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Borussia im Süden der Stadt – Umzug vor 75 Jahren

Rote Erde 1950er JahreÜber Hundert Jahre existiert unser geliebter Ballspielverein nun bereits. Viel Zeit für viele Geschichten rund um den BVB. Das Mediateam wird diese Saison, in Kooperation mit dem BORUSSEUM, monatlich einige der interessantesten, wichtigsten oder spannensten dieser Geschichten rauskramen und euch vorstellen. 
Anfangen tun wir im Juli mit der Zwangsumsiedlung des BVB aus dem Norden der Stadt in die Rote Erde. 

Jeder kennt wahrscheinlich zumindest im Groben die Geschichte unseres aktuellen Stadions und des Vereins. Aber wie sieht es mit der altehrwürdigen Kampfbahn Rote Erde oder gar der Weißen Wiese bzw. dem Borussia Sportplatz aus? In diesem Jahr jährt sich zum 75. Mal die Vertreibung unseres BVB aus dem Norden der Stadt durch das Nazi-Regiment und damit der Umzug in die Rote Erde im Süden Dortmunds. 

Bekanntlich wurde unser BVB am 19.12.1909 in der Gaststätte „Zum Wildschütz“ am Borsigplatz gegründet. In dieser Zeit stellte der Norden der Stadt und insbesondere die Gegend um den Borsigplatz den Mittelpunkt der Dortmunder Stahlindustrie um die Hoesch-Hüttenwerke dar. Dieses Hoeschviertel wurde dann also auch die Wiege des BVB. Neben der Gaststätte „Zum Wildschütz“ befand sich hier sowohl das Vereinsheim als auch die erste Spielstätte Weiße Wiese. Über den Name Weiße Wiese gibt es übrigens zwei Deutungen: Zum einen durch die Pollen der Pappeln, die das Spielfeld säumten. Eine andere Geschichte besagt, dass die Dämpfe und Gase einer Zinkhütte in Dortmund-Körne die Felder und Wiesen weiß-grau färbten. Hier auf dem Platz fand auch das erste festgehaltene Spiel des BVB statt: Am 15.01.1911 wurde der Lokalrivale VfB aus dem Süden der Stadt mit 9:3 besiegt.

Modell Weiße Wiese

 

Die Nordstadt prägte die Weiße Wiese

 

Um 1920 herum entstand das „Reichsspielplangesetz“, welches für einen Mindeststandard (z.B. Umzäunung oder ein Kassenhäuschen) an den deutschen Spielstätten sorgen sollte. Um 1923 wurde deshalb die Weiße Wiese in den Borussia Sportplatz aus- und umgebaut. Zur Realisierung dieses Projekts wurde eigens ein Bauausschuss gegründet, der die Planung und Berechnung des Umbaus übernahm. Die erste Hochrechnung der Kosten belief sich auf 25.000 Reichsmark, eine für damalige Verhältnisse äußerst hohe Summe. Um zusätzliches Geld zu erwirtschaften, wurden deshalb als eine Art Aktie Bausteine an Mitglieder, Freunde und Gönner verkauft. Insgesamt verschlang der Umbau der Weißen Wiese im Endeffekt sogar das Doppelte der ursprünglichen Kalkulation, über 50.000 RM!

Hätten nicht so viele Vereinsmitglieder unentgeltlich beim Umbau geholfen – die Kosten wären wohl noch wesentlich höher ausgefallen. Dass der Umbau der Anlage letztlich in großen Teilen vereinsintern vorgenommen wurde, verstärkte die damals ohnehin schon tiefe Bindung des BVB an den Norden der Stadt noch weiter. Die Weisse Wiese galt als das Wohnzimmer des Vereins, die Heimat von Borussia Dortmund. Das diese schon bald fünf Kilometer weiter in den Stadt-Süden verlegt werden sollte, war für viele Borussen noch unvorstellbar. 

Neue Ära mit der Roten Erde


In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg begnügten sich die meisten Topvereine nicht mehr mit kleineren Sportplätzen. Die ersten größeren Stadien mit Fassungsvermögen von bis zu 25.000 Zuschauern entstanden. Zur Zeit der Weimarer Republik wurde der Bau solcher Stadien mit einer noch größeren Intensität vorangetrieben. So entstanden 1923 beispielsweise das Müngersdorfer Stadion in Köln oder 1926 das Rheinstadion in Düsseldorf. Im selben Jahr bekam dann auch Dortmund sein erstes großes Stadion: Die Kampfbahn Rote Erde. Doch bis Borussia seinen Gründungsort verließ blieb noch Zeit, in den ersten Jahren der Roten Erde hatte der BVB mit der Spielstätte nichts zu tun.

Eröffnung Rote Erde

Erst mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland kam das Ende des BVB auf dem Borussia Sportplatz im Norden. Wurden 1936 dort noch die Aufstiegsspiele in die Gauliga bestritten, so musste man 1937 im Zuge der Kriegsvorbereitungen in den Süden der Stadt in die Rote Erde umziehen. In den Planungen der Nazis sollte das Gelände um den Borussia Sportplatz einer Erweiterung der Hoesch AG dienen. Im neu entstandenen Hoeschpark sollte ein Freibad gebaut werden, welches dann aber erst 1951, also weit nach dem Ende des Nazi-Regime, realisiert wurde. Es wird außerdem vermutet, dass das Nazi-Regiment die Spielstätte bewusst verlegten, um Dortmunds erfolgreichsten Sportverein aus dem „roten“ Arbeiterviertel im Norden zu vertreiben und die Vereinsprotagonisten besser kontrollieren zu können. 

Durch den Verlust der eigenen Anlage, war der BVB zunächst heimatlos, was besonders den Gründervätern schwer zu schaffen machte, besonders der Platzwart und Kommunist Heinrich Czerkus litt schwer unter dem Verlust des Platzes. Der BVB hatte seine Heimat, die Weisse Wiese, im Arbeiterviertel um den Borsigplatz verloren und musste in den bürgerlichen Süden weichen. 

Rote Erde 1950er Jahre

Akzeptanz stieg erst mit dem Kriegsende

Es sollte einige Jahre dauern, ehe der Verein das Stadion als neue Heimat akzeptieren konnte und wollte. Erst als der BVB nach dem Krieg in die internationale Spitze des Fußballs aufstieg, wurde das Stadion richtig als neue Heimat angenommen. Diese Zeit des kollektiven Neubeginns nutzte also auch der BVB für sich.

Doch auch wenn die Umsiedlung nun bereits ein dreiviertel Jahrhundert zurück liegt, sind es doch noch immer die Werte der Arbeiterzeit, die unseren Verein prägen und für alle Fans eine gewichtige Rolle spielen: Ehrlichkeit, Kampf und harte Arbeit sind nur drei davon.

Der Borsigplatz wird auch immer eine spezielle Rolle beim BVB spielen. Dort findet in der Pommesbude „Pommes rot-weiß“ (ehemals Gaststätte „Zum Wildschütz“) jedes Jahr am 19. Dezember eine Geburtstagsfeier statt und auch die großen Titelfeiern nehmen noch immer im Norden der Stadt ihren Anfang – wie zuletzt beim diesjährigen Doublekorso. Der Begann auf jenem Gelände, das in den Nordstadt-Zeiten vielen BVB-Spielern eine Arbeitsstelle bot, auf dem ehemaligen Hoeschgelände, und fand seinen ersten Höhepunkt am Geburtsplatz, dem Borsigplatz.


Nicole Sander, BVB | Fan- und Förderabteilung

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