• english
  • polski
  • tuerkce
  • espanol
  • nippongo
  • hindi
  • thai
Du bist hier: Startseite » Aktuell » Kwiatkowski – Borussias erster Fußball-Weltmeister
Kwiatkowski – Borussias erster Fußball-Weltmeister

Kwiatkowski – Borussias erster Fußball-Weltmeister

Am 4. Juli 1954 schlug die Deutsche Nationalmannschaft im legendären Finale der FIFA-Weltmeisterschaft in der Schweiz den haushohen Favoriten Ungarn sensationell mit 3:2 und wurde Fußball-Weltmeister.

Zu denen, die sich stolz mit diesem Titel schmücken durften, gehörte auch Heinrich Kwiatkowski vom BVB, der zwar nicht im Endspiel eingesetzt wurde, aber durch seinen Einsatz im sagenumwobenen ersten WM-Spiel gegen die Magyaren in der Lesart der FIFA zu den Titelträgern gehörte.

Hier sei an den ersten Fußball-Weltmeister des BVB erinnert!

Bernd Trautmann, der legendäre Jahrhundertspieler von Manchester City, war vor Begeisterung förmlich aus dem Häuschen. Der Mann, den er an diesem nasskalten Oktobertag des Jahres 1956 im weltberühmten Stadion „Old Trafford“ seines Lokalrivalen Manchester United im Tor des Gegners im Europapokal der Landesmeister erlebte, war in faszinierender Form. Er hechtete, fing und faustete, dass es eine helle Freude war. Darüber hinaus beherrschte er den Strafraum in geradezu exzellenter Manier. Selbst seine Abwürfe und Abstöße fanden zumeist den eigenen Mann.

Nun war Trautmann ja selbst ein großartiger Keeper, der gerade Torwartleistungen bestens beurteilen konnte. Deshalb hörten ihm auch alle englischen Sportreporter zu, als er ihnen nach der knappen 2:3-Niederlage der Borussen seine Meinung quasi in die Feder diktierte: Heinrich Kwiatkowski ist für mich der Held von Manchester!“

Das war so etwas wie der Ritterschlag für den Torhüter von Borussia Dortmund, der in seiner tollen Karriere mit dem BVB 1956, 1957 und 1963 drei Mal Deutscher Meister wurde und in der großen Zeit der 1950er Jahre zusammen mit Max Michallek, Ady Preißler, Fred Kelbassa und Alfred Niepieklo das legendäre „Dortmunder T“ im Rahmen des damaligen WM-Systems bildete.

„Heini, fausten“, scholl es in den 1950er Jahren aus tausenden Kehlen oft und gern durch das Stadion Rote Erde, denn zu Kwiatkowskis Stärken gehörte es, den Ball wuchtig und gezielt zu fausten und damit aus der Gefahrenzone zu befördern. War August Lenz der erste BVB-Nationalspieler und – Olympionike, avancierte der stets adrett auftretende „Kwiat“, wie er auch gerufen wurde, zu Borussias erstem Fußball-Weltmeister. Allerdings war gerade seine Karriere im Dress der Deutschen Nationalmannschaft ein Thema, das ihm nicht nur Freude, sondern auch Schmerzen verursachte.

Undankbare Rolle in der Nationalmannschaft

Leider stand Kwiatkowski in der Gunst von Sepp Herberger nicht ganz an erster Stelle. 1954 bei der WM in der Schweiz bekam Toni Turek (Fortuna Düsseldorf) den Vorzug, 1958 Fritz Herkenrath von Rot-Weiß Essen. So blieben für den Dortmunder Zerberus in beiden Turnieren die undankbaren Aufgaben übrig: 1954 stand er in der B-Formation des DFB, die im ersten Spiel gegen die Ungarn mit sage und schreibe 3:8 unterlagen.

Herberger hatte aus taktischen Gründen diese Truppe auf den Rasen geschickt, um die Magyaren zu bluffen. Die Puskas, Czibor und Co. spielten sich in einen wahren Rausch und nahmen die DFB-Elf förmlich auseinander. Kwiatkowski hatte die „Aufstellungssuppe“ auszulöffeln und musste völlig unverschuldet Mal um Mal hinter sich greifen, um den Ball aus dem Netz fischen.

