• english
  • polski
  • tuerkce
  • espanol
  • nippongo
  • hindi
  • thai
Du bist hier: Startseite » Archiv » IG Unsere Kurve sieht im „Maßnahmen-Paket der DFL“ eine Mogelpackung

IG Unsere Kurve sieht im „Maßnahmen-Paket der DFL“ eine Mogelpackung

„Die runden Tische der DFL sind nicht rund – es fehlen die Fans“ Mit Erstaunen und Verärgerung nahm das bundesweite Fanbündnis „Unsere Kurve“ die Pressemitteilung 22/2010 der Deutschen Fußball Liga (DFL) zur Kenntnis, wonach diese nunmehr ein sog. „Maßnahmen-Paket für Sicherheit im Fußball“ verabschiedet habe, das an diesem Freitag (23. April) vorgestellt werden soll. Die Interessengemeinschaft „Unsere Kurve“ ist ein bundesweiter Zusammenschluss von verschiedenen Vereins-Fanabteilungen bzw. Supporter Clubs und diversen in die jeweilige Fanarbeit der Vereine integrierten Fanorganisationen. Die IG Unsere Kurve vertritt rund 200.000 organisierte Fans bzw. Mitglieder von Vereinen der ersten bis dritten Liga und stellt damit die größte vereinsübergreifende Interessenvertretung dar. Die IG Unsere Kurve hatte Anfang 2007 dem DFB ein sog. „Positionspapier Stadionverbote“ überreicht und damit die spätere Reform der Stadionverbotsrichtlinien initiiert. Bei der Abstimmung der DFL über den Antrag von Hannover 96 auf Abschaffung der sog. 50+1-Regel hatte die IG Unsere Kurve mehr als 100.000 Unterschriften übergeben, die sie innerhalb kürzester Zeit in den Stadien für den Erhalt dieser Bestimmung gesammelt hatte. Dank der DFL-Pressemitteilung durften die Fans jetzt aus den Medien erfahren, dass sie angeblich im Dialog mit Verbänden und Polizei stünden. Verwundert reiben wir uns die Augen, wenn die DFL von einer „Verbesserung der Kommunikationswege zwischen allen beteiligten Parteien“ redet oder einen angeblichen „kontinuierlichen Dialog aller Beteiligten – vor allem von Fans und Polizei – unter Moderation der Liga“ fortsetzen will. Verärgert nehmen wir zur Kenntnis, dass die DFL durch eine wahllose Aneinanderreihung von Begriffen wie „Expertengespräche“, „Runder Tisch“ und „präventive Fanarbeit“ suggeriert, dass man nicht nur über, sondern auch mit Fans und Fanvertretungen spräche. Fakt ist aber: Es gibt seit Jahren keinen Dialog mit Fans. Es hat seit dem ersten und bislang einzigen bundesweiten Fankongress im Sommer 2007 in Leipzig keine einzige Veranstaltung mehr gegeben, an der DFL und/oder Polizei gemeinsam mit Fans über Sicherheitsfragen diskutiert oder gar Konzepte erörtert hätten (und auch die in Leipzig vereinbarten gelegentlichen Folgetreffen auf Arbeitsebene haben sich insoweit als völlig unergiebig erwiesen). Es hat hierzu noch nie einen Runden Tisch gegeben, und bis zum heutigen Tag liegen uns keine Einladungen zu irgendwelchen runden Tischen, Expertengesprächen oder ähnlichem vor. Im Gegenteil, alle Bemühungen von „Unsere Kurve“, zu diversen Themen (z.B. die versprochene Auswertung der praktischen Erfahrungen mit den vor zwei Jahren geänderten Stadionverbots-Richtlinien, aber auch zu anderen Themen wie der Spieltagsansetzungen usw.) ins Gespräch zu kommen, verlaufen seit Jahren ergebnislos. Mathias Scheurer, Sprecher des Fanbündnisses Unsere Kurve: „Die DFL verkauft eine Mogelpackung, ihre ‚runden Tische’ sind nicht rund – es fehlen die Betroffenen, die Fans. Öffentlich bekennt man sich zwar zur Bedeutung eines konstruktiven Dialogs mit den Fans, tatsächlich aber entzieht man sich entweder den Gesprächen oder hält unverbindliche Alibi-Veranstaltungen ohne konkrete Ergebnisse ab. Dies wird dann als „ergebnisoffener Dialog“ bezeichnet. Ergebnislos wäre treffender.