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19. Juni 1955: BVB-Handball-Herren steigen auf

19. Juni 1955: BVB-Handball-Herren steigen auf

Den 19. Juni 1955 hat die Handball-Abteilung des BVB bis zur Auflösung der Männer-Mannschaft in den späten 1980er Jahren als die Krönung der Geschichte der schwarz-gelben Feld-Handballer geradezu verehrt.
Denn an diesem letzten Spieltag der Aufstiegsrunde, die man als Sieger der westfälischen Staffel IV verreicht hatte, stiegen die Herren von Borussia Dortmund in die Oberliga Westfalen und damit in die höchste deutsche Handball-Spielklasse auf. Der Gegner in dieser entscheidenden Heimpartie hieß Sachsenross Hille.

In den Spielen zuvor gegen Hohenlimburg, SV Gütersloh, TG Münster und Ferndorf hatten sich die Jungs vom Borsigplatz eine gute Ausgangsposition für ihr erklärtes Aufstiegs-Ziel geschaffen. Allerdings musste man gegen Hille gewinnen, sonst konnte man sich alle Ambitionen von der Backe putzen.

Die „Sachsenrösser“ waren der erwartet schwere Gegner mit spielerisch und taktisch bestens geschulten Akteuren. Die Partie wogte hin und her und stand vom Ergebnis her immer auf des Messers Schneide.

Die Gäste hatten bereits drei Tore vorgelegt, als der BVB zum ersten Mal erfolgreich abschloss. Auf beiden Seiten zeigten sich die Angriffsformationen in guter Verfassung, trafen allerdings auf gut disponierte Torhüter. Nach dem Pausenstand von 5:5 wurde die Dramatik in der zweiten Halbzeit auf die Spitze getrieben. Die Borussen kämpften mit dem Mut der Verzweiflung, Hille hielt dagegen und das Ergebnis offen. Dabei halfen den Sachsenrössern drei verwandelte 13-Meter-Strafwürfe.

Unmittelbar vor dem Abpfiff tauchte urplötzlich Borussias „Mr. Handball“ Fritz Weller im Angriff auf, schnappte sich das Leder, setzte gekonnt eine Körpertäuschung an, zog ab, und der Ball trudelte am verdutzten gegnerischen Keeper vorbei ins rechte Toreck. Das war der entscheidende Treffer zum 13:12. Sekunden danach war die Partie beendet. Gemeinsam mit ihrem Trainer Jupp Fröhlich tanzten die Schwarz-Gelben ausgelassen über das Spielfeld. Das große Ziel war erreicht, die höchste deutsche Spielklasse regelrecht im Sturm erobert worden.

Die Namen der siegreichen Kämpen: Henkmeier, Just, Brinkmann, Darge, Cerwinski, Weller, Siegmund, Hansmeier, Waskowiak, Thurau, Abramowsky, Grothus, Scholten, Wick, Schoppohl.

Leider war es den Borussen nur in der Saison 1955/56 vergönnt, in der Oberliga zu spielen. Danach musste man der Erstklassigkeit wieder adieu sagen. Fritz Weller, der Schütze des entscheidenden Tores gegen Hille, war bereits vor dem Krieg im BVB-Handball-Lager eine feste Größe und brillierte daneben auch als der mit Abstand beste Leichtathlet des Clubs.

Wellers Spezialität war der sog. „Schockwurf“, der seinem Namen alle Ehre machte. Er schockierte nämlich in aller Regel den gegnerischen Schlussmann derart, dass der Ball meistens im Tor landete.

Fritz Weller, geboren am 11. Juli 1912, war zum Zeitpunkt des Spiels gegen Hille bereits 43 Jahre alt, aber immer noch ein unermüdlicher Kämpfer, der nie resignierte, geschweige denn aufgab. Er gehörte während der Nazi-Zeit neben Heinrich Czerkus und Franz Hippler zu den Widerstandskämpfern gegen das Hitler-Regime, hatte im Gegensatz zu diesen beiden aber das große Glück, den Terror der Gestapo-Schergen zu überleben.

Die Handball-Herren gab es beim BVB seit 1924. Der Begründer der Abteilung war Heinrich Schwaben, Jahrgang 1896. Er beerbte 1923 den legendären Franz Jacobi als BVB-Präsident. Schwaben war ein angesehener Mann der Dortmunder Wirtschaft, der in jungen Jahren beim BVB selbst Fußball gespielt hatte, seit 1919 als Geschäftsführer und seit 1920 als Vize-Präsident Jacobis rechte Hand in allen Vereinsfragen wurde. Beruflich war er zunächst bei der AEG in herausgehobener Funktion tätig, bevor er 1934 zur Union-Brauerei wechselte, bei der er es bis zum Vorstandsmitglied brachte.

Als erster Mann der Borussen setzte der „Heinz“ bemerkenswerte neue Akzente. Neben dem Ausbau der „Weißen Wiese“ zum „Borussia-Sportplatz“ legte er sein Augenmerk auf zwei weitere Sportabteilungen, die er 1924 folgerichtig in den Verein integrierte: Handball und Boxen.

An die Spitze der Handballabteilung traten zunächst Robert Unger, der Bruder des ersten BVB-Präsidenten, und Karl Wienke, als Mitglied der legendären Sprintstaffel der Gründerjahre ein Begriff am Borsigplatz und darüber hinaus. Sie also organisierten den Spielbetrieb so effizient, dass bereits kurz darauf zwei komplette Mannschaften am Spielbetrieb teilnahmen.

Der sportliche Aufschwung ging zügig vonsttatten, was dazu führte, dass sich morgens bei den Handballern mehr Zuschauer einfanden als nachmittags bei den kickenden Kollegen. 1931 gelang der Aufstieg in die höchste Liga. Zur Aufstiegself gehörte auch ein gewisser August Lenz, der nicht nur Fußball spielte und als Sprinter Aufsehen erregte, sondern auch als Handballspieler reüssierte.

1933 wurde der Gruppensieg im Ruhrgebiet errungen. Akteure wie Gruhn, Burzik oder Kopacki waren ebenfalls vielseitig begabt. Ähnlich wie der blonde August spielten sie Handball und Fußball. Das hohe Niveau zu halten, fiel den Handballern schon vor dem 2. Weltkrieg schwer, da der Fußball mehr und mehr die Geschicke des BVB bestimmte.

Der Höhepunkt der Feldhandball-Geschichte der Männer war fraglos der Oberliga-Aufstieg 1955 gegen Hille. Ende der 1980er Jahre war das Ende der Handball-Herren gekommen. Der BVB focussierte sich nunmehr mit großem Erfolg ausschließlich auf die Damen-Mannschaft, die ja 2020 wahrscheinlich als Tabellenführer nur durch den Saisonabbruch des Verbandes den ersten Deutschen Meistertitel verpasste.