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1. Mai 1921: Schicksalstag für den BVB: Borussia gerettet

1. Mai 1921: Schicksalstag für den BVB: Borussia gerettet

Als der BVB-Vorstand 1919 das Amtsgericht Dortmund aufsuchte, um den Klub ins Vereinsregister eintragen zu lassen, hatte das einen ganz konkreten Grund: Man wollte als „e. V.“ Rechts- und Geschäftsfähigkeit erlangen, um einige richtungweisenden Vereinsprojekte angehen zu können und dafür die vereinsrechtliche Grundlage zu haben.

So beabsichtigten Franz Jacobi und sein Geschäftsführer Heinrich Schwaben beispielsweise, die „Weiße Wiese“ mit eigenen Geldmitteln und erheblicher körperlicher Eigenleistung zum „BORUSSIA-SPORTPLATZ“ auszubauen, um die Verbands-Vorgaben für Platzanlagen der angestrebten höheren Ligen zu erfüllen.

Generell war die Sportplatzsituation in Dortmund schwierig. Die erste Anlage, die die Bezeichnung „Sportplatz“ verdiente, war um 1900 die „Hobertsburg“ am Fredenbaum. Danach hatte sich der DFC 95 1908 einen vereinseigenen Sportplatz zugelegt und die Stadt 1913 den Mendespielplatz errichtet, auf dem mehrere Nord-Clubs kickten. Das war es auch schon. Nach dem 1. Weltkrieg hörte man darüber hinaus von Sportplatzprojekten von Alemannia 05 und vom BC Sportfreunde 06.

Auch der BVB war ambitioniert in Sachen „Sportplatz.“ Hier stellte sich die Situation aber schwieriger dar: Als Jacobi und Schwaben im Herbst des Jahres 1920 mit ihren Stadionplänen konkreter wurden und ihre Absichten konkreter offen legten, war die gern zitierte homogene BVB-Familie auf einmal gespalten.

Viele Mitglieder hielten das Projekt finanziell für zu risikoreich und wollten deshalb mit dem Sortverein 08, der übrigens ebenfalls in gelb und schwarz spielte und auf dem Mende-Spielplatz zu Hause war, zu den „Dortmunder Kickers“ fusionieren.

Der BVB-Vorstand wurde offiziell beauftragt, mit den Kollegen von 08 entsprechende Verhandlungen zu führen, was auch geschah. Die Gespräche gediehen schneller als gedacht. Der 1. Mai 1921, ein Sonntag und damals noch nicht „Feiertag der Arbeit,“ wurde ausgeguckt, um in Mitgliederversammlungen „final“ über die Fusion zu befinden. Jacobi und Schwaben zogen im Vorfeld alle Register, um ihre Mitglieder in letzter Minute von einem Votum pro Zusammenschluss abzuhalten.

Um 18.00 Uhr tagten die Borussen im „Wildschütz“ in der Oesterholzstraße, die 08er um 19.30 Uhr in der „Schmiedingslust“ des Fredenbaums. Die BVB-Mitglieder stimmten mit knapper Mehrheit für eine Fusion, wollten also „Borussia Dortmund“ ad acta legen und damit auch den Namen aus der Sportgeschichte ersatzlos streichen. Die Mitglieder von 08 hingegen votierten völlig überraschend dagegen. Damit rettete der SV 08 die Existenz der Borussia als eigenständiger Verein.

Wie Franz Jacobi kurz vor seinem 90 Geburtstag anlässlich eines Interviews mit mir offenbarte, hatte er gemeinsam mit Heinz Schwaben bei den 08ern „hintenrum“ Stimmung gegen „seinen“ BVB gemacht und so das Abstimmungsverhalten des SV 08 im Sinne einer Ablehnung beeinflusst.

Ich merkte schnell, dass er ungern über diese Episode und seine Handlungsweise sprach. Immerhin hatte er genau genommen einem Beschluss der BVB-Mitgliederversammlung zuwider gehandelt. Das war nicht so richtig vereinbar mit seiner Ehre als Hüttenbeamter, auch wenn er dadurch letztlich die Existenz seines Clubs gerettet hatte.

Den entstandenen Riss mitten durch die viel beschworene „BVB-Familie“ kitteten Jacobi und Schwaben mit viel diplomatischem Geschick und verstanden es sogar, die Vereinsmitglieder wieder hinter sich und ihren progressiven Stadion-Ideen zu versammeln, sodass man den Ausbau der „Weißen Wiese“ zum „BORUSSIA-SPORTPLATZ“ 1923 angehen und 1924 realisieren konnte.

Achtmal Deutscher Meister, viermal DFB-Pokalsieger, zweimal Europapokalsieger, einmal Weltpokalsieger. Das ist die eindrucksvolle Bilanz von Borussia Dortmund, die es 1921 bei einer Fusion zu den „Dortmunder Kickers“ nicht gegeben hätte. Die Dortmunder Sportszene wäre ihres heutigen Herzstücks beraubt gewesen.

An dieser Stelle erscheinen an verschiedenen Jahrestagen von schwarzgelben Ereignissen kurze Geschichten oder Anekdoten, die in Zusammenarbeit mit der AG Tradition der BVB Fan- und Förderabteilung und dem BORUSSEUM veröffentlicht werden.