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Kurz vorm Abgrund – Die Entwicklungen vor den Relegationsspielen 1985/1986

In unserer Rubrik „Geschichten aus der Geschichte“ kümmern wir uns im Geburtstagsmonat des BVB um einen dunklen Zeitabschnitt: Zu Beginn der Saison 1985/1986 gab es nur ein Ziel, den Klassenerhalt. Denn in den drei Jahren zuvor regierte rund um Borussia Dortmund das Chaos

 

Am Anfang der Saison 1982/1983 trat Reinhard Rauball wegen geschäftlicher Überlastung als Vereinspräsident zurück und übergab das Amt an den ehemaligen Schatzmeister Jürgen Vogt. Jedoch sollte sich dieser Wechsel an der Vereinsspitze als fatal erweisen.

Rauball hatte in seiner Amtszeit den BVB nach dem Wiederaufstieg im Jahr 1976 im oberen Tabellendrittel etabliert. Allerdings wurden unter Vogt jegliche bis dahin erworbenen Kredite verspielt. Rauballs Fußstapfen waren für seinen Nachfolger einige Nummern zu groß und seine Amtszeit leider zu kurz als dass er etwas hätte aufbauen können, was auch ohne ihn hätte überleben können.

Enttäuschende Spielzeit trotz 11:1-Rekordsieg

Die Saison 82/83 endete auf einem enttäuschenden siebten Rang. Was zudem bedeutete, dass man in der darauffolgenden Spielzeit international nicht dabei sein würde. Ein Highlight in dieser Saison war jedoch sicherlich der bisher höchste Bundesligasieg des BVB mit einem 11:1 gegen Arminia Bielefeld. Bemerkenswert ist hierbei die Tatsache, dass es zur Halbzeit lediglich 1:1 stand und Borussia erst nach dem Seitenwechsel so richtig aufdrehte.

Fünffacher Torschütze war hierbei „Manni“ Burgsmüller, der dem ZDF-Sportstudio nach dem Sensationsspiel allerdings dennoch eine klare Absage mit den Worten „Ich habe eine Famililenfeier. Oma Frieda wird über achtzig“ erteilte.

Im UEFA-Cup schied man gleich in der ersten Runde gegen die Glasgow Rangers aus. Einzig der DFB-Pokal war ein Lichtblick dieser gesamten Saison mit dem Erreichen des Halbfinals gegen Fortuna Köln. Scheinbar hatte man den Zweitligisten aber auf die leichte Schulter genommen und fuhr mit einer 0:5 Niederlage im Gepäck wieder nach Dortmund. Die Ursachen für diese sportlich negative Entwicklung waren allein in der Vorstandspolitik zu suchen. Vogt, der das gesamte Jahr mit Querelen im Vorstand zu tun gehabt hatte, trat aufgrund dessen am Ende der Saison zurück. Daraufhin wurde Friedhelm Cramer vom Amtsgericht zum Notpräsidenten bestellt.

Platz 13 statt Meisterschaft im Folgejahr

Dieser gab vor der neuen Saison das ehrgeizige Ziel „Platz eins bis vier“ aus, was allerdings nicht realisiert werden konnte. Der BVB landete am Saisonende auf dem 13. Platz. Im DFB-Pokal schied man schon in der ersten Runde aus. In diesem Jahr saßen außerdem drei verschiedene Trainer auf der Bank: Uli Maslo, Dieter Tippenhauer und Horst Franz.

Tippenhauer wurde eigens dafür gegen eine Ablöse von 100.000DM von seinem Managerposten bei Bayer Uerdingen freigekauft. Er sah sich jedoch auch beim BVB eher auf dem Posten des Managers als auf dem des Trainers und machte deshalb für Franz Platz, sodass er wieder als Manager fungieren konnte. Er war somit der erste Manager in der Geschichte des BVB. Da er allerdings gestandene Spieler wie Bürgsmüller und Abramczik unter Wert verkaufte und Neuzugänge im Vergleich zu teuer einkaufte, wurden kritische Stimmen laut.

Die Saison 1984/85 begann abermals mit einem Trainerwechsel. Horst Franz musste seinen Platz für Timo Konietzka räumen. Beim sich abwärts bewegenden BVB sollte dieser die Erinnerung an bessere Jahre wiederbeleben und den Verein wieder nach vorne bringen.

