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Fürth: DFL-Papier durchleuchtet

Fürth: DFL-Papier durchleuchtet

Unser Fanomenal-Duo Jakob Scholz und Tobi Westerfellhaus begrüßten im Stadionvorprogramm am Samstag gegen Greuther Fürth unseren Vertreter bei „Unsere Kurve“ Daniel Nowara. Der hat sich in den letzten Wochen intensiv mit dem Sicherheitspapier der Deutschen Fußballliga auseinander gesetzt und erklärte die Inhalte der kürzlich veröffentlichten zweiten Version im Interview.

Fanomenal:Daniel, einfache Frage zu Beginn: Fühlst du dich im Stadion sicher?

Daniel: Ganz klar: Ja! Unsere Stadien sind mittlerweile so modern und abgesichert, da kann überhaupt nichts passieren. Es gibt Statistiken die belegen, dass die allermeisten Vorfälle auf dem Weg zum Stadion passieren. Wer also den Weg ins Stadion gefunden hat, der hat den härtesten Teil des Stadionerlebnis schon mal überlebt.

Fanomenal: Der Ligaverband hat dennoch ein Sicherheitspapier auf den Weg gebracht, die erste Version wurde auch von vielen Vereinen abgelehnt und kritisiert. Jetzt wurde eine überarbeitete Version veröffentlicht.

Daniel: Diese zweite Version liest sich zunächst mal etwas weicher. Es gibt jedoch auch schon Stimmen die behaupten, die meisten unangenehmen Maßnahmen seien nun juristisch verklausuliert worden. Das müssen wir in jedem Fall noch mal durch einen Juristen prüfen lassen, in wie fern dort wirklich Änderungen erfolgt sind. Doch auch ganz offen beinhaltet die neue Version immer noch Maßnahmen wie Kollektivstrafen, so etwas lehnen wir weiterhin ab.

Fanomenal:Hat dieses Papier auch einen politischen Hintergrund? Schließlich haben die Innenminister schon mehrmals Liga und Verband aufgefordert, mehr für die Sicherheit zu tun?

Daniel: Ja, selbstverständlich hat es das. Warum das Ganze aber mit solch einem Druck durchgeführt wird, dass kann niemand wirklich nachvollziehen. Die DFL schreibt selbst in einer Einleitung des Papiers, dass man bereits einen sehr hohen Standard in Sicherheitsfragen erfüllt. Trotzdem wurde nun erneut eine sehr knappe Frist für Gespräche zwischen Verein und Fans bezüglich weiterer Verbesserungsvorschläge und Anregungen gewährt (Anmerkung: 22. November). So ist für viele Vereine, wie zum Beispiel bei uns in Dortmund, aufgrund internationaler Spiele kaum zu möglich, sich detailiert mit dem Konzept auseinander- und mit dem Verein an einen Tisch zu setzen.

Fanomenal: Welche wesentlichen Punkte wurden denn in der ersten Version des Sicherheitspapiers von euch als Unsere Kurve und uns als Fanabteilung kritisiert und abgelehnt?

Daniel: Dieses Konzept soll den Stadionbesuch sicherer gestalten, verbindet dies aber mit einschränkensten Maßnahmen gegen alle Fußballfans. Das reicht von Vollkontrollen, wie sie die Frankfurter in München schon über sich ergehen lassen mussten, über Kollektivstrafen wenn bspw. hinter einer Fanklub-Fahne Pyrotechnik gezündet wird, bis hin zu einem Fankodex und einer direkten Einflussnahme der Liga auf die Sportgerichtbarkeit des DFB. All das gefährdet in unseren Augen die lebendige deutsche Fankultur, ohne einen direkten Nutzen für die Sicherheit zu haben.

Fanomenal: Du sprachst es gerade schon an: Die Bayern haben einen Teil des Ppaiers mit Vollkontrollen gegen Fans gegen Eintracht Frankfurt schon umgesetzt. Wie geht Unsere Kurve damit um?

Daniel: Wir lehnen diese Kontrollen strikt ab und verurteilen das Verurteilen sie. Juristisch sind solche Maßnahmen auch überhaupt nicht erlaubt, wie ein Gericht bereits feststellte. Sie greifen in die Grund- und Persönlichkeitsrechte der Fans ein und dürfen auch nicht vom Ordnungsdienst durchgeführt werden, sondern nur von behördlichen Beamten wie am Flughafen. Die Ergebnisse der Maßnahmen haben ja außerdem gezeigt was sie bringen: Nichts. Denn es gab keine nennenswerten Ergebnisse, auch wenn der Verein es noch versucht hat dies anders darzustelllen.

Fanomenal: Das Sicherheitspapier hat ja aber auch nicht nur negative Inhalte. So werden dort auch Prävention und Dialog als Notwendigkeiten genannt.

Daniel: Prävention ist gut, solange Prävention nicht von vorn herein Strafen bedeuten . Prävention muss als vorbeugende Maßnahmen in der Zusammenarbeit mit den Fans verstanden werden und nicht als vorbeugende Schickane. Das wir uns für den Dialog und Gespräche mit der Liga, dem Verband und den Vereinen einsetzen und diesen Pasus im Konzept begrüßen, dürfte mittlerweile jedem bekannt sein.

Fanomenal: Kurzer Ausblick: Wie geht es jetzt mit der zweiten Version weiter?

Daniel: Das kann niemand so genau sagen. Wir haben mit über 150 Fangruppen auf dem Fankongress in Berlin Anfang November über Fandemos, Stimmungsboykotts und weiteren Protestaktionen diskutiert. Nun müssen wir erstmal diese Version unter die Lupe nehmen und dann schauen welche Situation uns darstellt und welche Gefahren mit einem solchen Papier noch drohen. Danach schauen wir weiter. Momentan ist das alles etwas unsicher und keiner kann so genau sagen wie es weitergeht.

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