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Hans Tilkowski wird 80: Der Mensch, der Sportler, der engagierte Zeitgenosse

Hans Tilkowski wird 80: Der Mensch, der Sportler, der engagierte Zeitgenosse

Zwischen dem Borsigplatz, der legendären Geburtststätte des BVB, und dem schönsten Stadion der Welt gibt es einen „Walk of Fame“, einen gern besuchten „Sternenweg“ der wichtigsten Ereignisse und Persönlichkeiten aus der Geschichte von Borussia Dortmund. Es kann nicht verwundern, dass einer der Sterne dem Mann gewidmet ist, der als der beste Torhüter in der gesamten BVB-Historie gilt: Hans Tilkowski, der am Sonntag, dem 12. Juli 2015, sein 80. Lebensjahr vollenden wird.

Hans TilkowskiDer attraktive „schwarze Hans“, wie er wegen seines dunkel gehaltenen sportlichen Outfits gern von seinen Fans genannt wurde, hatte immer viel Ähnlichkeit mit dem Hollywood-Star Paul Newman, mit dem er bei einem Besuch in den USA sogar mehrfach verwechselt wurde.

Hans Tilkowski erblickte am 12. Juli 1935 im Dortmunder Vorort Husen das Licht der Welt. Nur einen Steinwurf von seiner elterlichen Wohnung in der Westicker Straße entfernt befindet sich in Kaiserau die Sportschule des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen, die dem genialen Keeper mit dem Hans-Tilkowski-Haus ein bleibendes Denkmal gesetzt hat. Übrigens ähnlich wie seine heutige Heimatstadt Herne, die nach ihm eine Schule benannte.

Der Bergmannssohn Hans Tilkowski stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Als Spross von Johann und Martha Tilkowski wuchs er gemeinsam mit den Schwestern Brunhilde und Renate im Dunstkreis der Bahnlinie von Kamen nach Dortmund auf. An seine Kindheit erinnert er sich trotz der bescheidenen Lebensumstände heute noch dankbar und gern. Nach dem Besuch der Volksschule und den Wirren des 2.Weltkriegs absolvierte der junge Hans ab 1950 eine Lehre als Stahlbauschlosser. 1959 heiratete er seine große Lebensliebe Luise, mit der er die Kinder Ralf, Uwe und Susanne bekam.

Der Sportler:
Schon 1946 trat Hans Tilkowski dem SV Husen bei und tummelte sich zunächst als Stürmer auf dem rechten Flügel. Einer seiner Mitspieler hörte auf den später ebenfalls klangvollen Namen Adi Preißler. Dann fehlte eines Tages der Torwart, Tilkowski vertrat ihn, und von Stund an hatte er einen neuen Stammplatz gefunden. Auf sein gutes Auge und seine exzellenten Reflexe konnte er sich auch als junger Boxeleve beim „Boxring Kaiserau“ verlassen. 1949 folgte der Wechsel zum SuS Kaiserau, wo seine eigentliche Karriere als Torhüter begann. Der begabte junge Mann wurde in die Westfalenauswahl berufen und profitierte von den Lehrgängen des Fußballverbandes in der neuen Sportschule in Kaiserau, die schon damals eine wichtige Talentschmiede war. Es folgten Einladungen des Westdeutschen Fußball-Verbandes in Duisburg mit Schulungen unter Dettmar Cramer, der Tilkowski weiter formte und prägte.

Bald schon wurde die Oberliga auf den stellungssicheren Nachwuchsmann aufmerksam. Schalke hätte sein erster Club als Vertragsspieler werden können, wenn dort nicht Manfred Orzessek bereits die Nr. 1 im Tor gewesen wäre. Also führte ihn sein Weg zu Westfalia Herne. Im ersten Jahr bei der Westfalia kam der charismatische Neuling, der bevorzugt ganz in schwarz spielte, bereits auf 26 Einsätze. Zu seinen Mannschaftskameraden gehörten Cracks wie Alfred Pyka, Helmut Benthaus und Gerd Cyliax. Sepp Herberger vermerkte Tilkowski in seinem berühmten Notizbuch. Testspiele im DFB-Trikot folgten, Einsätze in der B-Nationamannschaft und Anfang April 1957 sein Nationalmannschaftsdebut in Amsterdam gegen die Niederlande.
Tilkowskis herausragende Leistungen waren die Grundlage dafür, dass Herne 1959 Westdeutscher Meister wurde und an den Spielen um die „Deutsche“ teilnahm. Letzteres gelang auch in den beiden folgenden Jahren.

