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Saisonauftakt in Sandhausen

pokal-sandhausenUnser erstes Pflichtspiel, nach 77 Tagen der borussiafreien Zeit ging es endlich wieder los. Aufstehen, Sachen packen, zum Stadion fahren, in den Bus steigen und die Kilometer abreißen um unseren Verein in der Fremde zu unterstützen. Mittlerweile traditionell ging es für uns zum ersten Spiel der Saison in den Süden zu einem niederklassigen Dorfverein.

Zum dritten Mal hintereinander musste der BVB nun schon in der ersten Runde in den südlichen Teil der Republik, langsam wird es langweilig – zumal mit mittlerweile sechs Vereinen aus Bayern oder Baden-Württemberg die Reiseroute über die A3 sowieso schon oft genug angesteuert werden muss. 2011 also nach Sandhausen. Irgendwo im Nirgendwo hinter Heidelberg. 380 Kilometer hin und wieder zurück, endlich hat der Samstag wieder einen Sinn.

Um 13 Uhr versammelte sich die Bustruppe der Fanabteilung am Stadion um die knapp vier Stunden mit dem altbewährten Unternehmen unseres Vertrauens in zwei Reisebussen anzutreten. Eine unspektakuläre Fahrt über die Fandrehscheibe der deutschen Autobahnen und einige Wald- und Wiesenwege später, erreichten der FA-Mob das Hardtwaldstadion. Besonders das Wort „Wald“ passt bestens zur Heimat des SV Sandhausen. Mitten im Wald wurde dort das alte Stadion an diesem Abend durch zwei Extra-Stahlrohrkonstruktionen auf der Haupttribünen-Seite zu einem 11.500 fassenden „Schmuckkästchen“ erweitert. Ansonsten erwarten den Besucher eine weitere, komplette Stahlrohrtribüne hinter dem Tor, auf dem normalerweise die Gäste untergebracht sind, beim Pokalspiel wurden hier lediglich die überteuerten Gästesitzplätze in der hintersten Ecke für BVB-Fans geöffnet. Der Rest der Tribüne war ein bunter Mix, neben BVB- und Sandhausen-Trikots konnten auch St. Pauli-, Bayern- und Kaiserslautern-Shirts ausgemacht werden.

Großer Gästemob – zu wenig Stimmung

Die Gegentribüne erstrahlte hingegen geschlossen in den schönsten Farben der Welt. Auf Höhe der Mittellinie platzierten sich die beiden Ultra-Gruppen „JuBos“ und „THE UNITY“ und versuchten von dort die Stimmung im Gästeblock zu koordinieren. Dank des großzügigen Platzangebots Seitens des SV Sandhausen stellt sich dieses Vorhaben als äußerst schwierig heraus, erstreckte sich die schwarz-gelbe-Fanmasse über den angesprochenen Sitzplatzbereich auf der zweiten Hintertortribüne, über die stehende Gegengerade bis hin zur zweiten Hintertortribüne, die nochmal zu 50% mit Borussen gefüllt wurde. Insgesamt dürften es letztlich rund 4000 Dortmunder im Wald gewesen sein. Die Stimmung, so viel sei vorweggegriffen, schwankte im Laufe des Spiels zwischen begrenzt lautem Dauersingsang und geschlossenen Hüpfeinlagen zu den altbekannten Gassenhauern. Ein recht ordentlicher Auftritt der Dortmunder Fans, angesichts des breit gestreuten Gästeblocks und unspektakulären Spielverlaufs. Denn genau wie unsere Fans den wenigen Sandhausenern auf den Rängen keine Chance ließen, so spielte auch unser Meisterteam den Drittligisten stellenweise an die Wand.

Mit Chris Löwe, Robert Lewandowski und Sebastian Kehl als Ersatz für die verletzten Marcel Schmelzer, Lucas Barrios und Manfred „Manni“ Bender, sowie Ilkay Gündogan für den abgewanderten Nuri Sahin, startet eben dieses Meisterteam auf vier Positionen verändert in die neue Saison. Eine menge Änderungen, wenn man die Tatsache beachtet, dass außer Nuri kein Leistungsträger uns verlassen musste. Das Verletzungspech hat uns aber leider schon zu Saisonbeginn mal wieder heimgesucht – hoffen wir, dass Manni Bender und Marcel Schmelzer bis zum Bundesligabeginn am kommenden Freitag wieder fit sind.

