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Mehr als nur eine Fußballspielstätte – 40 Jahre Westfalenstadion

Mehr als nur eine Fußballspielstätte – 40 Jahre Westfalenstadion

40 Jahre Westfalenstadion Dortmund. 40 Jahre Fußballtempel. 40 Jahre Heimat. Die Fanabteilung feiert und erinnert an das größte Fußballstadion der Republik, das für jeden BVB-Fan viel mehr ist als nur ein Stadion.

Der klassische Dortmunder Fan fährt gern über die B1. In Fahrtrichtung Innenstadt, kurz nach der Ausfahrt Dortmund-Barop, schaut er immer wieder nach rechts. Er weiß, dass dort sein Stadion steht. Er weiß auch, wie es aussieht. Doch es erfreut ihn jeden Tag aufs Neue, die gelben Gerüste und grauen Fassaden zu betrachten. In der Dunkelheit von Scheinwerfern angestrahlt, wirkt das Westfalenstadion wie eine riesige Krone, die majestätisch in den Dortmunder Nachthimmel ragt. Wahrscheinlich haben auch deswegen die Flutlichtspiele des BVB einen besonderen Reiz.

Selbst die englische Tageszeitung „The Times“ war dem Charme des Stadions vor knapp fünf Jahren erlegen, als sie das Westfalenstadion zum schönsten der Welt erklärte. Die Nähe zum Spielfeld, die euphorisierenden Fans der Südtribüne und eine angriffslustige Mannschaft sind die Kriterien, die nicht nur englischen Fußballliebhabern Freude bereiten. Es scheint, als ob diese Spielstätte den Glanz alter Fußballtage nicht verlieren wird. Denn anders als jede Multifunktionsarena, anders als die baulich ähnlichen Arenen auf alten Militärgeländen, bietet das Westfalenstadion die Möglichkeit, seine Vorstellung von Fußballtradition auszuleben, ohne auf Modernisierungen zu verzichten.

Der Beginn in der Zweitklassigkeit

Foto: Frank Jäkel

Foto: Frank Jäckel

Doch von diesem Stadion war im Jahre 1967 gar nichts zu sehen. Dieses war das Jahr, in dem die Stadt Dortmund sich als Austragungsort für die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 bewarb. Das Stadion Rote Erde, zu diesem Zeitpunkt Spielstätte von Borussia Dortmund, war stark sanierungsbedürftig. Statt für eine Sanierung entschied sich die Stadt aber kurze Zeit später für einen Stadionneubau, mit dem im Oktober 1971 begonnen wurde. Am 2. April 1974 war es endlich soweit: 50.000 Zuschauer kamen, um das Eröffnungsspiel zu sehen.

Der Gegner war unser ungeliebter Nachbar aus dem Pott, und an das Endergebnis soll hier lieber nicht erinnert werden. Fünf Tage später wurde das erste Punktspiel zwischen dem BVB und Bayer Uerdingen angepfiffen, welches 0:0 ausging. Das Ergebnis ist schon ein Hinweis darauf, wie es damals sportlich um den BVB stand. In der zweiten Bundesliga-Nord duellierte sich der BVB mit Teams wie dem OSC Solingen, Eintracht Gelsenkirchen und Rot-Weiß Lüdenscheid. „Der Stadionbau trug dazu bei, dass wir langsam Licht im Zweitligatunnel sahen“, erklärt Horst Bertram,  Torhüter beim BVB von 1971 bis 1983, in der Nachbetrachtung der Saison 1973/1974.

Das neue Westfalenstadion stand symbolisch für die Aufbruchsstimmung in Dortmund. Denn besonders die roten, rautenförmigen Flutlichtmasten blieben dem Großteil der Besucher im Gedächtnis. Man war sich einig, dass ein Verein mit solch einem Stadion in die erste Liga gehört. Zwar verpasste Schwarz-Gelb im Folgejahr den Aufstieg, schaffte es jedoch bis ins Halbfinale des DFB-Pokals. In der Saison 1975/76 gelang Borussia Dortmund endlich die ersehnte Rückkehr in Deutschlands höchste Spielklasse. „Zuerst kamen die Leute, um das Stadion zu sehen, was uns mitriss. Und später kamen die Leute wieder, um uns zu sehen!“, sagt Bertram.

Das Stadion für Weltmeisterschaften

Trotz der sportlichen Zweitklassigkeit des BVB konnte im Eröffnungsjahr erstklassiger, nein, sogar weltmeisterlicher Fußball im Westfalenstadion bestaunt werden. Während der Weltmeisterschaft 1974 fanden insgesamt vier WM-Spiele in Dortmund statt. Die Mannschaften aus Schottland, Zaire, Schweden und Bulgarien waren zu Gast und ließen das Dortmunder Publikum internationale Luft schnuppern. Besonders die Begegnung der zweiten Finalrunde – 1974 gab es noch einen anderen Turniermodus – zwischen dem späteren Vizeweltmeister Niederlande und dem amtierenden Weltmeister aus Brasilien, blieb vielen Zuschauern als spektakuläres Spiel in Erinnerung. Hennes Weisweiler schrieb zu diesem Spiel in seinen Rückblick zur WM 1974: „Holland ließ dem Weltmeister und dreimaligen Rimet-Pokalgewinner Brasilien keine Chance und gewann in einer alles hinwegfegenden Offensive mit 2:0. Es war Fußball hoch drei: Fußball mit Tempo, Technik und Temperament. Kalt gespielt von Holländern mit heißen Herzen.“[1]

Auch bei der nächsten Weltmeisterschaft in Deutschland, im Jahre 2006, war das Westfalenstadion ein WM-Austragungsort für sechs Spiele, und wieder befanden sich fußballerische Leckerbissen darunter. Gerade das zweite Vorrundenspiel des deutschen Teams gegen die polnische Mannschaft wurde als das Spiel betrachtet, in dem den Fans der Schulterschluss mit der DFB-Elf gelang. 90 Minuten kämpfte die diese gegen die tapfer verteidigenden Polen an, bis ausgerechnet der damalige BVB-Spieler David Odonkor in der Nachspielzeit auf der rechten Seite zu einem seiner unnachahmlichen Sprints ansetzte und den Ball scharf in die Mitte spielte, wo Oliver Neuville aus kurzer Distanz den polnischen Keeper überwand und das Spiel für seine Mannen entschied.  Doch das Drama zog nur kurze Zeit später im Westfalenstadion ein. Deutschland verlor das Semifinale gegen Italien nach aufopferungsvollem Kampf mit 0:2 in der Verlängerung.

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