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August Lenz: Borussia Dortmunds erster Superstar

August Lenz: Borussia Dortmunds erster Superstar

Der BVB hat in seiner bisherigen Geschichte eine ganze Reihe von Superstars gehabt. Es ist müßig, sie alle aufzuzählen. Die lange Liste beginnt mit August Lenz, gleichzeitig auch erster Nationalspieler und erster Olympionike des Clubs, der am heutigen 29. November 110 Jahre alt geworden wäre.

Der „blonde August,“ wie er gern genannt wurde, kam im Dortmunder Norden im unmittelbaren Dunstkreis des Borsigplatzes zur Welt. Seine ersten Sporen als Fußballspieler verdiente er sich, man höre und staune, im Tor der BVB-Schülermannschaft.

Als allerdings einmal der etatmäßige Mittelstürmer seines Teams fehlte, wurde Lenz „aushilfsweise“ in die Sturmmitte beordert. Und das mit fulminatem Erfolg! Je nach zitierter Quelle erzielte er in diesem Match entweder neun oder sogar zwölf Tore. Damit war der Zerberus August Lenz ad acta gelegt und der Goalgetter geboren. Unabhängig davon blieb das Torwartspiel zeitlebens seine stille Leidenschaft.

Lenz war mit etwa 1,70 Metern nicht besonders groß für einen Mittelstürmer. Seine Art zu spielen, ähnelte der von „Uns Uwe“ Seeler in späteren Jahren. Schnell, beidfüßig schießend, ein gutes Kopfballspiel, ausgesprochen dynamisch – August Lenz war die ideale Sturmspitze für das damals bevorzugt praktizierte „WM-System“.

Seine Torerfolge beim BVB machten schnell die Runde und landeten schließlich auch bei Prof. Dr. Otto Nerz, dem Reichstrainer der frühen 1930er Jahre und Vorgänger von Sepp Herberger in diesem Amt. Obwohl August Lenz „nur“ vom Zweitligisten Borussia Dortmund stammte, schaffte er den Sprung in die Nationalmannschaft.

Sein erstes Länderspiel absolvierte er im Frühjahr 1935 im Heiselstadion zu Brüssel gegen Belgien. Deutschland gewann mit 6:2. Der August erzielte zwei blitzsaubere Tore und wurde als die Stürmerentdeckung des Jahres gefeiert. Dortmund bereitete seinem ersten Nationalspieler einen triumphalen Empfang.

Über 30.000 begeisterte Fußballfans säumten die Straßen vom damals sehr repräsentativen Hauptbahnhof bis zum Borsigplatz, um den neuen Stern am westfälischen Sporthimmel gebührend zu feiern.

Wenige Wochen später, am 8. Mai 1935, erlebte die „Rote Erde“ ihre internationale Feuertaufe mit dem Länderspiel Deutschland – Irland. Die DFB-Auswahl siegte souverän mit 3:1. Der Halbrechte August Lenz erzielte zwar keinen Treffer, agierte aber gekonnt, effektiv und stets gefährlich im Zusammenspiel mit den großen Technikern Goldbrunner und Siffling. Da waren die über 37.000 Besucher mehr als einmal aus dem gern zitierten Häuschen.

Und nicht zu vergessen: Im August 1935 begann die neue Fußball-Saison, die für den BVB den unvergessenen Aufstieg in die Gauliga Westfalen brachte. Daran hatte der rasante Mittelstürmer vom Borsigplatz natürlich seinen besonderen Anteil.

Kaum jemandem ist bekannt, dass der blonde August Mitte der 1930er Jahre den BVB fast verlassen hätte. Der SV Höntrop, einer der führenden Clubs der Gauliga Westfalen, hatte die Fühler nach Lenz ausgestreckt. Man war schon so gut wie handelseinig. Um dem Sturmtank den Wechsel zu versüßen, hatte man ihm eine Bäckerei versprochen.

In der damaligen Zeit ein verlockendes Angebot. Selten wurde Vereinsführer August Busse so in Rage gesehen wie an dem Tage, als ihm die unfrohe Botschaft des sich ankündigenden Weggangs bekannt wurde. Der Zorn Busses war so groß und lautstark, dass August Lenz praktisch aus dem Stand seine Wechselabsichten vergaß.

Die Karriere des August Lenz hatte auch in den folgenden Jahren weitere herausragende Momente. Insgesamt kam er auf 14 internationale Einsätze. 1936 avancierte er in Berlin zum ersten Olympioniken des Dortmunder Fußballs. Leider gehörte er damit aber auch zu den Akteuren, die das „Schandspiel“ gegen Norwegen – so ein gewisser Adolf Hitler nach der Partie – unerwartet verloren. „Schandspiel“ deshalb, weil nach Hitlers Vorstellungen Deutschland Fußball-Olympiasieger werden sollte. Dummerweise hatte er vergessen, dass den Norwegern mitzuteilen. Eine Niederlage gegen das zweitklassige Norwegen war aus Hitlers Sicht völlig indiskutabel.

Unter dem späteren Reichstrainer Herberger sank der Stern des Nationalspielers August Lenz. Vielleicht deshalb, weil er als fußballerischer Ziehsohn von Prof. Nerz galt…

In der Zeit der NS-Diktatur von 1933 – 1945 war das eingetragene Parteimitglied auch in den verschiedenen SA-Auswahlmannschaften aktiv. Gemeinsam mit den Schalker Spieler-Kollegen wurde auch mit August Lenz für die heute als „Scheinwahlen“ bezeichneten Wahlen vom März 1936 geworben.

