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Interview mit Reinhard Beck und Olaf Suplicki: Teil III – Die bedeutendsten Aktionen der frühen BVB | Fan- und Förderabteilung

Interview mit Reinhard Beck und Olaf Suplicki: Teil III – Die bedeutendsten Aktionen der frühen BVB | Fan- und Förderabteilung

Im dritten Teil des Gesprächs mit dem Mediateam der BVB | Fan- und Förderabteilung (FA) informieren Olaf Suplicki und Reinhard Beck darüber, welche prägenden Aktivitäten und Augenblicke ihre Amtszeit ausmachte und wie das BORUSSEUM entstand.K1600_JHS_6509BVB | Fan- und Förderabteilung: Gibt es einen Moment oder eine Aktion, der bzw. die Euch nach Eurer Zeit in der FA besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Olaf Suplicki: Alles, was rund um die Aktion Wir sind Borussia gelaufen ist, weil wir da wirklich total an der Basis waren. Wir sind in den Zoo gefahren, haben den Löwen als Maskottchen genommen und gesagt: „Wir müssen kämpfen wie die Löwen!“ Ich glaube, so eine Aktion hat es von Fanseite aus nie wieder gegeben. Was wir da abgezogen haben, war unfassbar! 250.000 Aufkleber wurden gedruckt, 80.000 Buttons verteilt und 20.000 Plakate in der Innenstadt aufgehängt.

Reinhard Beck: Da war ich mächtig stolz auf die FA. Die Taxifahrer haben sich untereinander die Aufkleber weitergereicht. Und dann erst diese Plakataktion … (wird von Olaf Suplicki unterbrochen)

Olaf Suplicki: Das muss man sich mal vorstellen: Ich renne nachts durch die Innenstadt und klebe Plakate. Bis in die letzte Pizzeria bin ich gestiefelt und habe gefragt, ob ich ein Plakat aufhängen darf! Wir waren die Ersten, die entlang der B1 Plakate aufgestellt hatten mit der Aufschrift: „Wir sind Borussia – Dortmund braucht den BVB“. Mittlerweile macht der Verein das selber, aber das waren die ersten Plakate überhaupt von Borussia.

Was geht Dir durch den Kopf, wenn Du die Aktion jetzt Revue passieren lässt?

Olaf Suplicki: Heute bin ich stolz drauf. Damals wollte ich einfach nur, dass jeder diese Plakate hat. Wir haben mit dem Cityring gesprochen, mit dem Einzelhandelsverband, mit den Taxiunternehmern und mit der DSW. Ich bin überall selber hingefahren und habe auch mit dem Einzelhandelsverband gesprochen, damit die ihre Schaufenster dekorieren. Die Stadt rückte zusammen. Alle waren plötzlich wieder Borussia. Ich hatte dieses Vereinsgefühl, dass es wirklich was Besonderes ist, etwas bei Borussia Dortmund zu machen und Borusse zu sein. Dieses Gefühl hatte ich danach noch einmal: bei der Meisterfeier 2011, weil das eine Art Abschluss war von dem Punkt, an dem wir gestartet waren! Das ist ein unfassbarer Stolz. Als ich die B1 entlang gefahren bin und diese Dinger da hängen sah und vor mir fuhr noch ein Auto mit dem Sticker, dann ging mir durch den Kopf: „Wie geil ist das denn?!“, und nicht etwa: „Wie geil sind wir eigentlich?!“ Es ging darum, dass alle mitmachten. Als hätten die Leute gewartet, dass der Verein dahin zurückkommt, wo er hingehört. Deswegen sitze ich auch heute noch bei Borussia, um den Leuten das gebetsmühlenartig immer wieder vorzuhalten und zu sagen: „Vergesst die Basis nicht! Geht auf die Leute zu, hört auf das, was draußen passiert.“

Olaf, in Deine Amtszeit fiel die erste richtige Sonderzugfahrt nach München. Was für Erinnerungen hast Du daran?

