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„Max und Moritz“ schlagen zu: Der indirekte Elfer gegen Viktoria Köln

„Max und Moritz“ schlagen zu: Der indirekte Elfer gegen Viktoria Köln

Die knapp 10.000 Besucher in der Kampfbahn „Rote Erde“ genossen unmittelbar nach den Weihnachtsfeiertagen das letzte Oberligaspiel der Hinserie der Saison 1959/60 gegen Viktoria Köln in vollen Zügen.

Der BVB, angetrieben von dem unermüdlichen Mittelfeldakteur Wolfgang „Sulli“ Peters, dominierte die Partie nach Belieben und hatte sich bis kurz vor Schluss eine souveräne 5:1-Führung erspielt. Es wirkte alles leicht, locker und entspannt, was der BVB an diesem Tag regelrecht zelebrierte.

Die  Treffer hatten bis zur 70. Minute  Friedhelm Konietzka (2),  Jürgen Schütz, Aki Schmidt und Regisseur  Wolfgang Peters bei einem Gegentreffer von Giegeling erzielt. Doch noch war das Match nicht beendet. Das Beste sollte noch kommen. Praktisch unmittelbar vor dem Schlusspfiff ging die Hand von Kölns Abwehrspieler Wagner für jeden sichtbar zum Ball. Keine Frage, Elfmeter!

Friedhelm „Timo“ Konietzka schnappte sich das Leder und legte es auf dem ominösen Punkt. Nach einem gut fünf Meter langen Anlauf holte er weit aus. Das sah nach einem fulminanten Schusses auf das von Genthe gehüteten Tor der Viktorianer aus. Doch weit gefehlt!

Denn Schlitzohr Konietzka legte den Ball sachte und sanft diagonal seinem kongenialen Partner Jürgen „Charly“ Schütz vor, der sich in einer offensichtlich abgesprochenen Lauerstellung direkt an der Linie des „Sechzehners“ befand. Schütz flitzte los, zog ab und verwandelte souverän.

Großes Erstaunen auf den Rängen, ähnlich großes Erstaunen auch bei den Unparteiischen, die sich in der Platzmitte versammelten, aber nach kurzer Beratung den Treffer anerkannten. Alle regelgerecht! Also 6:1 für den BVB. Ein Kantersieg! Und dann dieser spektakuläre Schlussakkord als Höhepunkt!

So etwas wie diesen indirekten Elfer hatte man genau genommen noch nie gesehen. Er setzte einen wirklich sensationellen Schlussstrich unter diese Partie, mit der der BVB in die Rückrunde der Saison 1959/60 startete, die den Borussen in der Endabrechnung den dritten Platz in der Oberliga West einbrachte.

Jürgen Schütz und Friedhelm Konietzka waren vor etwa sechs Jahrzehnten die erklärten Idole der Dortmunder Fußballfans. Sie verzauberten mit ihrer unnachahmlichen Art Fußball zu spielen praktisch alle, die es mit den Schwarz-Gelben hielten.

Technisch überragend, voller Esprit, schnell, torgefährlich, so gut wie nicht zu bremsen. Diese Attribute charakterisieren sie, die in vollendeter Manier miteinander harmonierten, treffend. Was die beiden Superkicker auf den grünen Rasen veranstalteten, war allererste Sahne. Dass sie ihre Gegner häufig genug mit schelmischem Humor düpierten, brachte ihnen die anerkennende Bezeichnung „Max und Moritz“ ein.

Ihre ersten Gehversuche beim BVB machten sie 1959 unter Trainer Max Merkel, dem Verfechter von „Zuckerbrot und Peitsche!“ Der Jürgen kam von Urania Lütgendortmund, der „Timo“ – den Spitznamen verpasste ihm Helmut „Jockel“ Bracht –  von Lünen 08 zum Borsigplatz.

So richtig rund ging es dann in der Spielzeit 1959/60. Die Fußball-Zwillinge schossen Tore wie vom Fließband: Schütz kam auf 31, Konietzka auf 27 Treffer.

In den folgenden Spielzeiten ein ähnliches Bild. Schütz wurde 1960, 1961 und 1963 Torschützenkönig der Oberliga West, Konietzka folgte stets knapp dahinter.

Gemeinsam wurden die Supertechniker 1963 mit dem BVB noch Deutsche Meister, dann trennten sich ihre Wege, da Jürgen Schütz zum AS Rom nach Italien wechselte.