aber dennoch waren unzählige Dortmunder mit uns im IC unterwegs. Die begonnenen Versuche zu schlafen scheiterten kläglich an der guten Laune und der riesigen Vorfreude auf das Wochenende. Schließlich klingelte Lars‘ Handy um viertel nach neun. Ohne jegliches Gespräch am Handy war die Botschaft für ihn glasklar: Auch er sollte ins Stadion und seine Eltern haben eine Karte für ihn organisiert, die er vor dem Spiel überreicht bekommen sollte. Der Wahnsinn!

Während wir im Zug über eine kleine Musikanlage wieder nur BVB-Lieder hörten ging auf einmal ein Mann an uns vorbei. Richter war sich sofort sicher, dass das Miki, der Dortmunder Rapper war. Kurz seinen Namen gerufen, nahm er uns wahr grüßte uns. Auch er war auf dem Weg nach Berlin und seine Vorfreude war kaum zu übersehen.

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Die Zeit im Zug verging rasend schnell. Ruckzuck waren wir in Berlin am Hauptbahnhof angekommen. Die ersten Biere hatten wir bereits geköpft. Voller Enthusiasmus sind wir ohne zu überlegen, wo unser Hostel überhaupt sein könnte in die nächste S-Bahn eingestiegen und haben uns einfach nur gefreut endlich da zu sein. In der Hauptstadt, in Berlin. Nach langer Zeit haben wir dann endlich unser Hostel gefunden, haben aber nur kurz unsere Rucksäcke abgestellt und uns auf den Weg zur Gedächtniskirche gemacht um uns mit den anderen Schwarzgelben zu treffen. Noch bevor wir auf dem Hauptplatz waren, habe ich direkt zwei Freunde getroffen mit denen wir noch Bier kaufen mussten um uns die nächsten Stunden würdig auf das Spiel einzustimmen. An der Gedächtniskirche trafen wir dann unsere weiteren Freunde und es wurde zusammen gefeiert, getrunken und gesungen.

Später sind wir dann Richtung Stadion mit der U-Bahn gefahren. In der Bahn herrschte ausgelassene Stimmung: Immer wieder wurden verschiedene Lieder angestimmt, die alle mitfahrenden Gäste zum Singen und Hüpfen animierten. Leider wurde bei einem Lied so viel gehüpft, sodass die Bahn Schaden erlitten hat und nicht weiterfahren konnte. Nach einer Wartepause mussten wir dann in eine andere Bahn umsteigen. Je näher wir auf den Gleisen zum Stadion kamen, desto größer wurde unsere Laune auf das Spiel. Auf einer Skala von 1 bis 10 lag diese Lust allerdings schon locker bei 10 und wir wussten nicht, wie es noch besser werden konnte. Aber wir waren uns sicher, dass es das wird!

Schnell wurden noch die Wetten im online Wettbüro abgeschlossen und wir setzten alle eine selbstverständlich recht hohe Summe auf die beste Mannschaft der Welt, Borussia Dortmund!

Endlich kamen wir am Stadion an. Jetzt sollte auch Lars seine Karte bekommen. Nach wenigen Minuten des Telefonierens stand seine Mutter vor ihm undüberreichte ihm seine Karte.

Marathonkurve – eine große Familie


Wir waren uns sicher, dass das, was jetzt gleich passieren würde uns nie wieder aus den Köpfen gehen wird. Wir fühlten uns groß, stolz und einfach nur glücklich, dabei sein zu können. Als wir endlich die scharfen Sicherheitskontrollen hinter uns hatten, ging es in den Block. Block G. Den Gästeblock. Nach nur wenigen Metern trafen wir Miki mal wieder und machten ein Foto mit ihm. Doch wir sind weiter herunter gegangen. Solange, bis es nicht weiterging, solange, bis die Reihen voll besetzt waren und wir uns einfach nur wie zu Hause, wie mit unseren Freunden unter diesen Tausend Leuten gefü

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hlt haben. Es fühlt sich gut an, mit einer großen Menge an Menschen das Selbe zu verspüren. Wir alle haben das gleiche Interesse. Wir alle haben die gleiche Leidenschaft. Wir alle streben nur für eins: Unsere Liebe zu Borussia Dortmund. Und unter dieser großen Familie trafen wir natürlich auch uns sehr gut bekannte Freunde. Einfach nur schön, atemberaubend.

Es dauerte nicht mehr so lange, bis die Schlacht beginnen sollte. Dieser Moment indem die Mannschaft eingelaufen ist, war…war einfach grandios. Das Olympiastadion verwandelte sich in zwei Parteien. Auf der einen Seite Borussia Dortmund und auf der anderen Bayern München. Doch mehr als die Hälfte stand für die Schwarz-Gelben ein.

In der Kurve wurde natürlich Vollgas gegeben. Aber auch auf den restlichen Rängen herrschte ausgelassene Stimmung. Trotz, dass im Olympiastadion nicht so viele Borussen waren, wie sonst im Westfalenstadion, hatte ich das Gefühl, die Athmosphäre sei noch besser! Nach drei Minuten das unglaubliche, das unvorhergesehene, das unvorstellbare…1:0 für den BVB! Dieses Gefühl, dieser Moment ist für mich immernoch wie Musik in meinen Ohren. Mein größter Traum, das Double, sollte wahr werden. Das zunächst entstandene 1:1 peitschte uns in der Kurve noch mehr an, obwohl ich bereits überhaupt keine Stimme mehr hatte und ich nur noch Laute in den verschiedensten Sequenzen von mir gab. 2:1, 3:1, 4:1. Der absolute Wahnsinn! Bei diesem historischen Event dabei sein zu können, war für mich eine Ehre. Ich war einfach nur glücklich und noch ein bisschen mehr. Dieses Gefühl lässt sich nicht mehr in Worte fassen. Es war das Beste, was in meinem bis jetzt noch jungen Leben geschehen konnte. Es fielen das 4:2 und das 5:2. Die Stimmung hatte längst ihren Zenit erreicht!