“ Die IG Unsere Kurve fordert die Verbände (DFB und DFL) auf, einen Dialog mit Fans und Fangruppen nicht nur zu predigen, sondern auch tatsächlich zu führen. Wir stimmen mit Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball überein, dass komplexe Fragestellungen keine einfachen Antworten nach sich ziehen können. Die derzeitigen Antworten des Fußballs sind aber denkbar einfach. Um den populistischen Forderungen einiger Polizeigewerkschaftsführer nach einer finanziellen Beteiligung der Vereine an den Kosten der Polizeieinsätze in der Öffentlichkeit wenigstens irgendetwas entgegenzusetzen, wird einfach mal an der Repressionsschraube gedreht: Geisterspiele, Wegfall der Stehplätze, Kürzung der Auswärtskontingente, personalisierte Tickets, noch härtere Vergabepraxis von Stadionverboten, ja sogar Nacktscanner vor Fußballstadien: kein Vorschlag ist absurd genug, um nicht irgendwann unterbreitet zu werden. Dies alles wird die Probleme eher verschärfen, schon die Diskussion darum ist schädlich. Das alles schwächt die Position von Vereinen, die sich dem Dialog mit ihren Anhängern stellen und dann den Vorwurf hören, ihre treuen Fans nicht hinreichend vor „Willkür“ zu schützen. Es schwächt die besonnenen Fans, weil es zu einer Radikalisierung der Fanszenen beiträgt und die dort weit verbreitete Meinung stützt, die gegenwärtige Sanktionswut sei nur Mittel, die aktiven Fußballfans aus dem Stadion zu drängen und ein Eventpublikum zu installieren. Dies alles führt zu einer Solidarisierung gegen die Verbände, gegen die Sicherheitsorgane, gegen die Polizei. Wenn sich auf der einen Seite – nämlich der Sicherheitsverantwortlichen – die Hardliner durchsetzen, dann wird auch auf der anderen Seite – den Fans – Besonnenheit nicht die Oberhand behalten. Um nachhaltig eine Verbesserung des Verhältnisses der Fans zu Vereinen und Sicherheitsorganen zu erreichen, bedarf es einer kohärenten Fan-Strategie, die nicht nur Sanktionen vorsieht, sondern auch Anreize. Fußballfans brauchen Freiräume und nicht nur Begrenzungen. Solche Anreize könnten z.B. echte Mitwirkungsmöglichkeiten von unabhängigen Fanvertretern auf allen Ebenen sein. Die Vereine brauchen größere Spielräume, um individuelle Absprachen mit ihren Fangruppen treffen zu können (auch ein kontrolliertes Abbrennen ungefährlicher Pyrotechnik in gesperrten Stadionbereichen darf kein Denktabu sein). Die IG Unsere Kurve stünde nach wie vor für jenen Dialog bereit, den die DFL bereits zu führen vorgibt. Es liegt nun allerdings an den Verbänden, ob sie den blumigen Worten nun endlich auch einmal Taten folgen lassen wollen. Frankfurt am Main, den 21. April 2010 Interessensgemeinschaft „Unsere Kurve“ – Weitere Informationen: www.unserekurve.de, info@unserekurve.de – Ansprechpartner und Sprecher der IG Unsere Kurve: Mathias Scheurer, Tel. 069 – 380 975 945, Andreas Birnmeyer, 040 – 41 55 15 19 (auf Nachfrage vermitteln wir gerne auch weitere Ansprechpartner aus den Fanorganisationen)

Scroll To Top