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Interview: Status Quo wieder Fanabteilung

Wie ist die BVB | Fan- und Förderabteilung nach dem Geschäftsjahr 2011/2012 aufgestellt? Welche Verbesserungen braucht es 2013 und wie können wir alle gemeinsam die Fanabteilung noch besser machen? Wir sprachen mit dem aktuellen Vorstand der Abteilung.

Mit Rückblick auf das Geschäftsjahr 2011/2012: Welches Projekt der BVB | Fan- und Förderabteilung bleibt euch in Erinnerung?

Marco: Mit Sicherheit die Mitgliederversammlung im November 2011. Die dort getroffenen Entscheidungen waren für die Abteilung sehr bedeutsam.

vorstand2012 2Welche Veränderungen sind auf dieser Versammlung entschieden worden?

Marco: Die Notwendigkeit einer Abteilungsleitung neben dem geschäftsführenden Vorstand wurde schriftlich fixiert, außerdem wurde entschieden, dass BVB-Angestellte keinen Posten im FA-Vorstand übernehmen dürfen.

Christina: Zusätzlich wurde entschieden, dass es vor der Jahreshauptversammlung des e.V. eine zweite Mitgliederversammlung im Jahr geben wird. Das haben wir im Oktober 2012 bereits das erste Mal umgesetzt.

Es wird immer davon gesprochen, dass die FA in zahlreichen Projekten – vom Karnevalwagen bis zur Fanpolitik – engagiert ist. Könnt ihr diese oft einfach als „viele Bereiche“ benannten Themengebiete noch mal kurz durch Oberbegriffe erläutern?

Marco: Informationsvermittlung durch unsere Medien, Reiseangebote in jeder erdenklichen Form und Fan- und Vereinspolitik.

Christina: Die Schwerpunkte zeichnen sich ja durch die Arbeitsgruppen ab: Fanomenal, Mediateam, „Uns verbindet Borussia“, Helfer-Team, Borussentreffs und halt die Fanpolitik. Reiseangebote oder die Vertretung in den Organisationen wie „Football Supporters Europe“ oder „Unsere Kurve“ gehören außerdem zum Tagesgeschäft.

Guido: Man kann es auf drei Punkte runterbrechen: Außendarstellung, Mitgliederbetreuung und Fanpolitik – das sind die Säulen unserer Arbeit.

Wer steckt denn hinter all diesen Aufgaben und Projekten?

Guido: Klar ist, dass es alles ehrenamtlich stattfindet, was sich aber mittlerweile im Führungsbereich zu einem Nachteil entwickelt hat. Logischer Weise ist halt nicht jeder der sowieso schon zu wenigen Aktiven immer verfügbar, wenn er  oder sie benötigt wird. Bei über 10.000 Mitgliedern und einer Zunahme an Projekten und Wünschen unserer Mitglieder wird das langsam zum Problem.

Ist es denn fest verankert, dass die Arbeit der Fanabteilung nur ehrenamtlich geleistet werden muss?

fanpolitik logoChristina: Zurzeit ist die Ehrenamtlichkeit in der Abteilungsordnung vorgeschrieben. Sowohl für den Vorstand als auch für die Abteilungsleitung. Wenn man also wirklich eine bezahlte Arbeitskraft in diesem Bereich einsetzen möchte, müsste man hier zunächst Veränderungen anstreben und durch die Mitgliederversammlung verabschieden lassen.

Guido: Da muss man sich Gedanken machen. Es ist völlig unstrittig, dass die allermeisten Aufgaben in der BVB | Fan- und Förderabteilung weiterhin ehrenamtlich erledigt werden müssen. Das geht in einem gemeinnützigen Verein, der die FA noch immer ist, auch gar nicht anders und soll auch nicht anders sein, denn wir wollen ja noch immer möglichst vielen Mitgliedern die Möglichkeit geben sich einzubringen.

Worüber man sich aber unterhalten müsste ist, ob nicht für bestimmte Funktionen bezahlte Kräfte eingesetzt werden sollten. Zum Beispiel für jemanden, der die Abteilungsleitung entlastet und vom Vorstand weisungsbefugt ist. Also niemand für die Führungsposition direkt, aber jemand, der die Abteilungsleitung unterstützt. 

Wieso ausgerechnet der Vorsitzende?

Guido: Er oder sie koordiniert und erledigt zu einem Großteil das Tagesgeschäft, hält den Kontakt zum Verein und ist Ansprechpartner für Mitglieder und Medien. Das ist mit Abstand der zeitraubendste und verantwortungsvollste Job, der ehrenamtlich in den heutigen Dimensionen kaum noch für einen normalen Arbeitnehmer zu stemmen ist.

Marco, du sprachst gegenüber der Jahreshauptversammlung davon, dass man schauen müsse, wie die Fanabteilung für die Zukunft aufgestellt werden muss und wie sich möglichst viele Mitglieder einbringen können. Heißt also: Es muss nicht unbedingt eine Festanstellung oder ähnliches her?

Marco: Es muss nicht! Man muss aber dann klären: In welchen Bereichen  und in welchem Maße kann unsere FA handeln? Wie schnell und wie dauerhaft sollen Projekte bearbeitet werden? Bleibt es bei einer rein ehrenamtlichen Tätigkeit muss dann eben auch klar sein, dass einige Bereiche, die vielleicht auch wichtig wären, liegen bleiben und nicht behandelt werden können. Auf Ehrenamtler kann man halt nicht immer so zugreifen, wie man es bei einer Vollzeitkraft könnte.

Christina: Der zeitliche Aspekt ist einfach bei uns sehr wichtig. Wir sind alle voll berufstätig und wir können das, was wir leisten, mittlerweile nur noch machen, weil wir entweder fast unsere gesamte Freizeit dafür opfern, oder eben bei der Arbeit auch mal zurückschrauben und uns dort nicht so einbringen wie wir es sonst könnten.

