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Mit Verspätung zum Triumph

„Fußballsonderzug nach Berlin Zoologischer Garten – heute voraussichtlich 70 Minuten später.“ – So begann für rund 950 BVB-Fans der Pokalfinaltag. Ärgerlich, doch spätestens 16 Stunden später hatte auch der letzte Mitfahrer die Verzögerung vergessen, Borussia hatte Geschichte geschrieben und wir waren dabei!

Das Chaos am Samstagmorgen im Dortmunder Hauptbahnhof glich dem bei einem Heimspiel – schwarz-gelb wohin man blickte, vorfreudige Gesänge und ein wenig Verwirrung, wo nun der richtige Zug abfährt. Innerhalb von 15 Minuten sollten drei Sonderzüge mit rund 2000 Borussen die Fußballhauptstadt Richtung Berlin verlassen, einzigartig! Leider war es ausgerechnet der Sonderzug der BVB | Fan- und Förderabteilung, der endlich mit über einer Stunde Verspätung bestiegen werden konnte, nur um letztlich doch als erster den Bahnhof Zoologischer Garten zu erreichen – so unsinnige Geschichten gibt es nur im Streckennetz der Bahn.

Während der Fahrt die üblichen, aber an diesem Samstag doch irgendwie besonders intensiven Momente: ein eskalierender Sambawagen, Fangetränke und gute Stimmung in allen Abteilen und spätestens als nach und nach auch der letzte Mitfahrer seine Eintrittskarte in der Hand halten durfte und der Zielbahnhof immer näher rückte, hatte die Fahrt schon etwas von der Atmosphäre, wie sie später im Olympiastadion herrschen sollte. Auch die letzten Berlin-Shirts der Fanabteilung wurden an den Mann gebracht und die dort angekündigten „50.000 Borussen in Berlin“ dürften locker getoppt worden sein.

Als der FA-Zug gegen 12.30 Uhr die Hauptstadt erreichte und die Mitfahrer in Richtung Gedächtniskirche entließ, die bereits zu diesem Zeitpunkt fest in schwarz-gelber Hand war, dürfte auch der letzte Zweifel am „Heimspiel in Berlin“ verflogen gewesen sein. Wie schon 2008 schien das Zentrum der Stadt generell fest in unserer Hand zu sein. Nur vereinzelt sah man rot-weiße Farben, Dortmund regierte auf den Straßen – und später auch im Stadion.

Bereits gegen 17 Uhr bildeten sich lange Schlangen vor dem Stadioneingang. Im Innenraum ergab sich dann später das erwartete Bild: Außerhalb der Bayern-Kurve im Osten wenig bis gar kein Rot, dafür stimmten beim ersten „Deutscher Meister, steh auf“-Gesang fast zwei Drittel des Stadions mit ein und fast die gesamte Haupt- und Gegentribüne erhoben sich von ihren Sitzen. Im Laufe des Spiels entwickelte sich dann immer wieder der bekannte „Borussia-Roar“, immer wieder stimmten alle mit ein und spätestens zur Halbzeit herrschte eine Atmosphäre, wie wohl nur wir Borussen sie erzeugen können – der absolute Wahnsinn!

Auch in der 300 Meter entfernten Waldbühne herrschte beim Rudelgucken mit 18.000 BVB-Fans eine ausgelassene Stimmung. Schon das lange Warten vor dem Eingang wurde durch Fangesänge verkürzt. Die freudige Erregung konnte sich dann schnell im begeisterten Torjubel entladen und spätestens beim zweiten Tor für den BVB lagen sich die Fans in den Armen. Viele BVB-Anhänger hatten sich gar nicht erst hingesetzt, sondern drängten sich dicht an dicht vor der Bühne. Auch von den anderen Fans blieb nach der Halbzeitpause niemand sitzen, sondern feierte lautstark mit. Die Atmosphäre in der Waldbühne stand ebenfalls der bei einem Heimspiel keineswegs nach.

Leider dauerte auch dieses Spiel nur 90 Minuten und auch die unglaublich emotionalen Jubelläufe unserer Jungs, begleitet vom frenetischen Applaus und Gesang unserer Kurve, fanden irgendwann ihr Ende. Nach und nach ging es zurück Richtung Bahnhof. Hatten wir 2008 noch für die Bayern-Fans in den Züge und Straßen gefeiert und uns über die emotionslose bayrische Art der Siegesfeier amüsiert, ging es 2012 lautstark gen Zoologischer Garten, wo die Party dann erst mal in die (Fast-Food-)Restaurants in der Umgebung verlagert wurde.

Nach über einer Stunde Wartezeit verließ dann der FA-Sonderzug, dieses Mal allerdings nach Plan, als letzter Dortmunder Zug die Hauptstadt. Die Szenen aus Samba- und Barwagen ersparen wir euch an dieser Stelle. Während der ein oder andere Borusse der Anstrengung des Tages nachgab und in einen zufriedenen Tiefschlaf versank, wurde dort die Pokalsieger-Nacht zum Tage gemacht und die Letzten wankten erst mit Ankunft im Dortmunder Hauptbahnhof aus der „Schlagerhölle“. Da hatte die gelbe Sonne bereits wieder den Dortmunder Himmel im Griff und über der Stadt lag der Dunst einer durchfeierten Nacht. Schöner kann eine Rückkehr nach 24 exzessiven Stunden gar nicht sein!

Unsere Jungs haben für unseren Verein Geschichte geschrieben. Wir haben durch unsere Stimmung, eine tolle Choreographie und leidenschaftliche Jubelarien ebenfalls Geschichte geschrieben. Borussia Dortmund hat Geschichte geschrieben!

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