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16. Juli 1926: Heinrich Kwiatkowski geboren

16. Juli 1926: Heinrich Kwiatkowski geboren

„Heini, fausten!“ scholl es in den 1950er Jahren häufig in lauten Chören von den Rängen des Stadions „Rote Erde“, wenn Heinrich Kwiatkowski, Borussias Meistertorhüter der Mannschaften von 1956 und 1957, in Aktion trat.

Der „Kwiat,“ wie er liebevoll von seinen Fans genannt wurde, war ein Klassekeeper, der sowohl auf der Linie als auch in der Strafraumbeherrschung brillierte.

Deshalb kann es auch nicht verwundern, dass er 1954 von Sepp Herberger als einer der drei Torhüter für die WM nominiert wurde. „Fußballgott“ Toni Turek war die Nr. 1, um den Platz dahinter bewarben sich Kwiatkowski  und Heinz Kubsch aus Pirmasens.

Deutschland startete mit einem sicheren 4:1-Sieg gegen die Türkei in das WM-Turnier. Anschließend waren am 20. 6. 1954 in Basel die Ungarn der Gegner, die Übermannschaft der frühen 1950er Jahre. Das „unschlagbare“ Team mit Puskas, Hidegkuti, Kocsic, Czibor und Bozsik, Olympiasieger 1952, sensationeller Bezwinger Englands im Jahr zuvor in Wembley und seit Jahren unbesiegt.

Bundestrainer Sepp Herberger trat zu diesem Match mit einer B-Elf an. Im Tor stand Borussia Dortmunds Heinrich Kwiatkowski.

Die Ungarn spielten ganz groß auf und ließen der deutschen Ersatzformation nicht den Hauch einer Chance. 8:3 hieß es am Ende für die Magyaren. Der wackere „Kwiat“ konnte einem nur leid tun. Er hechtete, fing, faustete  – alles vergebens!

Aber Herbergers Taktik ging auf. Nach Siegen über die Türkei (Wiederholungsspiel), Jugoslawien und Österreich stand die DFB-Elf am 4. 7. 1954 im Endspiel gegen Ungarn und wurde durch einen legendären 3:2-Sieg Fußball-Weltmeister.

Und durch seinen Einsatz gegen die Ungarn avancierte Heinrich Kwiatkowski zum ersten  – wenn auch unglücklichen – Weltmeister des BVB in der Vereinsgeschichte.

Vier Jahre später in Schweden ein ähnliches Bild: Nachdem Deutschland gegen Schweden in einem Halbfinale verloren hatte, das sogar diplomatische Verwicklungen nach sich zog, stand Kwiatkowski im Spiel um den dritten und vierten Platz auf dem Feld.

Gemeinsam übrigens mit Aki Schmidt und Fred Kelbassa, seinen BVB-Kollegen. Diese Partie verlor Deutschland mit 4:6. Vierzehn Tore in zwei WM-Spielen. Das war heftig, das war schmerzhaft. Aber „Kwiat“ hat es verkraftet.

Heinrich Kwiatkowski wurde am 16. 7. 1926 in Gelsenkirchen geboren. Seine ersten Schritte als Torwart absolvierte er bei Westfalia Schalke. Danach ging er 1947 zum FC Schalke 04. Der große Ernst Kuzorra hatte ihn empfohlen. Nach einer weiteren Zwischenstation bei Rot-Weiß Essen kam „Kwiat“ 1952 zum BVB.

Hier genoss der neue Zerberus rasch die Sympathien des Publikums und das Vertrauen von Trainer „Bumbas“ Schmidt sowie dessen Nachfolger Helmut Schneider. Unvergesslich ist seine Leistung im Europapokal-Rückspiel 1956 gegen Manchester United, in dem er – im grünen Sweater seines Torwartkollegen Bernd Trautmann von ManCity – mit schier unglaublichen Glanzparaden zum Helden von Manchester wurde.

Nach dem Karriereende von Ady Preißler wurde „Kwiat“ dessen Nachfolger als BVB-Kapitän. Als solcher führte er auch seine Mannen zum Endspiel 1961 auf das Feld, das der BVB bekanntlich unglücklich 0:3 gegen Nürnberg verlor. In der Endrunde 1963 stand er auch noch im Tor seiner Schwarz-Gelben, im Finale allerdings musste er Bernhard Wessel, dem Reaktionswunder unter den BVB-Keepern, den Vortritt lassen.

Heinrich Kwiatkowski, Borussias erster Weltmeister, der in der Hausmannstraße in der südlichen Innenstadt wohnte und bei den Dortmunder Stadtwerken arbeitete, war  überall sehr beliebt. Geradezu mit Engelsgeduld ausgestattet, erfüllte er jeden Autogrammwunsch und ist allen, die ihm begegneten, als untadeliger Sportsmann und einer der ganz großen Torhüter der BVB-Historie in bester Erinnerung.

An dieser Stelle erscheinen an verschiedenen Jahrestagen von schwarzgelben Ereignissen kurze Geschichten oder Anekdoten, die in Zusammenarbeit mit der AG Tradition der BVB Fan- und Förderabteilung und dem BORUSSEUM veröffentlicht werden.