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Unterwegs im Sonderzug nach München

Unterwegs im Sonderzug nach München

Der 8. April war ein recht normaler Frühlingstag in Dortmund. Die Temperaturen zu früher Uhrzeit noch recht frisch, bewölkter Himmel und die arbeitende Bevölkerung machte sich auf dem Weg zum ihrem Job. Im Dortmunder Hauptbahnhof sammelten sich die schwarz-gelben Borussenfans vor Gleis 10, um den bald kommenden Sonderzug der BVB Fan- und Förderabteilung (FA) zu empfangen. Menschen, die sich freudig begrüßten („Ach, du fährst auch gleich nach München?!“), oder die Suchenden („Hast du schon den Michi gesehen?“), waren zu beobachten. Es war eine ganz normale Szenerie, wie vor jeder Abfahrt des Sonderzuges. Dieser kam pünktlich, sodass es um zwanzig vor neun aus Dortmund losging.

20170408_Sonderzug_München_FF_0019-minDieses waren meine ersten Eindrücke meiner Premierenfahrt mit dem Sonderzug. Die Lockerheit, die bei den Fahrgästen zu spüren war, aber auch das entspannte Kontrollieren der FA-Ordner steckten mich und alle anderen sofort an. Ich betrat mein Abteil und wartete ab, mit wem ich die folgenden knapp sieben Stunden bestreiten sollte. Meine ursprünglichen Mitfahrer hatten spontan absagen müssen und ich hatte Sorgen, alleine mit Leuten, die mir vielleicht auf die Nerven gehen, nach München zu reisen. Umso größer war meine Freude, als ich feststellte, dass es Bekannte aus der FA waren, die das Abteil mit mir teilten. Sorgenlos und gut gelaunt verließen wir Westfalen.

Die Fahrt mit dem Sonderzug verlief reibungslos. In unserem Abteil unterhielten wir uns in Ruhe über das vergangene Derby, die (Un-)Wichtigkeit des Bayernspiels oder auch über Internetphänomene, die sich im Umkreis unseres geliebten Ballspielvereins auftun. Immer stets dabei war der Sound des Sambawagens, den wir auf ein gemäßigtes Lautstärkenmaß regelten, um weiter zu quatschen. Aber die eine oder andere Liedauswahl sorgte zwischendurch für ungewollte Erheiterung, aber auch Interesse. Denn nach gut dreieinhalb Stunden wollte ich nun auch diesen sagenumwobenen Sambawagen sehen.

In diesem ist nun wirklich nichts anderes als Party angesagt. Gute Preise beim Bierausschank, der DJ mit entsprechender Mucke und jede Menge Borussen, die feiern wollen, bilden die perfekte Symbiose für unvergessene Fahrten und sorgen am nächsten Morgen für ordentliche Kopfschmerzen – so ist es halt bei einem Auswärtsspiel. Nach ein paar Bier ging auch ich wieder zurück ins Abteil, um wieder etwas zur Ruhe zu kommen.

Zur späteren Mittagszeit waren wir dann in Ingolstadt angekommen und staunten nicht schlecht, als wir mitten durch das riesige Audi-Werksgelände fuhren. Dort hatte einer der Werksarbeiter wahrscheinlich gerade seine Mittagspause in der Sonne genießen wollen, fühlte sich aber durch die Anwesenheit der Sonderzuginsassen gestört. Freudig grüßte er uns mit zwei Mittelfingern. Einige der Borussen zeigten, dass sie Manieren besitzen, da sie diesen freundlichen Gruß entsprechend freundlich erwiderten. Dazu wurden Gesänge angestimmt, die deutlich machten, was die BVB-Fans von dem ortsansässigen Verein halten. Der guten Laune tat dieser Zwischenfall keinen Abbruch.

Etwa gegen zwanzig nach drei hatten wir dann die bayrische Landeshauptstadt erreicht. Meine Mitfahrer waren so nett, mich noch mitzunehmen, sodass ich einen netten Biergarten hinter Fröttmaning kennenlernte. Dort konnten wir relativ entspannt einige lukullische Köstlichkeiten und das lokale Bier verkosten, bis auch wir uns auf den Weg in die Arena machten. Dort trennten sich vorübergehend unsere Wege, weil wir auf verschiedene Blöcke verteilt waren. Dann sahen wir uns das Spiel an.

Von diesem muss nicht weiter geredet werden, da ihr es entweder selbst gesehen oder die zugehörigen Spielberichte gelesen habt. Macht euch einfach selbst ein Bild von diesen 90 Minuten.

20170408_Sonderzug_München_FF_0082-minNach dem verkorksten Spiel gab es keine Möglichkeit mehr, München weiter zu entdecken. Das war aber auch nicht wirklich von allen schwarz-gelben Fans gewünscht, und wir machten uns direkt auf den Weg zum Hauptbahnhof. Denn dort wartete schließlich etwas, was die Stimmung wieder heben sollte: der Sambawagen! Auf dem Rückweg schaffte es die Musikauswahl tatsächlich, die Laune erheblich zu steigern. Ich traf nun auch weitere Bekannte aus der Fanszene und ließ mich gerne zu einer Runde einladen.

Als mich in der Nacht dann die Müdigkeit übermannte, begab ich mich wieder in mein Abteil. Meine Mitfahrer hatten ein besseres Stehvermögen als ich und verpassten so die Gesänge aus den benachbarten Abteilen. Dadurch erweiterte sich mein Wissen über fußballerisches Liedgut. Fangesänge von Mannschaften wie RW Essen, Fortuna Düsseldorf oder auch vom FC Köln wiegten mich amüsiert in den Schlaf. Irgendwann in der Nacht waren meine Mitfahrer im Abteil aufgetaucht, um ein paar Stunden Schlaf abzubekommen.

Am frühen Morgen des 9. April, pünktlich um 5.25 Uhr, erreichte der Sonderzug den Dortmunder Hauptbahnhof. Wir verabschiedeten uns herzlich voneinander und gingen unsere Wege. Auf dem Weg nach Hause sinnierte ich im Nachtexpress über meine erste Fahrt im Sonderzug und kam zu der Erkenntnis, dass es bei Auswärtsfahrten nicht nur um das Spiel im gegnerischen Stadion geht. Das Drumherum ist es, was zählt. Und so hoffe ich, dass ich schon bald wieder eine Gelegenheit bekommen werde, mit dem Sonderzug der FA zu verreisen.

Holger Knobloch

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