1947 gehörte Lenz zu der legendären BVB-Elf, die am Schloss Strünkede zu Herne den Abonnementmeister FC Schalke 04 bezwang und damit erstmalig Westfalenmeister wurde. Als August Lenz von Bundestrainer Sepp Herberger 1948 vor „vollem Haus“ im Stadion Rote Erde für sein 1000stes Spiel im BVB-Trikot geehrt und ausgezeichnet wurde, gab es minutenlang stehende Ovationen.

Seine große Laufbahn endete 1949. Zwei Mal in Folge wurden die Borussen mit ihm als Mannschaftskapitän Westdeutscher Fußballmeister. In der Endspielelf um die „Deutsche“ 1949 gegen den VfR Mannheim stand der mittlerweile fast 39-Jährige dann aber schon nicht mehr.

Nach seiner aktiven Zeit setzte sich Borussia Dortmunds erster Nationalspieler im BVB-Vorstand als Spieler-Obmann und anschließend im Ältestenrat viele weitere Jahre für seine Schwarz-Gelben ein.

August Lenz verkörperte in seinem Spiel stets das englische Fairplay und war ein vorbildlicher Sportsmann. Über seine Mitgliedschaft in der NSDAP und im Zusammenhang damit seine Rolle im nationalsozialistischen Sportgeschehen sind durch die derzeit laufenden Untersuchungen zum Thema „Der BVB in der NS-Zeit des Dortmunder Historikers Dr. Rolf Fischer im kommenden Jahr weitere Aufschlüsse zu erwarten.

Presse-Zitate zu August Lenz:

August Lenz. Deutschlands neuer Sturmführer

August Lenz, dessen überraschende Berufung zum Sturmführer der Nationalmannschaft zum Tagesgespräch aller Fußballstammtische von ganz Deutschland geworden ist, plauderte zusammen mit seinem ehemaligen Jugendleiter Dieckmann mit uns über seinen sportlichen Werdegang. Von Hause aus scheinbar zum Torwart prädestiniert, sprang er in der Jugendmannschaft für einen fehlenden Linksaußen ersatzweise ein. Sein Debut als Stürmer mit gleich sieben erzielten Toren fiel verheißungsvoll genug aus, um ihn auch weiter als Stürmer zu beschäftigen.

Der jetzt 24-jährige und seit einigen Monaten verheiratete blonde Junge dürfte von allen deutschen Stürmern wohl den höchsten Torrekord aufweisen. Mann entsinnt sich kaum eines Spiels, in dem Lenz nicht „sein“ Tor geschossen hat, meist aber waren es deren mehrere. Trotzdem waren die Schussfähigkeiten des frischgebackenen Nationalspielers bislang nur einem kleineren Kreis in Westfalen, so zwischen Hagen und Unna, bekannt.

Erst die in der vorletzten Woche in Berlin stattgefundenen Übungskurse rückten Lenz in das Rampenlicht einer größeren Öffentlichkeit. Die Fachzeitschriften waren voll des Lobes über die Neuentdeckung. Gerade dieser Mann mit seinen durchbruchartigen, auf schnelles Erfassen jeder möglichen Chance aufgebauten Stürmerspiel dürfte sich das Nerzsche WM-System besonders geeignet sein. Der bis dahin unbekannte Dortmunder wird die Hoffnungen Fußball-Deutschlands kaum enttäuschen.“

Q.: Sport vom Sonntag 20. 4. 1935

Deutschland – Tschechoslowakei 2:1

60.000 Zuschauer umjubeln Lenz“

Conen setzt die rechte Seite ein und spielt Lenz frei. Lenz erhält das Leder in vollem Lauf und kann unter dem brausenden Beifall der Zuschauer zum ersten Male für Deutschland einsenden.“

Lenz ist inzwischen zur Stelle und ehe Planicka den Rückweg antreten kann, schießt er den Ball über die Köpfe hinweg in das verlassene Gehäuse. Der Jubel der Deutschen über diesen in der 53. Minute errungenen Erfolg ist mit Worten nicht zu beschreiben.“Im Sturm arbeiteten Lenz und Siffling unermüdlich, der Erfolg kommt auf ihr Konto.“

Q.: Sport vom Sonntag, 27. 5. 1935

Spanien – Deutschland 1:2

Es war die Aufstellung von Szepan und Lenz im deutschen Sturm, die Mut einflößte. Szepan hat noch immer, wo er dabei war, seinen Mann gestanden, und die deutsche Mannschaft hat noch kein Spiel, an dem Lenz beteiligt war, verloren.Wenn er auch diesmal selbst nicht zu Torerfolgen gekommen ist wie gegen die Tschechoslowakei und die anderen Länder, so dürfte er durch sein Spiel doch bewiesen haben, dass er nicht zu Unrecht „der Brecher, der Reißer“ im deutschen Sturm genannt wird und seine Berücksichtigung keine „Notlösung“ darstellt.“

In der fünften Minute traf ein Bombenschuss von Lenz nach Zusammenspiel mit Fath und Szepan die Querlatte.“

Bei einem wunderbaren Schuss von Lenz in der 15. Minute zeigte Zamorra sein immer noch großes Können und wehrte im famosen Sprung ab.“

Lenz war der Tank, der wuchtige Reißer, wenn er auch Pech mit seinen Torschüssen hatte.“

Q.: Sport vom Sonntag, 24. 2. 1936

BV Borussia – Schalke 04 3:3

Lenz als Tank und Brecher arbeitete unermüdlich und triumphierte über den später merklich nachlassenden Tibulski.“

Q.: Sport vom Sonntag, 31. 1. 1938

An dieser Stelle erscheinen an verschiedenen Jahrestagen von schwarzgelben Ereignissen kurze Geschichten oder Anekdoten, die in Zusammenarbeit mit der AG Tradition der BVB Fan- und Förderabteilung und dem BORUSSEUM veröffentlicht werden.