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6. 9. 1969: BVB – GE 1:1 oder:  legendäre Hundebisse lassen grüßen

6. 9. 1969: BVB – GE 1:1 oder: legendäre Hundebisse lassen grüßen

„Passt auf den Wiener auf!“ Mit dieser Schlagzeile machte am 6. September 1969 das „Borussen-Echo“ darauf aufmerksam, dass der Schalker Neuzugang „Hansi“ Pirkner aus Österreichs Hauptstadt ein gefährliches Bürschchen auf dem linken Flügel sei.

Das hätten die Borussen beherzigen sollen, denn Pirkner bestätigte die mahnende Überschrift auf eindrucksvolle Art und Weise: Eine Ecke segelte herein, Pirkner war zur Stelle, BVB-Keeper Rynio hatte das Nachsehen, Schalke führte in der 37. Minute mit  1:0.

Hinter dem Tor hatten sich schon zu Spielbeginn zahlreiche Besucher aus Gelsenkirchen ein Plätzchen gesucht, die dort eigentlich nicht hin gehören. Eigentlich… Die Rote Erde war nämlich mit über 40.000 Besuchern so überfüllt, dass jeder danach gierte, gute Sichtmöglichkeiten zu erhaschen.

Nach dem Pirkner-Treffer rannten dann zahlreiche freudetrunkene Schalke-Fans auf das Feld und sorgten für eine höchst unübersichtliche Situation. Die BVB-Ordner, die mit einem ganzen Rudel herrlicher Deutscher Schäferhunde für Ruhe und Ordnung sorgen sollten und wollten, flitzten hinterher und versuchten, den Platz wieder von den Fans zu „befreien“! Leider trugen die Hunde keine Maulkörbe. Und so kam es, wie es kommen musste: Die Tiere waren mit der Situation mental überfordert und bissen genervt in alle Richtungen. Dabei gruben sich die Zähne zweier Prachtexemplare in das Hinterteil von Friedel Rausch und in die Kniekehle von Gerd Neuser, beide vom FC Schalke 04.

Natürlich hatten die Vorfälle das Potenzial für einen handfesten Skandal. Die Medien überschlugen sich in ihrer Berichterstattung; der BVB musste den beiden Verletzten jeweils 500,- DM Schmerzensgeld  zahlen.

Der gebissene Schalker Spieler und spätere Trainer Friedel Rausch allerdings ging höchst entspannt mit der Situation um. Als ihn einige Zeit später Moderator Dieter Kürten im „Aktuellen Sportstudio“ fragte, was denn passiert wäre, wenn der Hund ihn von vorn gebissen hätte, konterte er schlagfertig: “Dann hätte er sich die Zähne ausgebissen!“

Ja, die Schalker…..

Das Spiel selber ging nach einer längeren Unterbrechung munter weiter. Es endete letztlich unentschieden 1:1. Den Ausgleichstreffer markierte Werner „Acker“ Weist in der 65. Spielminute. Weist, der später zum FC Schalke wechselte, war in der Saison 1969/70 mit 20 Toren nach dem „uneinholbaren“ Gerd Müller (38 Treffer) die Nr. 2 der Bundesliga-Torschützen.

Übrigens gab es  eine weitere Tierepisode beim Rückspiel Ende Januar 1970 in der Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn: Schalkeboss  Günter Siebert, ein Mann mit Gespür für öffentlichkeitswirksame Auftritte,  hatte beim Raubtierpark des Grafen Westerhold einige halbwüchsige Löwen „an Land gezogen“, die beim Einlaufen der beiden Teams „Spalier“ standen und wohl als eine Replik an das Ereignis des Hinspiels gedacht waren. Auch diese Partie endete unentschieden 1:1; das Tor für den BVB erzielte erneut „Acker“ Weist.

In der Saison-Endabrechnung landete der BVB auf dem fünften, der FC Schalke auf dem neunten Rang. Respektabel, aber nicht gerade überwältigend oder für die sportliche Ewigkeit bestimmt. Die legendären Hundebisse zu Dortmund hingegen aus dem September 1969 werden fraglos unvergesslich bleiben!

 

Text: Gerd Kolbe, Leiter AG Tradition Fan- und Förderabteilung des BV. Borussia 09 e.V. Dortmund