Und vier Jahre später in Schweden gab es ein ähnliches Bild: Nachdem Deutschland gegen Schweden in einem Halbfinale verloren hatte, das sogar diplomatische Verwicklungen nach sich zog, stand Kwiatkowski im Spiel um den dritten und vierten Platz auf dem Feld. Gemeinsam übrigens mit Aki Schmidt und Fred Kelbassa, seinen BVB-Kollegen. Diese Partie verlor Deutschland mit 4:6.

Vierzehn Tore in zwei WM-Spielen. Das war heftig, das war schmerzhaft. Etwas Derartiges hat weder vorher noch danach wieder ein Nationaltorwart erleben müssen. Deshalb kann es nicht verwundern, dass Kwiatkowski nach der WM 1958 Sepp Herberger bat, nicht mehr für die Nationalmannschaft berücksichtigt zu werden. So kam er insgesamt leider nur auf vier A-Länderspiele.

Über Rot-Weiß Essen zum BVB

Heinrich Kwiatkowski wurde am 16. 7. 1926 in Gelsenkirchen geboren. Seine ersten Schritte als Torwart absolvierte er bei Westfalia Schalke. Danach ging er 1947 zum FC Schalke 04. Der große Ernst Kuzorra hatte ihn empfohlen. Nach einer weiteren Zwischenstation bei Rot-Weiß Essen kam „Kwiat“ 1952 zum BVB. Dieser befand sich gerade in einer ausgesprochen delikaten Torhütersituation.

Nachdem Günter „Bubi“ Rau 1949 in geradezu atemberaubender Manier das BVB-Tor erobert hatte und mit den Borussen Deutscher Vize-Meister geworden war, bekam seine Karriere einen Leistungsknick. In den folgenden beiden Jahren rangelten dann neben Rau, Vogt und Geschwind darum, die Nr. 1 im Gehäuse zu werden. Alle drei hatten ihre Stärken und Schwächen, keiner von ihnen war wirklich überzeugend. Auf den Rängen skandierte man schon: „Wir wollen unsern alten Willi Kronsbein wieder haben!“, damit an den alten Torwart-Haudegen der Zeit vor Bubi Rau erinnernd.

Dann kam Heinrich Kwiatkowski, und der Spuk war vorbei. Beim BVB genoss der neue Torwart rasch die Sympathien des Publikums und das Vertrauen von Trainer „Bumbas“ Schmidt. Nach dem 4:2-Endspielsieg 1956 gegen den KSC schrieb der „Kicker“ in einer Beurteilung über Borussias Zerberus:

„Hat ein gerüttelt Maß Verdienst an dem stolzen Triumph, den Borussia im zweiten Anlauf nach sieben Jahren erreichte. In der 22. und 23. Minute rettete er zweimal in großem Stil, und in der 80. Minute verhinderte seine riskante, aber glänzende Parterre-Parade den dritten Gegentreffer. Er war der mit Abstand bessere der beiden Torhüter!“

„Kwiat” wird BVB-Kapitän

Nach dem Karriereende von Ady Preißler wurde Kwiat sein Nachfolger als BVB-Kapitän. In dieser Funktion führte er auch seine Mannen zum Endspiel 1961 auf das Feld, das der BVB bekanntlich unglücklich 0:3 gegen Nürnberg verlor. In der Endrunde 1963 stand er auch noch im Tor seiner Schwarz-Gelben, im Endspiel allerdings musste er Bernhard Wessel, dem Reaktionswunder unter den BVB-Keepern, den Vortritt lassen.

Heinrich Kwiatkowski, der in der Hausmannstraße in der südlichen Innenstadt wohnte und bei den Dortmunder Stadtwerken arbeitete, war bei seinen Nachbarn und allen Kindern sehr beliebt. Geradezu mit Engelsgeduld ausgestattet, erfüllte er alle Autogrammwünsche von groß und klein und ist allen, die ihm begegneten, als untadeliger Sportsmann in bester Erinnerung.

Scroll To Top