Pures Glücksgefühl nach dem „Full House“

Das Spiel war aus. 5 Tore gegen die Bayern. Die volle Hand. Das Full House. Selten bin ich so eskaliert wie an diesem Tage – und da gleich 5 mal! Wir Fans waren eins. Eine Familie. Man umarmte einfach jeden, da jeder das gleiche spürte und für jeden einzelnen ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Für viele Menschen ist der Hochzeitstag der schönste Tag im Leben, für andere die Geburt eines Kindes, für wieder andere der Gewinn im Lotto. Aber diese Gefühle, die in diesen Minuten auf mich eingewirkt haben, sind mit keinem Geld der Welt zu kaufen. Sie sind noch nicht einmal zu beschreiben. Man war einfach nur … glücklich.

 

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Aus nächster Nähe hatten wir nach dem Spiel die Möglichkeit die Spieler zu betrachten, da wir bei jedem Tor so viele Reihen hinunter gefallen waren und so fast in der ersten Reihe standen. Die von den Toren mitgenommenen Blessuren vom Hinfallen, hat man gar nicht mehr gespürt. Überragend. Lange waren wir noch im Stadion und sahen der Mannschaft beim Feiern zu und feierten mit ihr. Es war die größten und beste Party, auf der ich je war!

Als die Laola mit Pokal und Meisterschale in der Kurve gemacht wurde, waren wir uns einig, etwas großes geleistet zu haben. Die Mannschaft und die Fans. Wir bildeten eine Gemeinschaft, die zugleich auch noch sehr erfolgreich war. Endlich hatten wir es geschafft! Wir haben das Double nach Dortmund geholt. Es hat einige Jahre gedauert, aber am 12.5.2012 war es soweit. Dass ich dabei sein durfte, erfüllt mich immernoch mit unvorstellbarem Stolz! Dies sind Ereignisse, von denen ich noch meinen Enkelkindern noch voller Euphorie erzählen werde. Ich hoffe, meine zukünftigen Kinder und Enkelkinder können das gleiche erfahren wie ich. Diese Momente geben einem etwas, woran man sich immer festhalten kann. Und genau das ist sehr beruhigend.

Im Stadion lief der neue Song von den Toten Hosen: „Tage wie diesen“. Als auch Kevin als letzter Borusse das Stadion verlaß sind auch wir allmählich gegangen. Man traf immer mehr gute Bekannte denen auf der Stirn stand: Meisterschaft + Pokal = GLÜCKLICH!

Nachdem wir nach langem Warten endlich einen Zug Richtung Gedächtniskirche erwischten, ging die Party im Zug da weiter, wo sie auf der Hinfahrt aufgehört hatte. Überragend!

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An der Gedächtniskirche angekommen, entschlossen wir uns spontan essen zu gehen. Erst sollte ein feines Steak her, aber leider hatte unser Steakhouse unseres Vertrauens schon geschlossen. Also entschieden wir uns für den Italiener. Er war einer der wenigen die noch auf hatten. Während wir nach einem Tisch fragten, schaute aus dem Nachbarraum ein uns bekanntes Gesicht. Der Vater von einem meiner besten Freunde. Auch er schien einfach nur glücklich. Kurzerhand bot er uns an, an seinen Tisch zu kommen und mit ihm gemeinsam zu speisen. Dies lehnten wir natürlich nicht ab, da der Vater selbst ein grandioser Typ ist und es sich bekanntlich am besten gemeinsam feiern lässt.

Spät entschlossen wir uns dann zu zahlen und wollten zurück unter den freien Himmel um mit anderen weiter zu feiern. Als wir nach der Rechnung fragten, kam die Kellnerin und wollte uns gerade mitteilen, wie viel wir bezahlen sollten, doch der Vater fiel uns ins Wort und wollte für uns bezahlen, super nett!

Der Tag war einfach nur perfekt. Es war kein perfekt, was man mal eben so herunter sagt, sonder vielmehr ein perfekt, was wirklich so gemeint war, eines, das nicht zu toppen war. Unübertrefflich. Atemberaubend. Eines, was einen mit unbeschreiblichem Glück erfüllt. In der Krönung mit Erfolg. Ein perfekt, dass die kühnsten Träume wahr werden lässt. Ein perfekt, dass jedem von uns ein Lächeln auf Gesicht zeichnete. Es war ein perfekter Tag, den niemand, und damit meine ich niemand, jemals vergessen wird. Dieser Tag wird für immer in unserer Erinnerung bleiben. Aber ganz besonders in unserem Herzen. Das alles kann uns keiner mehr nehmen. „Tage wie diese“ sind wertvoll, sehr wertvoll. Würden sie nicht existieren wüsste ich, dass etwas in meinem Leben fehlen würde. Es wäre nicht erfüllt. Aber so kann es das sein.

Immer, wenn ich dieses Lied, „Tage wie diese“, höre, bekomme ich ein Kribbeln im Bauch. Mein Gesicht setzt ein großes Lächeln auf und es macht mich einfach nur glücklich. Dieses Gefühl ist mehr als Liebe. Freunde kommen und gehen, aber Borussia Dortmund wird es immer geben. Eine Liebe, die unzertrennlich ist, so schwere Zeiten es auch geben mag.

Borussia Dortmund, du bist unsere Droge! Borussia Dortmund, du bist unser Leben.

Danke für diesen unvergesslichen Tag!

Simon Kooke

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