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„Unser ganzes Leben – Die Fans des BVB“: Buchvorstellung in der Roten Erde

Lassen sich mehrere Jahrzehnte schwarz-gelber Fangeschichte auf 300 Seiten abbilden? Was unmöglich klingt, haben die Autoren Ulrich Hesse und Gregor Schnittker nach langer Recherche tatsächlich geschafft. Herausgekommen ist ein Werk, das den passenden Titel „Unser ganzes Leben – Die Fans des BVB“ trägt und nun in der Roten Erde vorgestellt wurde.

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Ursprünglich sollte die Präsentation im Biergarten stattfinden – das Wetter sorgte jedoch dafür, dass die vielen Zuschauer dicht an dicht gedrängt in der Stadiongaststätte lauschen mussten. Aber, und das stellten die Autoren direkt zu Beginn klar, es hat schließlich schon in der Vergangenheit zu wichtigen historischen Anlässen (wie dem gewonnenen Westfalenpokalfinale 1947 gegen den ungeliebten Nachbarn) gerne geregnet. Jemand, der bei diesem Spiel buchstäblich im Regen gestanden hat, war Erwin Pfänder. Einer der vielen Fans, die im Buch zu Wort kommen und an diesem Abend in der Roten Erde persönlich von seinen Erlebnissen mit der Borussia berichtete. Dazu gehörten Auswärtsfahrten im sogenannten Hamsterzug und ein Fußballspiel im Hoeschpark mit einem Ball, der eigentlich den Engländern gehört hat: „Geklaut haben wir den aber nicht, höchstens organisiert.“

Die Reise durch die frühen Anfänge der schwarz-gelben Fangeschichte führte auch über den 5. Mai 1966. Den Tag, an dem der BVB als erster deutscher Verein im Europapokal der Pokalsieger im schottischen Glasgow über den FC Liverpool triumphierte. An diese Reise erinnerten sowohl Pfänder als auch bewegte Archivaufnahmen, die die vermutlich erste Sonderzugfahrt von BVB-Fans überhaupt dokumentieren.

Nach einer kurzen Pause schlugen die Autoren gemeinsam mit Peter Noisten ein weiteres Kapitel Fanhistorie auf: die Gründung des BVB Fan Club – einem der ersten Fanclubs des Vereins. Man wollte Dinge im Verein anstoßen und auch mehr Fans mobilisieren, schilderte Noisten seine Beweggründe, den BFC ins Leben zu rufen. In diese Zeit fiel auch der Umzug ins Westfalenstadion. Warum die BVB-Fans von der Nordkurve der Roten Erde in den Süden des neuen Stadions umzogen, dieses Mysterium konnte aber nicht einmal Peter Noisten erklären.

Aufklären konnten Schnittker und Hesse hingegen das Verschwinden des BVB-Walzer-Königs Peter „Erbse“ Erdmann. 1976 aus einer spontanen Einlage als Stimmungsmacher in der Westfalenhalle entstanden, erklingt sein Walzer auch heute noch regelmäßig aus den Kehlen zehntausender Stadiongänger, lässt eine ganze Kurve andächtig im Takt schunkeln. Das Suchen und Finden von „Erbse“ – ein wichtiges Kapitel und ein wesentlicher Grund für die Entstehung des Buches. Dass sich die Mühen gelohnt haben, bewies „Erbse“ den Anwesenden höchst selbst: Bei einer spontanen Live-Vorführung des BVB-Walzers stellte er sein Talent als Stimmungskanone vor den begeisterten Zuhörern einmal mehr unter Beweis. Neben dem Besuch der beiden mexikanischen Fans Kevin und Toto, die für BVB-Spiele um 9 Uhr Ortszeit regelmäßig die komplette Familie wecken, ganz sicher eines der Highlights des Abends.

Den Abschluss der Veranstaltung bildeten Reinhard Beck und Jan-Henrik Gruszecki, die die Entwicklung der schwarz-gelben Anhänger von der Jahrtausendwende hin zur heutigen Fanszene durch ihre Erzählungen darlegten. Beck, maßgeblich beteiligt an der Entstehung des Fanzines schwatzgelb.de und der BVB | Fan- und Förderabteilung, erzählte Anekdoten von seinem Rauswurf aus dem Presseraum nach zu exzessivem Jubel, aber auch von der kritischen Haltung vieler Fans gegenüber der damaligen Vereinsführung um Michael Meier und Gerd Niebaum Mitte des Jahrtausends. Die Umbruchstimmung, die die Fans in den Jahren nach dem Champions-League-Sieg 1997 trieb, führte auch dazu, dass sie die Gruppe The Unity (zunächst als versuchter Dachverband der Fanszene) gründeten. „Die Idee war, viele Leute zu vereinen und die Stimmung im Stadion zu verbessern“, erklärte Gruszecki die Anfänge der Dortmunder Ultras.

Die Veränderungen der BVB-Fanszene von ihren frühen Anfängen, als Männer in Anzug und Krawatte direkt an der Außenlinie standen, über Fans, die mit selbst gestrickten Schals und Mützen ein Spiel besuchten, bis hin zu Initiativen wie „Kein Zwanni“ oder „12:12“, die maßgeblich im Dortmunder Umfeld initiiert wurden und „auf die wir als BVB-Fans sehr stolz sein können“ (Gruszecki) – all dies sind nur wenige Beispiele für das, was Schnittker und Hesse in „Unser ganzes Leben“ eindrucksvoll dokumentieren. Auf eine lebendige Art und Weise und mit vielen Zeitzeugenberichten, ähnlich wie bei der stimmungsvollen Präsentation des Buches. Ob nun als alteingesessener Fan, Ultra oder Gelegenheitsbesucher – in einer der zahlreichen Geschichten von „Unser ganzes Leben“ findet sich sicher jeder von uns wieder.

Bestellen kann man das Buch hier.

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