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Januar 1911: Vor 110 Jahren erstes BVB-Spiel der Geschichte

Januar 1911: Vor 110 Jahren erstes BVB-Spiel der Geschichte

Kaplan Hubert Dewald, seines Zeichens Geistlicher der Dreifaltigkeitsgemeinde in der Flurstraße im Dortmunder Norden, staunte nicht schlecht, als er am Sonntag, dem 29. Januar 1911, morgens vor der Tür des Piushauses stand.

Da hingen an seinem Gemeindezentrum doch tatsächlich drei Fußball-Fotos, die eine Mannschaft in getreiften Trikots und einer Schärpe über der Brust sowie zweier Spielszenen zeigten.

Dewald wusste sofort, worum es ging: Die „Bild-Dokumente“ hatten die Franz Jacobi und Co. hier befestigt, um genau ihn zu ärgern und ihm mitzuteilen:

„Schau her, Kaplan! Wir, die Jungs von Borussia Dortmund, haben es geschafft. Trotz aller Knüppel, die Du uns zwischen die Beine geworfen hast. Und das hier ist der Beweis: Drei Fotos von unserem ersten offiziellen Fußballmatch, das wir vor genau zwei Wochen auf der „Weißen Wiese“ an der Wambeler Straße gegen den VfB 97 Dortmund ausgetragen haben! Und darauf sind wir stolz!!“

Ein kleiner Blick zurück:
Der Weg bis zu dem genannten Spiel war mühsam und dornenreich: Am 19. 12. 1909 gegen den erklärten Willen Dewalds gegründet, versuchte man zunächst vergeblich, in den Westdeutschen Spielverband (WSV) aufgenommen zu werden, um an dessen Spielbetrieb teilnehmen zu dürfen.

Das schier unüberwindliche Problem: Nachdem 1908 das preußische Reichsvereinsgesetz in Kraft getreten war, wuchsen überall in Westfalen neue Fußball-Clubs wie Pilze aus dem Boden. Der WSV war organisatorisch überfordert und verhängte einen Aufnahmestopp, der auch den BVB traf.

Der Jacobi-Freund und DFB-Geschäftsführer Walter Sanß vom DFC 95 aus dem Süden der Stadt gab deshalb den guten Tipp, sich zunächst als Leichtathletikabteilung aufnehmen zu lassen und später die Fußballer nachzumelden. Das klappte in dieser zeitlichen Folge hervorragend. Im Sommer 1910 waren die Leichtathleten im Verband, Anfang Dezember 1910 die Fußballer.

Unmittelbar nach diesem formellen Akt ging der gerade an die Spitze des BVB getretene neue Präsident Franz Jacobi daran, einen Gegner für das erste Spiel der Vereinsgeschichte zu suchen. Das war gar nicht so einfach, denn man durfte nicht mit dem normalen Spielbetrieb in den örtlichen Ligen kollidieren. Also war Phantasie gefragt.

Erneut war es Walter Sanß, der eine Lösung ersann. Er empfahl, beim VfB 97, dem evangelischen Jünglingsverein der Reinoldi-, Marien- und Petrikirche, anzuklopfen. Diese hatten zwar mit ihrer 1. Mannschaft Ligaverpflichtungen zu erfüllen, konnten aber ihre Reserveelf anbieten, die keine Meisterschaftsspiele zu absolvieren hatte. Das war genau der richtige Gegner für die spielhungrigen Jungs vom Borsigplatz.

Also machte man unverzüglich alles klar: Spieltag Sonntag, der 15. 1. 1911, Spielort die „Weiße Wiese“ in der Nähe des Borsigplatzes, wo sich heute das „Stockheidebad“ befindet.

Der BVB gewann mit 9:3 und fuhr bei seinem erstem Spiel auch gleich den ersten
Sieg ein. Ebenso wichtig, vielleicht sogar noch wichtiger, war aber der Fotograf, der das große Ereignis im Bild festhielt und damit die Grundlage dafür schuf, dem Kaplan Dewald kurze Zeit später eine süffisante „Foto-Lektion“ zu erteilen.

Die Spieler des ersten BVB-Matches waren u.a.: Franz Lücke, Karl Wienke, Robert Unger, August Busse, Otto Hagedorn, Walter Winkler, Wilhelm Jacobi, Paul Wilmer