Olaf Suplicki: Ich glaube es war in Bonn, als der Zug für zwei Stunden auf den Gleisen stehen blieb, weil es einen Defekt gab. Man hatte uns die alten Züge gegeben, die kurz vor der Rente standen. Aber das war eine lustige Sache und eigentlich hatte alles reibungslos funktioniert. Man kannte uns auch in München. Die wussten alle, wer wir waren. Wir wurden gefragt, wer bei uns der Ansprechpartner ist, dann haben wir die Dinge geklärt. Die wussten Bescheid, wann der Zug kommt, die Polizei war informiert – das haben wir alles gut hingekriegt. Auch mithilfe des Vereins und der Abteilung von Christian Hockenjos. Dadurch sind unsere Leute überall bevorzugt behandelt worden. Dass die FA einen anderen Stand hatte als alle anderen, fanden einige Fanclubs natürlich nicht lustig. Aber du kannst machen, was du willst, du hast immer Kritiker.

K1600_JHS_6236Reinhard Beck: Manchmal haben die Leute gar nicht verstanden, was wir wollten. Wenn es z. B. um Sicherheitsdinge oder um Problemlösungen ging, war der Verein sperrig, weil es eingespielte Abläufe gab, in die wir eingreifen wollten. Die Sicherheitsbesprechungen bedeuten Gespräche mit der Polizei. Vor dem Derby haben wir gesagt: „Wir haben die Erfahrung. Wir sind doch draußen auf der Straße und wir wissen, wann uns eine Flasche an den Kopf fliegt und irgendwer durchdreht.“

Olaf Suplicki: Wenn heute vor einem Derby die Busse vom Stadion aus abfahren, dann ist das auf unserem Mist gewachsen, weil wir damals die ersten Gespräche geführt haben. Wir haben die Dachverbände Gelsenkirchen, Duisburg und Bochum zu uns an den Tisch geholt. Heutzutage werden die Sicherheitsgespräche geführt, die wir damals eingeführt haben.

Reinhard Beck: Ich glaube, die erste Fahrt, die wir mit einem Sonderzug gemacht haben, ging nach Wolfsburg. Zu diesem Anlass habe ich zwei Wochen lang Gespräche mit der Bundespolizei geführt – mit dem Ergebnis, dass wir sie überzeugen konnten, nicht im Schildkrötenoutfit mitzufahren, sondern nur ihr Barett zu tragen. Noch dazu ausgewählte Polizisten und Polizistinnen, die mit dem Thema Auswärtsfahrt umgehen konnten und vielleicht selbst Fußballfans waren. Wir fuhren also mit 500 Leuten nach Wolfsburg.

Olaf Suplicki: Ein großes Problem war ja auch, dass jeder auf unseren ersten Zug geguckt hat. Wir durften uns keinen Fehler erlauben! Wir beide sind durch den Zug gelaufen und haben die Leute befriedet.

Reinhard Beck (lacht): Ich werde nie vergessen, wie wir vor Beginn der Fahrt in Dortmund auf dem Bahnhofvorplatz standen mit einem berüchtigten, alten Haudegen aus der Fanszene, der vor dem Bahnhof seine Fahrkarte suchte. Es kam ein Beamter von der Polizei zu mir und sagte ausgerechnet über diesen Fan: „Der da hat keine Karte, nix!“ und ich sagte nur: „Der fährt mit!“ Plötzlich hatten wir den also im Zug sitzen, schon sternhagelvoll. Den haben wir mitgeschleppt ins Stadion! Voll wie der war, haben ihm die Leute unter die Arme gegriffen und ihn nach dem Spiel besoffen wieder in den Zug reingetragen. Es gab keine Randale. Wir sind heile hin und wieder heile zurückgekommen. Aber danach waren wir erst mal fertig!

Olaf Suplicki: Der Zug wurde erstmalig von Evonik gesponsert, die auch das erste Auto der FA gesponsert haben.

Reinhard Beck: Da wurden wir beschimpft, weil die FA Sponsoren hatten.

