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Wo stehen wir? Die Südtribüne und ihre Geschichten

Wo stehen wir? Die Südtribüne und ihre Geschichten

Die Südtribüne ist das Herz der BVB-Fans. Alle zwei Wochen machen sie die endlosen grauen Stufen zu einem Ort schwarz-gelben Supports, Jubels und Freude, manchmal aber auch der Enttäuschung und Wut.
Am vergangenen Dienstag trafen sich unter der Nordtribüne im Stadion etwa 100 Fans, um ihre Erlebnisse rund um den „Mythos Südtribüne“ mit anderen zu teilen. Moderator Gregor Schnittker unternahm mit seinen Gästen eine Zeitreise. In diese startete er mit Peter Noisten, Daniel Nowara, Ilka Göke, Jan Philipp Platenius, Peter Erdmann und Andreas Assmann. Sie alle stehen seit vielen Jahren auf der Süd, zum Teil seit es sie gibt. Das Westfalenstadion – mit der Südtribüne als neuem Zuhause der BVB-Fans – wurde zur WM 1974 gebaut. Damals gab es 53.000 Plätze, davon 37.000 Stehplätze. In den Neunzigern wurde die Nord zu Sitzplätzen umgebaut und 1999 die Ecken, erneut für eine WM, ausgebaut.
20151020_Wo_Stehen_Wir_JHS_023Einleitend erzählte Peter „Erbse“ Erdmann von seiner Zeit als selbst ernannter „Einpeitscher“ der Südtribüne in den siebziger Jahren: „Wenn der BVB in einer Hinrunde 30 Punkte geholt hat, dann hat davon locker zehn die Südtribüne geholt“. Schon damals spielte die Mannschaft in der zweiten Halbzeit auf die Süd und eben diese Unterstützung im Rücken verunsicherten den Gegner. Peter Noisten erinnerte sich, dass es auch in der Roten Erde schon eine Südtribüne gab, diese jedoch den Auswärtsfans zustand. Als dann die Schalker ihre Heimkurve in den Norden verlegten, war schnell klar, dass im neuen Stadion Dortmunds die Südtribüne Zuhause der Heimfans werden musste.
Immer wieder kamen neben den Gästen auf dem Podium weitere Fans zu Wort. Im Publikum meldete sich dann auch ein ganz besonderer Gast zu Wort: Siggi Held. Für ihn war die „Süd“ stets wie ein Weckruf: „Selbst wenn du gerade aus dem letzten Loch pfeifst, wenn die Fans dich angefeuert haben, dann ging die Post ab. Du wurdest davon quasi getragen, die Beine bewegten sich dann von ganz allein. Das Parkstadion dagegen war wie ein Begräbnis.“
20151020_Wo_Stehen_Wir_JHS_014Ilka Göke war 13, als sie das erste Mal in Block 14 stand. Vom Spiel hat sie damals nichts mitbekommen, viel zu ergriffen war sie von dieser beeindruckenden Menschenmenge. Wie ihr ging es beim ersten Besuch im Westfalenstadion vielen. Und viele konnten sich der Faszination Süd nicht mehr entziehen. Im Publikum erinnerte sich jemand, dass er früher häufig Stubenarrest bekam, wenn er sein Geld für Spiele opferte. Ein anderer gab zu, dass ihn Fußball zuerst überhaupt nicht interessiert hatte, bis er zum ersten Mal im Westfalenstadion stand. Kurze Zeit später, in den 80er Jahren, erhielt er seine Dauerkarte für den Ort, der „für immer sein Zuhause sein wird“.

Im zweiten Teil des Abends ging es mit der Zeit nach der Jahrhundertwende weiter, bei der besonders die Entwicklung der Ultrakultur im Fokus stand. Nach dem Vorbild Italiens sollten Stimmungslieder und Fahnen ab jetzt das Bild im Stadion prägen. So entstand nach den Desperados 1999 zwei Jahre später The Unity, nachdem sich vor allem im schwatzgelb.de-Forum die aktiven Fans sammelten und in Block 82 die Grundlage für organisierte Stimmungsmache legten. Am Anfang stieß dies auf geringen Zuspruch, von 40 angesprochenen Fanclubs wolltennur sehr wenige mitmachen.

20151020_Wo_Stehen_Wir_JHS_038An einem Strang zogen alle zum ersten Mal, als der Graben zwischen Fans und Verein sich nach Kommerzialisierungsmaßnahmen weitete. So sollten Fanclubs neue Mitglieder anwerben und bekamen sogar Geschenke bei entsprechendem Erfolg. Auch die drohende Insolvenz im Jahr 2005 wird wohl jedem Borussen als Zeit des Bangens um das Überleben des Vereins für immer in Erinnerung bleiben. Einer der Gäste erinnerte an die Doppelhalteraktion zum Derby im selben Jahr, bei dessen Vorbereitungen Lars Ricken die engagiert nähenden Fans mit Bier versorgen wollte. Bei der Schätzung der mitmachenden Fans lag Ricken jedoch ziemlich falsch. Seine mitgebrachte Kiste Bier reichte längst nicht aus, damit jeder der Fans nur eine Flasche bekam.
Auch unvergessliche Momente der erfolgreichen Jahre unter Jürgen Klopp wie das legendäre 3:2 gegen Malaga oder das 4:1 gegen Madrid ließ Gregor Schnittker mit seinen Gästen Revue passieren. Zum krönenden Abschluss stimmte Peter „Erbse“ Erdmann seinen BVB-Walzer an, den alle sofort begeistert mitsangen.

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