Sandhausen chancenlos – starke Neu-Borussen

Doch die Elf, die letztlich unsere wunderbaren Farben irgendwo im Nirgendwo verteten durften, die taten dies, als würden sie alle seit Jahren Bestandteil dieser Truppe sein. Über den gesamten Spielverlauf konnten für den SVS ganze vier Torchancen notiert werden, wovon auch nur zwei wirklich Gefahrenpotential hatten. Eine reife Leistung unserer Abwehrreihe, in der ausgerechnet der Neuzugang der auffälligste und agilste Mann war. Chris Löwe nutzte die ihm gebotenen offensiven Freiräume immer wieder aus und stieß mit nach vorne. Dass es letztlich nicht für eine Torvorlage durch eine der zahlreichen Flanken reichte, ist dem einzigen Kritikpunkt an Löwes Spielweise geschuldet: Genauigkeit. Aber erinnern wir uns: Auch Lucasz Pisczek war nicht vom ersten Spiel an der geborene Flankenschläger, nur um letztlich die meisten Assists durch Flanken bundesligaweit gehabt zu haben.

Auch die übrigen Veränderungen der Startformation brachten das Spielsystem-Klopp nicht durcheinander. Kehl brachte sich altbewährt als Führungsspieler und zweikampfstarker Leader in die Bender-Position ein, während Gündogan schon erste Sahin-Ansätze versprühen ließ, deren Höhepunkt die sensationellen Vorarbeit des 2:0 darstellte. Ansonsten bestach der gebürtige Falschstädter durch eine gute Übersicht und ordentliche Zweikampfwerte – eine runde erste Pflichtpartie.

Duo Götze-Kagawa macht Lust auf mehr

Aber die meiste Vorfreude auf die kommende Saison dürfte wohl das Duo Kagawa-Götze gemacht haben. Der kleine Japaner wirbelte, als ob er nie ein halbes Jahr ausgesetzt hätte. Nun sollte auch der Letzte verstehen, weshalb Coach Klopp den Shinji über den grünen Klee für seine starke Vorbereitung lobt. Götze hingegen hat nichts von seiner Quirligkeit und technischen Raffinesse verloren, gleichzeitig aber merklich an Körperstärke zugelegt. Wie er seine angeblichen 64 Kilogramm in so manchen Zweikampf stellte, verdient ein Extralob.

Vorne überzeugte Robert Lewandowski gegen die enggestaffelte Abwehrkette des Gastgebers als Vollstrecker. Zunächst nach wunderbarem Zuspiel von Kagawa zum 1:0 und schließlich kurz vor Schluss nach einem kolossalen Abwehrfehler zum Endstand.

Die eingewechselten Leitner, Kuba und Perisic (für Gündogan, Großkreutz und Götze) reihten sich in die geschlossen souveräne Mannschaftsleistung ein, auffällig wurde nur Perisic nochmal, der das 3-0 durch einen starken Antritt gegen die gesamte linke Abwehrseite des SVS vorbereitete.

Souverän ist ein gutes Stichwort für unser Spiel. Der Drittligist vorkroch sich von Beginn an in der eigenen Hälfte und versuchte, im Anschluss an einen Ballgewinn, auf Dortmunder Art überfallartig zu überraschen, was aufgrund einer starken Abwehrleistung nicht ein einziges Mal gelang. Wenn es doch mal eine Torchance für den SVS gab, resultierte diese aus Fernschüssen oder der ein oder anderen Nachlässigkeit im Dortmunder Aufbauspiel. Spätestens mit dem 2:0 war der Drops jedoch endgültig gelutscht und ein weiteres Kapitel im Buch „Dortmunder Pokalblamagen“ abgewendet.

Der erste Auftritt dieses Teams macht Lust auf mehr – und das ohne gleich drei Stammspieler. Schön zu sehen, dass Kevin seine alte Galligkeit beibehalten hat und weiter den Platz auf und ab rennt, ebenso gut festzustellen, dass der oft verspottete Lewandowski weiterhin in feiner Regelmäßigkeit den Ball einnetzt und zu guter Letzt dürfen wir uns, wenn er hält was er durch seinen Auftritt am Samstagabend versprochen hat, auf einen saustarken Shinji freuen, der gemeinsam mit Mario Götze ein technisch perfektes Duo abgeben könnte.

Pflicht erfüllt – Freitag geht’s los!

Das „Pflicht erfüllt“-Gefühl nach dem Abpfiff war im Bus der Fanabteilung deutlich spürbar, ähnlich dürfte es auch im Mannschaftsbus gewesen sein. Die Konzentration für Fans und Mannschaft gilt nun dem Freitag. Da kommt der Hamburger Sportverein zum ersten Duell um drei Punkte ins Stadion an der Strobelallee und damit auch der erste echte Gradmesser – nicht nur für die Spieler, auch für uns Fans. Denn außer einem zweistelligen Mob an ganz harten Kerlen in der hintersten Ecke, hatte Sandhausen in der Kategorie Stimmung nichts zu bieten.

 

 

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