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Skurrile Erinnerungen an Hermann Lindemann

Skurrile Erinnerungen an Hermann Lindemann

Es gibt Trainer, an die erinnert man sich wegen ihrer außergewöhnlichen Erfolge. Andere waren ganz das Gegenteil davon und bleiben deshalb im Gedächtnis haften.

Hermann Lindemann, am 29. 10. 1910 geboren und BVB-Trainer von 1969 bis 1970, gehört jenen Zeitgenossen, die auch aufgrund gewisser skurrilen Schrullen unvergesslich geworden sind.

1969 befand sich der BVB in turbulenten Gewässern. Die Jahre nach dem großen Erfolg im Europacup 1966 brachten Turbulenzen. Heinz Murach, „Fischken“ Multhaups Nachfolger als BVB-Coach, war seiner Aufgabe nicht gewachsen. Auf ihn folgte Oswald Pfau, der aber Anfang 1969 im Amt verstarb.

In ihrer Not wandten sich die BVB-Verantwortlichen an Helmut Schneider, der 1956 und 1957 die ersten beiden Meistertitel mit den Borussen gewann. Auch er musste nach wenigen Monaten das Handtuch werfen. Dritter Trainer des Jahres 1969 wurde dann Hermann Lindemann, der den Club auf Platz 16 übernahm und im letzten Saisonspiel gegen Offenbach mit einem 3:0-Sieg in der heimischen Roten Erde noch den Klassenerhalt perfekt machen konnte.

In der Spielzeit 1969/70 brachte er den BVB in einem leistungsmäßigen „Zwischenhoch“ auf Platz fünf. In diese Zeit fällt auch das unvergessliche Spiel gegen Schalke im September 1969 mit den berühmten Hundebissen in die Hinterfront der Schalker Spieler Rausch und Neuser.

Hermann Lindemann stammte aus  Norfhessen und hatte in jungen Jahren  erfolgreich bis hin zu Hessen-Auswahl im Frankfurter Raum gekickt. Danach schlug er die Trainerlaufbahn ein. Zu seinen persönlicheen Erfolgen zählten die drei Endspiele um den DFB-Pokal 1953 mit Alemannia Aachen und 1957 und 1958 mit der Düsseldorfer Fortuna, die allerdings nicht mit Titeln gekrönt wurden.

So weit, so gut. Nichts Besonderes, könnte man sagen. Aber dann gab es ja noch die skurril-amüsante Seite des Hermann Lindemann.

So machten sich die BVB-Spieler 1970 anlässlich eines Bundesligaspiels in Hamburg den Schabernak, ein Einzelexemplar der Sex-Postille „St-Pauli-Nachrichten“ mit der Titelseite „BVB-Trainer im Bordell festgenommen“ drucken zu lassen und diese ihrem Coach am folgenden Tag auf den Frühstückstisch zu legen.

Wie von der Tarantel gestochen sprang Lindemann auf, rief seine Frau und Dortmund an und bat sie, in der ganzen Stadt alle Zeitungen dieser Ausgabe aufzukaufen. Natürlich, so Lindemann zu seiner Gattin, sei alles erstunken und erlogen. Die Spieler hatten ihre Gaudi…

Hermann Lindemann war sehr, sehr kurzsichtig. Wahrscheinlich war es männliche Eitelkeit, die ihn veranlasste, während der Spiele seiner Elf auf die dringend erforderliche Brille zu verzichten. Das führte mehrfach zu kuriosen Begebenheiten.

Nach einem Spiel, das er wieder einmal ohne Brille erlebt hatte, gab es den legendären Dialog zwischen ihm und „Stopper Paul“, wie Wolfgang Paul gern genannt wurde: „Wolfgang, warum ist dein direkter Gegenspieler in der 78. Minute völlig frei vor unserem Tor stehend zum Schuss gekommen?“

Artiger Diener von Wolfgang Paul und die wunderbare Antwort: „Das war ein Elfmeter, Trainer!“

Hübsche Episoden, an die wir gern mit dem abschließenden Hinweis erinnern, dass beispielsweise ein Reinhold Wosab oft und gern an den fachlichen und menschlichen Qualitäten des 2002 verstorbenen Hermann Lindemann erinnerte, den er als väterlichen Freund der Spieler und als Bundesligaretter des BVB im Jahre 1969 würdigte.

An dieser Stelle erscheinen an verschiedenen Jahrestagen von schwarzgelben Ereignissen kurze Geschichten oder Anekdoten, die in Zusammenarbeit mit der AG Tradition der BVB Fan- und Förderabteilung und dem BORUSSEUM veröffentlicht werden.