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Ein Europapokalabend geht in die Geschichte ein

Eintrittskarte BenficaWenn die Fans von Borussia Dortmund an das Jahr 1963 zurückdenken, fallen ihnen wohl zu Beginn zwei verschiedene Dinge ein. Zum Einen der Gewinn der Deutschen Meisterschaft, zum Anderen das berühmte Tor von Timo Konietzka, welches den Torreigen der neu eingeführten Bundesliga eröffnete. Doch in diesem Kalenderjahr 1963 lieferte der BVB eines der beeindruckensten Spiele seiner Vereinsgeschichte ab.

Nach einer 1:2 Niederlage im Hinspiel schlug der BVB im Achtelfinale der Landesmeister das Weltklasse-Team von Befinca Lissabon mit sage und schreibe 5:0 und marschierte so in die nächste Runde.

Bankettkarte
Nachdem Borussia Dortmund im Juni 1963 in Stuttgart den 1.FC Köln im Finale um die Deutsche Meisterschaft mit 3:1 bezwingen konnte (Tore: Kurrat, Wosab, Schmidt), sicherte man sich automatisch die Teilnahme am Europapokal der Landesmeister in der kommenden Saison. In der ersten Runde schlug das Team von Trainer Hermann Eppenhoff Lym Oslo mit 4:2 und 3:1. Im Achtelfinale des Wettbewerbs wartete mit Benfica Lissabon die wohl stärkste Mannschaft des europäischen Kontinents auf den Deutschen Meister.

Benfica, das sich souverän den Meistertitel in Portugal sichern konnte, schaltete seinerseits Distillery Belfast aus Nordirland aus und spielte zuerst zuhause gegen den BVB. Im Estadio da Luz waren die Hausherren deutlich überlegen und wandelten Reinhold Wosabs Führungstor zum 1:0 noch in einen verdienten 2:1 Sieg um. “Ohne Hans Tilkowski im Tor wären wir dort deklassiert worden“, sagte Wosab einige Jahre später.

Alles auf Angriff – Borussia mobilisiert alle Kräfte für das Rückspiel

Das Rückspiel fand dann am 4. Dezember 1963 vor heimischer Kulisse in der Kampfbahn Rote Erde statt und sollte für ewig in die Geschichte eingehen. Nicht nur auf Grund des Hinspiel-Ergebnisses waren die Portugiesen der klare Favorit. Immerhin holte Benfica 1961 und 1962 den Europapokal der Landesmeister und stand auch im darauf folgenden Jahr im Finale. Nach dem Sieg über Real Madrid 1961 in Amsterdam sah sich Benfica als beste Mannschaft Europas.

BVB-Trainer Hermann Eppenhoff setzte trotzdem auf die volle Offensive. Mit Reinhold Wosab, Aki Schmidt, Timo Konietzka, Franz Brungs und Lothar Emmerich standen gleich fünf gelernte Stürmer auf dem Spielfeld. Mehr Power ging nun wirklich nicht. „Angriff – das war unser Rezept“, erklärte Franz Brungs, der an diesem Abend eine Hauptrolle einnehmen sollte. Vor dem Anpfiff teilte Aki Schmidt der Mannschaft mit, dass der eigene Präsident von einer Niederlage der Westfalen überzeugt sei – Motivation genug also für die elf Kämpfer vor 42.000 Zuschauern in der Roten Erde.


Hinein ins Spiel: Wosab und Emmerich gaben in der Anfangsphase des Achtelfinal-Rückspiels die ersten Warnschüsse ab. Es sollte aber bis zur 33. Minute dauern, ehe Timo Konietzka mit einem Kopfballtor auf fünf Metern die Führung für die Heimischen erzielen konnte. Nur eine Minute später vollendete Franz Brungs eine wunderschöne Kombination durch das Mittelfeld zum 2:0. Wieder nur zwei Zeitumdrehungen später glänzte erneut Brungs mit einer tollen Aktion: Ähnlich wie Robert Lewandowski behauptete und verarbeitete er einen langen Ball mit dem Rücken zum Tor, wurde danach von Lothar Emmerich angespielt, ließ zwei Abwehrspieler stehen und schoss den Ball hinein zum 3:0.

