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Ode an einen feinen Mann: Wolfgang Paul

Ode an einen feinen Mann: Wolfgang Paul

„Er ist ein feiner Mann. Ein Herr, ein wahrer Gentleman!“ Gemeint ist Wolfgang Paul, der am 25. Januar 2020 sein 80. Lebensjahr vollendete und dessen Persönlichkeitsbild sich mit diesen Worten trefflich umreißen lässt.
Der Uhrmachermeister und Goldschmied aus dem sauerländischen Olsberg stellt beruflich und gesellschaftlich etwas dar! In seiner Heimatgemeinde sowieso. Landauf, landab darüber hinaus als langjähriger Vorsitzender des BVB-Ältestenrates und früherer Fußballspieler von unangefochten internationalem Rang.

Am 25. Januar 1940 in Olsberg auf die Welt gekommen, kann Wolfgang Paul mit Fug und Recht auf ein praktisch auf allen Gebieten erfülltes Leben zurückschauen. Es läuft eben „rund“ bei ihm, der in Bigge-Olsberg bis heute ein Juwelier- und Uhrengeschäft betreibt.

Bekannt, ja, berühmt geworden ist Wolfgang Paul durch das Fußballspiel, seine erklärte Leidenschaft von Kindesbeinen an. Bei seinem Heimat-Verein, dem TuS Bigge, verdiente er sich erste fußballerische Sporen. 1957 folgte der VfL Schwerte. Bei seinem Onkel in Schwerte absolvierte er erfolgreich eine Uhrmacherlehre.

Es folgte die Bundeswehrzeit in der Hellweg-Kaserne in Unna. Major Ottmar Rhein, der dortige Pressechef und gleichzeitig Spielerobmann des BVB, empfahl den Westfalenauswahlspieler seinem Club, und so landete Paul 1961 beim BVB, dem er bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn treu blieb.

Hier wurde er behutsam vom Halbstürmer zum erfolgreichen Abwehrchef umfunktioniert, besser gesagt: umgeformt. Sein Debut in der ersten Mannschaft gab Paul am 7. August 1961 im Oberligagastspiel des BVB bei Westfalia Herne. Die Westfalia siegte mit 4:0. Im Tor der Herner stand damals noch ein gewisser Hans Tilkowski. Der lange BVB-Mittelläufer Wolfgang Paul (186 cm) musste gegen den noch längeren Herner Sturmführer Gerhard Clement antreten. Clement behielt die Nase vorn und erzielte zwei Treffer. Leider. Das Resultat: Sechs Spieltage Zeit zum Nachdenken für den neuen Abwehrchef der Schwarz-Gelben.

Danach allerdings lief alles wie geschmiert. Wolfgang Paul avancierte praktisch aus dem Stand zum Stammspieler und absolvierte anschließend alle folgenden 23 Spiele seiner ersten Oberligasaison. Der „Stopper Paul“, wie er gern von den Sportjournalisten der Fachrichtung Fußball anerkennend bezeichnet wurde, war geboren. Die Fans nannten den Hünen aus dem Sauerland hingegen liebevoll „Ardeyhirsch!“

Wolfgang Paul machte eine großartige Fußballkarriere. Ohne sich in den Mittelpunkt zu drängen, reifte er zu einer Führungspersönlichkeit heran, die sowohl auf dem Platz als auch außerhalb des Fußballfeldes anerkannt wurde. Er war hart, spielte körperbetont, aber nie unfair, geschweige denn unsportlich. So ist es auch zu erklären, dass er in seiner gesamten Karriere nie vom Platz gestellt wurde.

Nach dem sensationellen Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1963 gegen den haushohen Favoriten 1. FC Köln im letzten „echten“ Endspiel um eine „Deutsche“ vor Einführung der Bundesliga, folgte 1965 mit dem 2:0 gegen die Alemannia aus Aachen der erste Sieg im DFB-Pokal. Die folgende Europapokalsaison wurde für den BVB und seinen neuen Kapitän Wolfgang Paul zu einem wahren Triumphzug durch die Stadien Europas.

Weder Floriana La Valetta, CSKA Sofia, Atletico Madrid oder West Ham United mit seinen Weltstars Bobby Moore und Geoff Hurst konnten die Dortmunder auf dem Weg ins Endspiel um den Europapokal der Cupsieger stoppen. West Hams Trainer Ron Greenwood war so fasziniert von dem kopfballstarken Abwehrrecken, dass er ihn am liebsten direkt mit nach London genommen hätte.

Und als die Borussia am 5. Mai 1966 im Hampdon Park zu Glasgow den ruhmreichen FC Liverpool mit 2:1 besiegt hatte, hatte die großartige westfälische Elf als erste deutsche Fußballmannschaft überhaupt einen Europapokal gewonnen. Dortmund war aus dem vielzitierten Häuschen, denn diese Leistung wurde zuvor nur 1954 durch den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz übertroffen.

Geradezu selbstverständlich wurden Wolfgang Paul, Hans Tilkowski, Siggi Held und Lothar Emmerich nach diesem sagenhaften Erfolg von Bundestrainer Helmut Schön in das Aufgebot für die WM in England berufen. Leider kam Borussias Abwehrchef hier zu keinem Einsatz. Wenn überhaupt ein kleiner Schatten auf die Karriere dieses untadeligen Sportsmann fällt, dann ist es die Tatsache, dass er keine Länderspiel bestritt. „Worldcup Willi“ Schulz und später „Kaiser“ Franz Beckenbauer waren einfach zu stark…

Das hat Wolfgang Paul, der immer mit beiden Beinen auf der Erde stand und keine Neigung zu Höhenflügen verpürte, allerdings weder menschlich noch sportlich zurückgeworfen. Nachdem er 1970 nach fast 200 Spielen in der Oberliga West und in der Bundesliga sowie 16 Europapokalbegegnungen seine Karriere beim BVB beendet hatte, gab er sein Fachwissen und seinen reichen Erfahrungsschatz als Trainer des TSV Bigge-Olsberg und des SC Willingen weiter.

Dem BVB blieb Wolfgang Paul auch nach seiner aktiven Zeit immer verbunden. Seit Jahren engagiert er sich für seine Schwarz-Gelben als Vorsitzender des Ältestenrates. Sein stets fundierter Rat ist überall gefragt und geschätzt.

Gemeinsam mit Ehefrau Almuth kann sich der Träger des „Silbernen Lorbeerblatts“ anlässlich seines 80. Geburtstags über eine großartige berufliche und sportliche Karriere sowie – für die Pauls besonders wichtig – eine intakte Familie freuen, die ihm viel Halt gibt und immer wieder dokumentiert, dass er, der legendäre „Stopper Paul“, in seinem Leben unheimlich viel richtig gut gemacht hat.