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Tottenham-Skulptur im Orchesterzentrum NRW

Tottenham-Skulptur im Orchesterzentrum NRW

Die Besucher des Orchesterzentrums NRW in der Brückstraße werden von einer großen, kämpferisch anmutenden Hahn-Skulptur begrüßt, die in einer Vitrine stehend über die Kulturstätte „wacht“.


Dabei handelt es sich um die freie Nachbildung des legendären „Fighting Cockerel“ des Dortmunder Bildhauers Benno Elkan durch die Holzwickeder Künstlerin Elke Strauch. Ihre Arbeit wurde im vergangenen Jahr von der Auslandsgesellschaft Interculturale Academie anlässlich eines Elkan-Abends im Museum für Kunst und Kulturgeschichte initiiert. Heute hat der Cockerel dort, wo Benno Elkan 1877 das Licht der Welt erblickte, sein Domizil gefunden.

Der als verschollen geltende „echte“ Kampfhahn, der in seinen Greifen einen Fußball hält, wurde 1949/50 von Elkan im Londoner Exil geschaffen und stellt das Symbol und Wappentier des englischen Clubs Tottenham Hotspur dar, der jetzt im Rahmen der Europa-League Gegner des BVB ist.

Elkan hat den „Fighting Cockerel“ im Auftrag von Arsenal Londons Präsident Sir Bracewell Smith modelliert. Den lebensgroßen silbernen Hahn aus der Hand des jüdischen Emigranten schenkte Arsenal dem „Judenverein“ Tottenham Hotspur im März 1950 anlässlich eines Meisterschaftsspiels als Dank dafür, dass die „Spurs“ die „Gunners“ auf ihrem Gelände trainieren und in ihrem Stadion spielen ließen, nachdem die deutsche Luftwaffe 1941/42 mit ihren Brandbomben die Sportanlagen Arsenals in Highbury zerstört hatte. Gleichzeitig war es ein Akt der Deeskalation, denn beide Clubs stammen aus dem Londoner Norden. Zwischen ihnen herrschte seit 1919 eine heftige Fan-Fehde. Die Elkansche Arbeit stellt also im weiteren Sinne einen „Kampfhahn der Versöhnung“ dar.

Die jüdische Familie Elkan zog in den 1870er Jahren nach Dortmund und wohnte in der Brückstraße.

Salomon, der Vater, war Schneidermeister und Mitinhaber des „Herrenkleidermacher-Geschäfts Braun und Elkan“ in der Reinoldistraße. Der leidenschaftliche Schachspieler, war Mitbegründer, Motor und Präsident des Dortmunder Schachvereins 1875 und ist der wichtigste bekannte Schachpionier Dortmunds.

Der Sohn Benno, 1877 geboren, entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Künstler aus Dortmund. Er studierte an den Kunstakademien im München und Karlsruhe, zeitweise auch in Paris und Rom und ließ sich 1911 mit seiner Familie zunächst in Alsbach an der Bergstraße und später in Frankfurt am Main nieder.

Benno Elkan war ein bedeutender Bildhauer, Plastiker, Skulpteur und Medailleur, dessen frühe Werke in Dortmund auf dem Ostfriedhof und im Museum Ostwall zu bewundern sind. In der NS-Zeit wurde er mit Berufsverbot belegt und emigrierte 1934 nach London. Dort entstand in den 1950er Jahren sein wichtigstes Werk, die „Große Menorah“, ein fast fünf Meter hoher siebenarmiger Leuchter, der seit 1958 vor dem israelischen Parlament, der Knesset, in Jerusalem steht.

Während seines Sprachenstudiums in einem Schweizer Internat lernte der 17-jährige Benno von den Söhnen der englischen Oberschicht das Fußballspielen. Nach seiner Heimkehr gründete er 1895 mit Freunden den ersten Dortmunder Fußballverein, den DFC 1895, später DSC 1895 und heute TSC Eintracht 48/95. Am 27. Februar des Jahres 1900 wurde er in seiner Münchener Studentenzeit einer der Gründer des 1. FC Bayern München.

Foto: Benno Elkan mit dem Hahn 1950. Das Foto erschien im März 2014 im Vereinsheft der Spurs zum Spiel gegen Arsenal.

 

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