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Wenne denkst, dat de träumst!

Ich denke, ich fühle wie jeder Andere unter uns, aber was da in den letzten Wochen geschehen ist, kann ich einfach immer noch nicht begreifen. Da schreibe ich vor ein paar Wochen noch aus einem Kurzurlaub in Berlin eine Kolumne, völlig geschockt von dem 4:4 gegen Stuttgart – und ein paar Wochen später stehen wir mit der Schüssel und dem Pott in der Hand da. Manchmal macht man sich wahrscheinlich viel zu bekloppt, aber das macht es ja auch irgendwie aus…

Alle Emotionen, die nach dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach hochkamen, sind gar nicht in Worte zu fassen und wie unfassbar geil jeder Fan von Borussia Dortmund in diesen Tagen war, kann ich auch gar nicht hoch genug ansiedeln.

Fakt ist: Jeder einzelne Borusse hat sich diese Momente so unfassbar verdient. Wenn man nur mal kurz innehält und darüber nachdenkt, wo wir eigentlich herkommen, fragt man sich doch manchmal, ob dies alles ein wunderschönes Märchen ist und du irgendwann wieder wach wirst.

Berlin, 12.05.2012, ca. 20.50 Uhr im Olympiastadion

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Ein älterer Herr, der mich schon bei den ersten 3 Toren beinahe erdrückt hätte vor Freude, kommt mit mir ins Gespräch. Die Art und Weise ist einfach nur toll!

„Mein Junge, dass ich das noch erleben darf. Unsere Borussia ist Deutscher Meister und steht im DFB-Pokalfinale und wir können heute das erste Double der Vereinsgeschichte schaffen. Vor drei Jahren habe ich eine schlimme Krankheit besiegt, obwohl alle meinten ‚Das schafft der Günther nicht mehr‘. Aber irgend jemand da oben hat wohl gedacht, ‚Das muss der Günther noch mitbekommen'“.

Diese Leidenschaft und Freude, die dieser Mann dann auch in der zweiten Halbzeit bei den Toren und vor allem nach dem Abpfiff zeigte, machten mich wieder einmal stol,z dazuzugehören. Wie eine große Familie, wo jeder für den anderen da ist und falls er das gerade noch einmal lesen sollte, alles Gute, Günther, du hast es dir verdient!

Gegen 22.10 Uhr

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Sebastian Kehl und die geilste Truppe der Welt strecken den goldenen Pott in den Berliner Abendhimmel, grenzenloser Jubel jedes Schwarzgelben und unfassbare Freude in allen Augen, wohin man auch schaut. Nur einer steht ganz alleine in sich gegangen auf dem Platz und schaut sich das Spektakel in aller Ruhe an: Aki Watzke.

Ohne ihn wäre dies alles gar nicht möglich gewesen und ich glaube, auch Aki kann gar nicht glauben, was da gerade passiert ist. Wie ein Schlosshund steht er da und weint einfach, ausgelassen und richtig sympathisch, wie ein kleiner Junge, dem gerade das schönste aller Geschenke gemacht wurde. Was für ein toller Mann, was für ein Kämpfer! Einer der größten Momente dieser Wochen.

Berlin war unfassbar. Über 70.000 Borussen verwandelten die Stadt in ein schwarzgelbes Fahnenmeer, überall Borussen, soweit das Auge reicht. Selbst der Taxifahrer, nicht gerade fußballfachmännisch veranlagt, beteuert „so etwas“ noch nie in Berlin gesehen zu haben.

Bis in die Nacht hinein feiern die Menschen den vielleicht nach der Nacht von München größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Ob in Pubs, auf der Straße, in Gassen, Parks, Discotheken oder an der Gedächtniskirche: Sie sind einfach überall, diese Borussen!

Am nächsten Morgen kurz ein bisschen Energie getankt, ging es dann auch schon wieder rein in den ICE, ab in die Bierstadt. Mit der wohl schlechtesten Internetverbindung aller Zeiten versuche ich mir im Zug die Tore vom Vorabend anzuschauen und bin immer noch von der Rolle. Fünf Stück gegen diese selbsternannten Champions, die später mit leeren Händen dastehen sollten.

Wie wäre das Spiel wohl ausgegangen, wenn die Bayern entgegen aller Stimmen (Philipp Lahm: „Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft.“) die schlechtere Mannschaft gewesen wäre? Nicht auszudenken.

In Dortmund angekommen, geht es mit Familie und Freunden in die Partystadt, keiner kennt mehr ein Halten und wir bahnen uns den Weg bis zum Schwanenwall.


Jeder schreibt seine eigene Geschichte
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Stundenlang wird auf der Straße getanzt, Autos nur per Humba durchgelassen, die Menschen klettern auf Bäume, Dächer oder Ampeln, niemand kennt mehr eine Jubelgrenze. Du schaust den Menschen in die Augen und siehst dieses Glück, jeder einzelne schreibt hier gerade seine eigene Geschichte. Was wäre dieser tolle Verein nur ohne seine Fans? Immer noch kann ich nicht in Worte fassen, was hier gerade wirklich los ist.

Stunden später, nach gefühlten 1909 Blicken auf die Korso-App, rollte tatsächlich der Truck mit unseren Jungs auf uns zu. Illy mit dem Pokal in der Hand, Roman mit der Schale. Gänsehaut ist kein Gefühl, dass auch nur annähernd beschreiben kann, was in diesem Moment in mir vorgeht. Tränen rutschen über mein Gesicht und ich bin einfach nur stolz, dabei zu sein, dass alles überhaupt erleben zu dürfen!

Nach ungefähr 20 Sekunden ist der Truck dann auch schon wieder an uns vorbeigehuscht, doch irgendwie entwickelt sich bei vielen eine Eigendynamik. „Die können wir jetzt nicht einfach so weiterrollen lassen“, dachte ich.

img 3105Jaaa Mann!


Was dann folgte, waren drei Stunden Fußmarsch und grenzenloser Jubel mit der Mannschaft und dem Truck. Als Kevin Großkreutz (Mit Puppe und Anglerhut bewaffnet) mir dann aus drei Metern Entfernung in die Augen schaut und einfach nur „Jaaaaa Junge, Jaaaa Mann“ schreit, ist der Tag für mich der schönste in meinem Leben – wie mit großer Sicherheit für viele von euch auch.

Er klopfte sich dabei mehrere Male aufs Wappen und nie war ich mir so sicher, dass das zu einem Spieler auch nur ansatzweise so passt wie zu ihm. Das ist Borussia, das ist mein Herz, meine Leidenschaft, mein Leben!

Niemals werde ich diese beiden Tage vergessen und nicht ansatzweise werden diese zu toppen sein! Was dieser Verein uns gibt, kann manchmal nicht in Worte gefasst werden oder auch nur begriffen werden.

Ich bin verknallt, wie unser Trainer, in einen unfassbar geilen Verein, und ich danke jedem einzelnen dafür, diesen Tag zu einem ganz besonderen gemacht zu haben. Echte Liebe!

Für immer bist du mein BVB!

Marlon Irlbacher

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