Michael: Und trotzdem erwarten unsere Mitglieder und die Fanszene ja, dass wir professionell und organisiert jeden Tag arbeiten. Was im Ehrenamt und mit der Größe unserer Organisation kaum zu gewährleisten ist.

Christina: Dabei muss man sicherlich differenzieren zwischen dem Alltagsgeschäft und den immer häufiger stattfindenden Treffen, Veranstaltungen und Diskussionsrunden. Nicht nur in Dortmund, sondern deutschlandweit. Das frisst nicht nur Zeit, sondern auch eine ganze Stange Geld.

Dort müssen wir präsent sein, uns einbringen und Kontakte knüpfen, denn für viele ist Borussia Dortmund ein wichtiger Ansprechpartner.

Man hört heraus: Der Status Quo ist nicht zufriedenstellend, denn der zeitliche Aufwand übersteigt die zur Verfügung stehenden Kapazitäten. Wie ließe sich eine Verbesserung dieses Status erreichen, ohne gleich feste Mitarbeiter anstellen zu müssen?

Marco: Man muss  abwägen und auflisten, was unsere Fanabteilung leisten MUSS. Danach muss man schauen, welche Aufgaben danach wegfallen und wie man die zur Verfügung stehenden Aktiven in diese übrigen Projekte einbinden kann. Davon ausgehend kann man dann schauen, ob zusätzliche Projekte und Angebote – vielleicht durch zusätzliche Ehrenamtler, vielleicht durch freie Kapazitäten bei den Aktiven – umsetzbar sind.

Außerdem muss man schauen, wie Prozesse und Leistungen leichter angeboten werden können. Dazu zählt zum Beispiel eine vernünftige Software zur Verwaltung unserer Reiseangebote. Dann würde eine Sonderzug-Tour auch vielleicht nicht mehr öfter wegen des erheblichen zeitlichen Aufwands abgesagt werden. Gleichzeitig könnten freie Arbeitskapazitäten gewonnen und diese woanders eingesetzt werden.

Was müsste denn eurer Meinung die Fanabteilung  in jedem Fall weiterhin leisten?

Christina: An erster Stelle ist da in jedem Fall Fanpolitik zu nennen, denn das muss einfach eine Hauptaufgabe für eine Fanabteilung sein. An zweiter Stelle seien die Auswärtsangebote genannt, nicht weil wir ein Reisebüro sein wollen, sondern weil sie helfen, die Fanabteilung nun schon acht Jahre lang unabhängig zu finanzieren. Auch die Verknüpfung zwischen den BVB-Fans und der Austausch mit dem Verein sollten eine wichtige Rolle spielen.

Und was würde eine entgeltliche Arbeitskraft ermöglichen, was heute nicht möglich oder nicht mehr lange möglich ist?

Guido: Das Ideal wäre, wenn sehr viele gute Ideen, die bislang auf der Strecke bleiben, umgesetzt werden können.

Gute Ideen bedeuten was zum Beispiel?

Marco: Gemeinsame Fanpartys, eine Intensivierung der Fanhaus-Lösung, mehr Mitgliederservice, mehr Kommunikation mit anderen Fans und Institutionen, schnellere Reaktionen auf Anfragen, bessere Organisation, mehr Informations- und Aufklärungsarbeit zwischen Fans und Verein. Natürlich auch noch mal mehr Präsenz bei Veranstaltungen wie zuletzt dem Fankongress in Berlin oder von Verbands- und Ligaseite. Außerdem würde eine Vollzeitkraft den Ehrenamtlichen den im Tagesgeschäft den Rücken freihalten können und so für mehr interessenbezogenes und somit qualitativeres Engagement sorgen.

Wie wird es jetzt, nachdem die Debatte öffentlich gemacht wurde, mit der Fanabteilung weitergehen?

Marco: Das entscheiden ja nicht wir alleine, sondern eben auch unsere Mitglieder. Es gibt Stimmen – siehe die vorletzte Mitgliederversammlung – die bewusst die FA weiterhin ehrenamtlich gestaltet wissen möchten. Die Verknüpfung zwischen einer Anstellung im Verein und ein Posten im erweiterten Vorstand oder gar als Vorsitzender sind demnach ausgeschlossen. Doch gerade zu Beginn wäre das wohl eine Grundvoraussetzung für einen festen Mitarbeiter der BVB | Fan- und Förderabteilung. Er müsste solange vom Verein bezahlt werden, bis die FA das irgendwann einmal selbst finanzieren kann oder/und ein eigenes Budget vom Verein erhält. Bei einer Festanstellung sprechen wir da von sicherlich über 40.000 Euro im Jahr.

Ehrenamt bleibt also die erste Variante, dann muss aber eben auch jeder damit leben, dass nicht jedes Projekt und jede fanpolitische Diskussion intern innerhalb von fünf Stunden bearbeitet und mit eigener abgestimmten Stellungnahme der Fanabteilung bereichert werden können.

Oder man sagt eben: Wir wollen weiterhin daran arbeiten, einen sehr guten und professionellen Repräsentanten zu schaffen. Dann müssen sich aber entweder so viele kompetente ehrenamtliche Mitstreiter einbringen, dass das alles gestemmt und für den derzeitigen Kreis eine Entlastung geschaffen wird. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass diejenigen, die bereit sind sich zu engagieren, an anderer Stelle bereits enorm eingespannt sind und es darüber hinaus kaum Neuzugänge gibt.

Die zweite Alternative, den Wunsch nach Professionalität doch umzusetzen, wäre dann der Versuch, die Idee des festen Mitarbeiters für die Fanabteilung zu realisieren.

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