Der Saisonverlauf zeigte allerdings genau das Gegenteil. Nach acht Spieltagen hatte der BVB schon sechs Niederlagen auf dem Konto. Nach einer weiteren Niederlage gegen den Karlsruher SC am neunten Spieltag ging alles ganz schnell. Die Fans veranstalteten einen Sitzstreik auf dem Rasen, Trainer und Manager konnten die anschließende Pressekonferenz nur unter Polizeischutz besuchen, Friedhelm Cramer sowie der gesamte Vorstand traten zurück. Der daraufhin eingesetzte Notvorstand bestand aus Reinhard Rauball (Präsident), Dr. Gerd Niebaum (Vizepräsident) und Jürgen Vogt (Schatzmeister).

Zu den ersten Amtshandlungen dieses Vorstands gehörten die Entlassungen von Manager Tippenhauer und Trainer Konietzka. Co-Trainer Reinhard Saftig wurde zunächst Trainer, ehe mit Erich Ribbeck ein neuer namhafter Trainer präsentiert werden konnte. Parallel zu diesen Entwicklungen präsentierte ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer eine Schuldenlast in Höhe von 4,3 Millionen DM. Zu dieser Zeit eine astronomische Summe. Der Borussia ging es so schlecht wie nie zuvor.

Borussia Dortmund kurz vor dem Lizenzentzug

Diese Zahlen ließen den DFB hochschrecken, ein Lizenzentzug und der damit verbundene Abstieg in die Amateurliga drohte. Hilfe bekam der BVB allerdings von allen Seiten. Zunächst verhielten sich die Spieler vorbildlich. Sie verzichteten auf Teile ihrer Gehälter und auf Punktprämien. Zusätzlich halfen die Brauereien und die Stadt dem BVB finanziell aus der Misere.

Mit dem neuen Coach Ribbeck konnte sich der Verein am letzten Spieltag durch ein 2:0 gegen Meisterschaftsaspirant Werder Bremen vor dem Abstieg retten. Am Ende stand man nur einen Punkt vor einem Abstiegsplatz.Nach der Rettung verließ Ribbeck den BVB allerdings schon wieder, da er Bayer Leverkusen im Vorfeld schon eine Zusage gegeben hatte. Dies war von Anfang an so vereinbart gewesen.

Der Nachfolger zur Saison 1985/86 war Pal Csernai, der rein äußerlich nicht zum traditionellen BVB passen wollte, jedoch den von Rauball und Niebaum fokussierten Wandel symbolisierte. Durch den drückenden Schuldenberg konnte man die Mannschaft allerdings kaum verstärken. Das Ziel konnte also wie eingangs erwähnt von Beginn der Saison an nur Klassenerhalt lauten. Diese Einschätzung sollte sich nach sieben Spieltagen als sehr realistisch erweisen, die Borussia hatte erst drei Punkte auf dem Konto. Hinzu kam eine neue Schreckensmeldung: Der DFB drohte mit Punktabzug. Der BVB hatte in gewaltigen Größen gegen die Lizenzauflagen verstoßen. Vor der Saison 1984/85 war angeordnet worden, die Verbindlichkeiten „einzufrieren“. Der alte Vorstand hatte die Verbindlichkeiten allerdings dennoch weiter erhöht. Der DFB beließ es glücklicherweise am Ende bei einer Geldstrafe.

Am Ende der Saison fand man sich auf dem 16. Tabellenlatz wieder, dies bedeutete Relegation gegen den Drittplatzierten der 2. Bundesliga, in diesem Fall Fortuna Köln.

Das wichtigste Tor der BVB-Geschichte

Was nun folgte, ist Geschichte. Das Hinspiel in Köln gewannen die Fortunen mit 2:0. Um den Klassenerhalt doch noch zu sichern, musste das Rückspiel mit drei Toren Unterschied gewonnen werden. Bei einem Unterschied von zwei Toren, würde ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz folgen. In einem hochdramatischen Spielverlauf siegte die Borussia in allerletzer Sekunde mit 3:1 durch das Tor von Jürgen Wegman. Jeder der an diesem Tag im Stadion war, wird den Torschrei noch in den Ohren haben.

Das Entscheidungsspiel in Düsseldorf entschied der BVB dann klar mit 8:0 gegen eine sehr grippegeschwächte Kölner Mannschaft klar für sich.

Das Relegationsrückspiel im heimischen Stadion gilt seitdem als Wendepunkt in der jüngeren Vereinshistorie von Borussia Dortmund, der Aufbruch in ein goldenes Jahrzehnt.

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