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Stellungnahme: Krieg und Frieden

Stellungnahme: Krieg und Frieden

In den vergangenen Tagen standen sich in der öffentlichen Wahrnehmung zwei Extreme gegenüber: die protestierenden, konzeptlosen, nicht dialogwilligen Fußballfans und der entgegenkommende, zielorientierte, dialogbereite Deutsche Fußballbund (DFB). Allerdings ist die Situation nicht so einfach, wie es für viele auf den ersten Blick scheint. Obwohl wir selbstverständlich die Aussagen des DFB grundsätzlich begrüßen, bedarf es hier einer umfassenderen Beleuchtung der Situation.

Auf der einen Seite steht da der DFB, der am vergangenen Mittwoch unter dem Titel „Gemeinsam in den Dialog eintreten“ eine Pressemitteilung veröffentlichte, in der er ein „Innehalten“ und „Umdenken“ fordert und ankündigt, fortan seiner Sportgerichtsbarkeit zu „empfehlen“, keine „Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist“. In der Medienöffentlichkeit ist dies als ein Verzicht des DFB auf das Aussprechen von Kollektivstrafen aufgenommen worden.

Auf der anderen Seite stehen „die Fans“, welche sowohl während der Pokalspiele, als auch während des ersten Bundesligaspieltags der neuen Saison lautstark und vielfältig ihren Unmut über den Verband zum Ausdruck brachten. Doch dieser trotz der DFB-Offerte fortgeführte Protest zeugt mitnichten von mangelnder Dialogbereitschaft auf Seiten der Fans; viele Stadiongänger misstrauen schlichtweg der neuen Rhetorik eines Verbandes, der in den vergangenen Jahren mit Strafen und Reglementierungen nach dem Gießkannenprinzip und vielen ergebnislosen Fandialogen, die mitnichten auf Augenhöhe stattfanden, ein Verhältnis zwischen Fans und Verband erschaffen hat, das von gegenseitigem Vertrauen und Kooperation sehr weit entfernt ist. Durch eine simple Empfehlung dieses Verbandes an seine noch immer unabhängig agierende Sportgerichtsbarkeit können Jahre des Misstrauens und unzählige nicht eingehaltene Zusagen nicht vergessen gemacht werden.

Nun muss sich der DFB an seinen eigenen Aussagen messen lassen. Der eingeforderte Dialog darf keine Einbahnstraße sein. Es müssen klare Verhältnisse geschaffen und Richtlinien festgelegt werden, unter denen gemeinsame Gespräche stattfinden und Vereinbarungen getroffen werden können. Ein Verband, der die Aufklärung der Affäre um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 behindert und bereits in der Vergangenheit gemachte Zugeständnisse ersatzlos aufgekündigt hat, darf keinen uneingeschränkten Vertrauensvorschuss mehr erhalten.

Tobias Westerfellhaus war jahrelang als Fanvertreter ständiges Mitglied der ‚AG  Fandialog‘ des DFB und findet klare Worte: „Es bleibt festzustellen, dass der DFB in den letzten Jahren gänzlich verpasst hat, die bestehenden Dialogstrukturen ernst zu nehmen und auf deren Belange und Anregungen einzugehen. Man hat bereits zahlreiche Chancen liegen lassen, Themen und Probleme, die erst zur derzeitigen Situation geführt haben, mit ernsthaftem Interesse anzugehen und zu lösen.“

Selbstverständlich müssen sich auch die gesamte Fanszene und die größten Kritiker der Verbände auf die Fahnen schreiben, dass gewaltsame oder gefährdende Aktionen im Stadion oder rund um den Spieltag einen sachlichen und umfassenden Dialog auch in Zukunft gefährden werden.

Der DFB sollte nun zunächst klare Aussagen in der Öffentlichkeit tätigen, wie man die Rechtsordnung des Verbandes anzupassen gedenkt, um die Kollektivbestrafungen, die Bestrafungen der Vereine für Vergehen ihrer Fans, die Selbst-Sanktionierung von Vorfällen bei eigenen Veranstaltungen (Pokalfinals), und die willkürliche Strafmaßfindung bei Sanktionierungen endgültig abschließend, transparent im Sinne der Fans und der Vereine festzulegen.“

Diese Vorbedingung kann nicht im Dialog erfüllt werden, sie muss vom DFB ausgehen. Danach kann ein Dialog eingeleitet werden, in dem unter Beteiligung aller Institutionen auf Seiten der Verbände (DFB und DFL) und auf Seiten der Fans, über eine gemeinsame Definition des Fußballs der Zukunft diskutiert werden kann“, so Jakob Scholz.

Wir, die BVB Fan- und Förderabteilung werden daher die Tür für einen Dialog nicht gänzlich schließen, verweisen jedoch auf oben genannte Vorbedingungen. Nur durch gemeinsame Gespräche können wir unser aller Ziel erreichen – den Erhalt des Fußballs, wie wir ihn lieben und leben.

Der Vorstand der BVB Fan- und Förderabteilung

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