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19.12.1909: 18 junge katholische Rebellen gründen Borussia Dortmund

19.12.1909: 18 junge katholische Rebellen gründen Borussia Dortmund

Die Dortmunder “Tremonia” berichtet über den 4. Adventssontag 1909, den 19. Dezember:”Goldener Sonntag” nennt der Volksmund den gestrigen letzten Sonntag vor Weihnachten. Von schönem Herbstwetter begünstigt, entwickelte sich schon in den Nachmittagsstunden ein reger Verkehr in den Hauptstraßen unserer Stadt.”

“Echt was los” war an diesem Tage auch am Borsigplatz. Es brodelte heftig, Spannung lag in der Luft. Hatte doch der für die Jünglingssodalitäten der Dreifaltigkeitskirche in der Flurstraße zuständige Kaplan Hubert Dewald in der Morgenmesse von der Kanzel verkündet, dass es für die Mädchen und Jungen der Gemeinde von Stund an auch eine sonntägliche Pflichtandacht am Nachmittag, um 14.00 Uhr nämlich, geben würde. Die Mädchen schauten demütig, die Jungen aufsässig.

Der Grund für den Frust der Knaben: Seit 1906 ein gewisser Reinhold Richter, seines Zeichens Weltenbummler und Kosmopolit, einen echten englischen Lederball seinem Freund Franz Jacobi aus der Wambeler Straße geschenkt hatte, grassierte ein geradezu süchtig machender Bazillus rund um den Borsigplatz, spielte man jeden Sonntag genau ab  14.00 Uhr auf der “Weißen Wiese” im Feld des Bauern Wübbecke Fußball.

Kaplan Dewald, seit April 1906 für die Jünglingsvereine von “Dreifaltig” zuständig, genoss zwar als Geistlicher und Autor mehrerer Glaubensbücher durchaus Ansehen, lehnte das “neumoderne” Fußballspiel als unpädagogischen Raufsport allerdings kategorisch ab. Damit stand er nicht allein. So war Fußball z. B. an den örtlichen Schulen untersagt; die Turner nannten den “verhassten Sport” sogar “Fußlümmelei” und “englische Krankheit”, weil er ja ein Import von der “Insel” war.

Die Situation rund um die Flurstraße eskalierte im Herbst 1909 und entlud sich an besagtem 19. Dezember nach der Dewald-Predigt und der darin verkündeten Pflichtandacht in einer turbulenten Besprechung in der Wohnküche der Jacobis in der Wambeler Straße 12. Anwesend waren die drei Jacobi-Brüder Franz, Julius, und Willi, Heinrich Cleve, Johann Seibold sowie Robert und Heinrich Unger.

Natürlich ging es um die vermaledeite sonntägliche  Nachmittagsandacht und ihre negativen Konsequenzen für das Fußballspiel. Und genau in diese Stimmung hinein platzte per Zufall “Ballspender” Reinhold Richter.

Auf dem Wege von Paris nach Hause zum Weihnachtsfest hatte Richter in Dortmund Station gemacht, um seinen Freund Franz zu besuchen und einen kleinen Flirt mit Lenchen, dem Töchterchen der Familie Jacobi, zu wagen, das er in sein Herz geschlossen hatte und später heiratete.

“Hallo Jungs, gibt es eigentlich noch den Ball, den ich Euch vor drei Jahren aus England mitgebracht habe?”

Allerdings bemerkte der gute Reinhold unmittelbar nach seinen Worten, dass knisternde Spannung angesagt war und lockere Sprüche aktuell nicht gut passten. Rasch wurde er in die Geschnisse eingeweiht, ebenso rasch unterbreitete er einen fast revolutionären Vorschlag: “Trennt Euch von der Jünglingssodaltät der Dreifaltigkeitsgemeinde und gründet einen eigenen Fussballverein!”

Der Vorschlag war kühn, richtete er sich doch gegen die fast allmächtige katholische Kirche.  Aber unabhängig davon hatte er was…

Also wurde ein Kurierdienst losgeschickt, der die Jungs der Gemeinde für 19.00 Uhr  in den Spiegelsaal der Gaststätte “Zum Wildschütz” einlud.

Und pünktlich um “Sieben” waren dann auch etwa 50 junge Burschen im “Wildschütz” versammelt. Franz Jacobi als Wortführer weihte die Anwesenden in den Plan ein. Die Begeisterung hielt sich bei einigen durchaus in Grenzen. Das könnte eine Menge Ärger geben. Mit der Kirche, aber auch zu Hause. Deshalb machten gut 20  “Mücke” und verließen die Versammlung. Einer ging zu Dewald und weihte ihn ein. Der Kaplan eilte unverzüglich zum “Wildschütz” und versuchte, die Versammlung aufzulösen. Das endete mit einer gestochenen Rechten ans Kinn des Geistlichen, der sich kurz danach auf dem Allerwertesten sitzend auf dem Bürgersteig vor dem “Wildschütz” wiederfand. Auch diese Aktion hatte reinigenden Charakter für die Versammlung, sodass anschließend nur noch 18 “Rebellen”  im Spiegelsaal anwesend waren. Und genau diese 18 Unerschrockenen gründeten dann den “Ballspielverein Borussia 09 Dortmund”. Namenspatin wurde übrigens die Borussia-Brauerei in der Steigerstraße.

Der neue Verein fand im Sommer 1910 über die Leichtathletik als  “Trojanisches Pferd” Leichtathletik Zugang zum Westdeutschen Spielverband, bei dem für Fußballclubs eine kategorische Aufnahmesperre galt. Mit den Leichtahleten im Rücken wurde Ende 1910 auch die Fußballabteilung in den Verband aufgenommen. Das große Ziel war erreicht. Das erste Fußballspiel des BVB überhaupt – am 15. 1. 1911 – brachte einen 9:3-Sieg über den VfB Dortmund.

Blau-weiß, die Farben des Jünglingsvereins, zierten damals auch die Borussen-Trikots. Eine ergänzende rote Schärpe erinnerte an die enge Beziehung zum Arbeitersport. Im Februar 1913 änderte man die Vereinsfarben und einigte sich auf  die unübertreffliche Farbkombination “schwarz-gelb.” (GK)