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Beeindruckender Vortrag des Zeitzeugen Bert Woudstra

Beeindruckender Vortrag des Zeitzeugen Bert Woudstra

Am Abend des 28. November 2017 konnte das literaturhaus.dortmund im Kreuzviertel „ausverkauft“ melden. Gemeinsam hatten die BVB Fan- und Förderabteilung und der Jugendring Dortmund zum Zeitzeugengespräch mit Bert Woudstra geladen. Der heute 85-jährige Niederländer erzählte den anwesenden Gästen seinen schweren Lebensweg während der NS-Diktatur, in der er als jüdischer Junge stets auf der Flucht war.

Bert Woudstra wurde am 19. Februar 1932 als Sohn jüdischer Eltern in Enschede geboren. Hier hatten seine Eltern in der Innenstadt ein gut gehendes Modegeschäft – die Familie führte ein unbeschwertes Leben. „Als Kind wünschte ich mir, dass Holland wie auch im ersten Weltkrieg neutral bleiben würde. Aber es kam dann ganz anders.“, sagte Woudstra.

Am 10. Mai 1940 überfielen die Nazis Holland und es herrschte Krieg. Für die jüdische Familie war das der Beginn einer schweren Zeit. Der Familienvater Frits Woudstra wurde bereits 1941 deportiert und ermordet. So musste die Mutter alleine für ihn und seinen älteren Bruder sorgen. Die Lage in Enschede spitzte sich immer mehr zu, sodass sie beschloss, mit ihren Kindern unterzutauchen. „Untertauchen?!“, berichtet Bert Woudstra, „Da dachte ich ans Schwimmen. Als Kind wusste ich erst gar nicht, was meine Mutter meinte.“

Es folgten Jahre zwischen Bangen und Hoffen, Angst und fröhlichen Momenten, Langeweile und Ungewissheit, was kommen mag. „Wenn es hell war, musste ich meist im Haus bleiben, ganz ruhig. Abends, wenn es dunkel wurde, durfte ich dann zum Lüften aus dem Haus – so habe ich das immer genannt“, berichtet Woudstra. Durch viele glückliche Umstände konnte Bert Woudstra überleben. 13 Türen öffneten sich für ihn. 13 mutige Familien und Menschen, die einen jüdischen Jungen aufnahmen, damit er weiterleben konnte. Auch seine Mutter, sein Onkel und seine Tante aus Deutschland, die im Laufe des Krieges nach Holland geflohen waren, konnten gerettet werden. Sein Bruder war inzwischen geflohen und überlebte ebenfalls.

„Ich bin den Menschen, die uns aufgenommen haben, noch heute sehr dankbar dafür. Ohne deren Mut und deren Willen hätten wir den Krieg nicht überlebt. Sie haben ihr eigenes Leben in Gefahr gebracht, um uns zu helfen. “ Insgesamt überlebte knapp die Hälfte der Familie die NS-Diktatur. An seinen ermordeten Vater Frits erinnert heute ein Stolperstein in Enschede: „Ganz in der Nähe von meinem heutigen Wohnort“, so Woudstra, „deshalb gehe ich auch oft dort vorbei.“

Bert Woudstra lebt heute glücklich mit seiner zweiten Ehefrau in Enschede. „Wir haben elf Enkelkinder, ich habe in hohem Alter noch mal eine wunderbare Frau gefunden – wir haben so eine schöne Zeit“.

Am Ende seines Vortrags bedankte sich Woudstra für das aufmerksame Zuhören der Gäste. „Bitte erzählen Sie zu Hause von meiner Geschichte. Erzählen Sie, wie grausam Diskriminierung ist. Beurteilen Sie Menschen nicht nur aufgrund ihrer Religion, ihrer Herkunft. Wir sind alle Menschen!“

Der Vortrag hat bei allen Gästen einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der alle ermutigen wird, weiter für Werte wie Toleranz und Vielfalt einzustehen und niemals leise zu sein, wenn Menschen diskriminiert und ausgegrenzt werden.

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