Olaf Suplicki (seufzt): Ja, leider! Reinhard Rauball hatte aber von vornherein gesagt, dass wir keine Gelder bekommen würden, wenn die Abteilung gegründet wird. Da mussten wir neue Wege beschreiten und wurden schließlich die gesündeste Abteilung im Verein.

Könnt Ihr ein weiteres Beispiel nennen, was Ihr in Eurer Amtszeit für die Fans bewegt habt?

K1600_20140203_Mitgliederversammlung_JHS_5048Olaf Suplicki: Das Größte ist doch, dass wir eine Fanabteilung haben. Die steht jedem offen, jeder kann in der FA mitmachen. Da kann sich jeder wiederfinden. Jeder kann helfen und anpacken, jeder kann etwas bewegen. Durch die FA haben wir natürlich auch ein Sprachrohr, z. B. im Hinblick auf die fanpolitischen Themen oder die Stadionverbote, die aufgerollt worden sind. Dass man damals gesprächsbereit gegenüber den Ultras geworden ist. Wir haben die Aktion Wir sind Borussia ins Leben gerufen oder haben auch das BORUSSEUM geschaffen – es sind so viele Sachen, die wir im positiven Sinne bewegt haben. Ich glaube, wenn man sich mal eine halbe Stunde hinsetzt, würde man 20 Gründe finden, für die es sich gelohnt hat. Aber was es heute auch noch gibt: Jeder kann ins BORUSSEUM! Nach anderthalb Jahren FA hatten wir die AG Tradition gegründet. Damals kamen an einem Mittwochabend 23 Leute. Es war schönes Wetter, also ab in den Biergarten „Rote Erde“. Alle fragten sich: „Was machen wir jetzt mit der AG Tradition?“, und ich sagte: „Wir bauen ein Museum für Borussia Dortmund.“ – „Dafür hat keiner Geld, Du hast ja einen Knall!“, hallte es mir entgegen. Die Hälfte der Leute stand auf und ging. Mit dem Rest sind wir mit der Taschenlampe durchs Stadion gegangen und haben nach einer Räumlichkeit gesucht, die wir dann tatsächlich gefunden haben. Etwa eine Woche später hatten wir die ersten Entwürfe von Herr Drahtler, der das Stadion mitgebaut hatte. Der hatte gesagt: „Ihr braucht nichts zu bezahlen, aber ich will dabei sein“, und so ging es mit dem BORUSSEUM los. Reinhard Rauball fragte uns natürlich, wie wir das finanzieren wollten. Da haben wir die Gründerwand im BORUSSEUM entwickelt, durch die etwa 200.000 Euro reinkamen. Außerdem haben wir die CD „Wir sind Borussia“ aufgenommen, für die ich Doro Pesch gewonnen hatte, auch Chris Thompson hat mitgesungen. Wir haben die Mannschaft nach Bochum in ein Tonstudio geholt, sogar der Ältestenrat war dabei und wir haben das BVB-Vereinslied neu eingesungen und diese CD 10.000-mal verkauft. Das waren knapp 100.000 Euro. Die Sponsoren haben noch mal einiges dazugegeben. Zusätzlich haben wir Becher gesammelt, das war die erste Bechersammelaktion im Stadion. So haben wir schließlich das Museum finanziert.

Das klingt im Nachhinein vermutlich einfacher, als es war. Wurden Euch auch Steine in den Weg gelegt?

Olaf Suplicki: Steine gab es jede Menge.

Reinhard Beck: Das waren aber keine Steine, das waren Felsbrocken!

Olaf Suplicki: Aber ich habe im Außendienst gelernt: „Wenn sie mich vorne rausschmeißen – ein guter Verkäufer kommt zum Fenster wieder rein.“ So haben wir dann bei der Gründung des BORUSSEUMs gehandelt.

Reinhard Beck (grinsend): Die Mentalität habe ich auch.

Im vierten und letzten Teil des Interviews erzählen Olaf Suplicki und Reinhard Beck, mit welchem Blick die beiden heutzutage die FA sehen.

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