Innerhalb von nur vier Minuten entzauberte eine leidenschaftlich spielende Borussia das teure, aber chancenlose Team von Benfica Lissabon. Die Kampfbahn Rote Erde glich nach dem dritten Tor einem absoluten Tollhaus, von allen Seiten liefen Fotografen auf das Spielfeld, auch die Zuschauer tobten auf den Rängen.

Wer hätte vor dem Spiel vermutet, dass Benfica-Keeper Rita in der ersten Halbzeit schon drei Mal hinter sich greifen muss. Ernst Huberty, der das Spiel als Fernsehkommentator für den WDR live sah, sagte nach dem 3:0: „Ehrlich, ist das nicht verdient?“. Mit diesem Ergebnis ging es auch in die Pause

Benfica bleibt auch nach der Halbzeit ohne Chance

Auch im zweiten Durchgang gab die Borussia klar den Ton an. Das Publikum applaudierte ständig, die Spieler warfen sich in jeden Ball, kämpften bis ans Limit und wurden dafür weiterhin mit Toren belohnt. Wieder war es Franz Brungs, der im Anschluss an einen Eckstoß den Ball aus kurzer Distanz ins Netz beförderte – sein drittes Tor an diesem Abend.

Jahrhundertspiel
In der 59. Minute dann der große Moment des Reinhold Wosab: Der BVB-Stürmer vernaschte zwei Abwehrspieler in Strafraum der Portugiesen und schoss den Ball nach der exzellenten Einzelleistung hinein ins kurze Eck zum 5:0. Benfica-Torwart Rita sah wieder nicht wirklich glücklich aus.

Im Anschlus an den fünften Treffer ließ es die Eppenhoff-Elf etwas ruhiger angehen. Obwohl es noch weitere, gute Einschussmöglichkeiten gab, verpasste es der BVB, das Ergebnis noch höher zu schrauben. „Zwei, drei, Tore wären sogar noch drin gewesen“, bemerkte Franz Brungs schmunzelnd. Doch so sehr die Offensive von Borussia Dortmund in diesem Spiel auch brillierte, das Team konnte sich über die vollen 90 Minuten auf ihr Abwehrbollwerk verlassen. Die Defensivabteilung um Burgsmüller, Redder, Kurrat und Geißler ließ jegliche Bemühungen der Lissaboner im Keim ersticken. Auch mit Stürmerstar Eusébio, der an diesem Abend nur Zaungast in Dortmund war, wäre Benfica in der Offensive chancenlos gewesen. Schon seit Jahren wurde das portugiesische Team von Trainer Lajos Czeisler nicht mehr so vorgeführt.

Nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Mc Cabe aus England spielten sich herrliche Szenen in der Roten Erde ab. Von allen Seiten des Stadions strömten die Fans auf den Platz und feierten gemeinsam mit der Mannschaft den grandiosen Sieg und natürlich auch den Einzug in die nächste Runde. Momente, die man heute nur noch beim Gewinn der Deutschen Meisterschaft sieht, Momente, die für immer in Erinnerung bleiben.

Im weiteren Turnierverlauf konnte sich der BVB im Viertelfinale gegen Dukla Prag durchsetzen (4:0 und 1:3). Erst im Halbfinale scheiterte die Elf aus dem Ruhrpott an Inter Mailand. Kuriose Schiedsrichterentscheidungen ließen die Gemüter sowohl im Hinspiel (2:2) als auch im Rückspiel im San Siro (0:2) hochkochen.

Doch auch wenn der Siegestraum der Borussia in der Europapokal-Saison 1963/1964 im Halbfinale platzte, bleibt der Sieg über Benfica in allen Geschichtsbüchern verankert. Die leidenschaftlich kämpfenden Jungs setzten mit dem 5:0 Sieg im Dezember 1963 einen Meilenstein in der 103-jährigen Vereinshistorie.

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