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Ferdinand Fabra vor 115 Jahren geboren

Ferdinand Fabra vor 115 Jahren geboren

Helmut Schneider, Hermann Eppenhoff, Fischken Multhaup. Horst Köppel, Mathias Sammer und Jürgen Klopp. Große Namen der Trainergilde, die mit dem BVB Erfolge und Titel feiern durften. Der erste Meistertrainer des BVB allerdings hieß Ferdinand Fabra.

Mit Fabra gewannen die Jungs vom Borsigplatz 1947 die legendäre Westfalenmeisterschaft und ein Jahr später die ebenso bedeutende erste Westmeisterschaft der Jungfernsaison der Oberliga West.

Die damalige Situation kurz und knapp: Borussias ersten Nachkriegstrainer Fritz Thelen zog es im Frühjahr 1947 zurück nach Gelsenkirchen. Das war wenig prickelnd, war doch die Saison gerade erst vorbei und sollte mit dem Endspiel um die Westfalenmeisterschaft in Herne ihren krönenden Höhepunkt für den BVB bekommen. Woher also einen erstklassigen Trainer nehmen und nicht stehlen?

August Lenz wusste Rat. Der erste BVB-Nationalspieler war mittlerweile aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und hatte mit der Selbstverständlichkeit des fußballerischen Aushängeschildes wieder die Rolle des Mannschaftskapitäns übernommen. Er brachte den Namen Ferdinand Fabra ins Gespräch, den er als Trainer-Assistent des früheren Reichstrainers Prof. Otto Nerz bestens kannte und schätzte.

Der Diplom-Sportlehrer Fabra galt als ausgebuffter Taktikfreak und Erfinder des magischen Vierecks, das wir heute cRaute“ nennen. Das aus England stammende WM-System hatte er vor Ort studiert und beherrschte er in allen Variationen und Nuancen.

Schauen wir aber zunächst kurz auf den Lebensweg des Trainer-Pioniers: Fabra wurde am 8. Oktober 1906 in Geseke geboren. Von seinem zehnten Lebensjahr an kickte der sportbegeisterte Junge bei seinem Heimatverein, dem SSV Geseke. Nach dem Besuch der „Bürgerschule“ (heute: Realschule) wechselte Fabra 1922 in die Oberstufe des Lippstädter Ostendorf-Gymnasiums, an dem er 1926 sein Abitur machte.

Co-Trainer beim DFB

Von 1927 an studierte er an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin bei Prof. Carl Diem, dem mittlerweile umstrittenen Olympia-Vater von 1936, und bei Prof. Nerz und war auf Empfehlung des Reichstrainers noch vor seinem Examen als Diplomsportlehrer, das er 1931 bestand, Coach für Tennis, Leichtathletik und Fußball in Coburg geworden. Als Mittelstürmer der 1. Mannschaft des VfB Coburg sorgte der Spielertrainer Fabra dann für Furore. Nach seiner Coburg-Visite berief Nerz seinen Lieblingsschüler zu seinem Co-Trainer beim DFB.

Als die Finnen zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1936 in Berlin einen guten Fußballlehrer suchten, entsandte der DFB Fabra ins Land der tausend Seen, wo er erstklassige Arbeit ablieferte und als Vater des finnischen Fußballs gefeiert wurde.

1939 wurde Fabra mit Schlesien Deutscher Meister im Reichsbundpokal mit einem 2:1 über die favorisierten Bayern. Darüber hinaus wurde die von Fabra betreute Universität Breslau Deutscher Hochschulmeister. Eine respektable Bilanz!

Diese Vita überzeugte den BVB-Vorstand. August Lenz wurde mit Erfolg auf Fabra angesetzt, und im Frühjahr 1947 übernahm Fabra den BVB. Schon wenige Monate später gab es dann für den BVB die erste Westfalenmeisterschaft zu feiern. Damit nicht genug!

Es folgten die Spiele um die „Deutsche Zonenmeisterschaft”, in denen der BVB ebenfalls erstklassig abschnitt und erst im Endspiel dem HSV unterlag. Danach wurde 1947 die Oberliga West eingeführt, die bis 1963 bestand. Mit dem Erfolgs-Trainer Ferdinand Fabra wurde Borussia Dortmund erster Westdeutscher Meister der Oberliga-Geschichte.

Leider endete mit Ablauf der Saison 1947/48 das Engagement Fabras beim BVB. Die Borussen waren – so war es damals nun mal – nicht in der Lage, ihrem Fußball-Lehrer eine vertraglich zugesicherte angemessene 3-Zimmer-Wohnung zur Verfügung zu stellen.

Der weitere Trainerweg führte Fabra zu Borussia Neunkirchen, Preußen Münster und zur Spielvereinigung Fürth. Aus familiären Gründen wurde er später als Gymnasial-Sportlehrer in Lippstadt sesshaft. Hier führte er Schach als Schulfach ein und wurde schon in den frühen 1960er Jahren zum anerkannten Schulschachpionier. Fabra verstarb Ende 2007 im „biblischen“ Alter von 101 Jahren.

An dieser Stelle erscheinen an verschiedenen Jahrestagen von schwarzgelben Ereignissen kurze Geschichten oder Anekdoten, die in Zusammenarbeit mit der AG Tradition der BVB Fan- und Förderabteilung und dem BORUSSEUM veröffentlicht werden.