BVB - Inter 1963Eine der großen Enttäuschungen brachte die Fußball-WM in Chile. Sepp Herberger entschied sich nicht für seine bisherige Nr. 1, sondern stellte den Ulmer Wolfgang Fahrian ins WM-Tor. Der Erfolg war, wie man weiß, bescheiden. Tilkowski seinerseits war sauer und soll sogar seine Enttäuschung am Mobiliar seiner WM-Unterkunft ausgelassen haben. Mit Herberger gab es einen Bruch, der erst zwei Jahre später – 1964 – wieder gekittet wurde.
Als die Fußball-Bundesliga 1963 eingeführt wurde, gehörte Herne allerdings nicht zu den auserwählten Vereinen der großen „16“. Deshalb wechselte Tilkowski zu Borussia Dortmund und bestritt einen furiosen Konkurrenzkampf mit dem bisherigen Stammtorwart Bernhard Wessel, den der Mann aus Husen letztlich zu seinen Gunsten entschied.

Es folgten die legendären beiden Spiele gegen den Europapokalsieger Benfica Lissabon. Das Hinspiel verloren die Borussen mit 1:2. Hans Tilkowski avancierte mit seinen tollkühnen Robinsonaden zum „Helden von Lissabon“. Mit dem 5:0-Rückspielsieg in Dortmund wurde ein Fußballwunder mit ungebrochener Ausstrahlung geschaffen, das noch heute als unzerstörbare Legende taufrisch wirkt.
1965 wurde der BVB mit seinem mittlerweile international renommierten Torwart, der in diesem Jahr als erster Keeper überhaupt sogar Deutschlands Fußballer des Jahres wurde, DFB-Pokalsieger. Das war die Grundlage für die Teilnahme am Europacup der Pokalsieger im Jahr danach, den Borussia Dortmund als erste deutsche Mannschaft mit Hans Tilkowski im Tor am 5. Mai 1966 in Glasgow gegen den FC Liverpool mit 2:1 gewann.
Folgerichtig nahm Sepp Herberger vier Borussen – Hans Tilkowski, mit dem er sich wieder versöhnt hatte, Wolfgang Paul, Lothar Emmerich und Siggi Held mit zur WM nach England. Hier wurde Hans Tilkowski zum Weltstar, der als Meister des Stellungsspiels in einem Atemzug mit Lew Jaschin (UdSSR) und Gordon Banks (England) genannt wurde.

Im WM-Endspiel gegen Gastgeber England fiel dann das „Tor“, über das die Fußballwelt seit fast 50 Jahren erbittert diskutiert. Gemeint ist das angebliche 3:2 für England von Geoff Hurst, von dem man heute weiß, dass es irregulär erzielt wurde, weil der Ball noch vor der Torlinie aufschlug. Da der „Til“ auf diese Situation bereits Zig-Tausende Male angesprochen wurde, heißen seine Memoiren auch folgerichtig „Und ewig fällt das Wembley-Tor“. Durch diesen Nicht-Treffer wurde der Mann aus Dortmund-Husen einer der berühmtesten Torhüter der FIFA-Historie. Seine Zeit im DFB-Dress endete 1967 in Dortmund mit dem EM-Qualifikationsspiel gegen Albanien. Mit 39 Länderspielen auf dem Buckel war er damals auch Rekord-Nationaltorwart des DFB.
Nach seiner aktiven Zeit, die in Frankfurt endete, wurde Tilkowski Trainer. Das Trainerdiplom an der Sporthochschule in Köln bestand er mit der Note „sehr gut“. Zu den von ihm betreuten Vereinen gehörten der TSV München 1860, der 1. FC Nürnberg, mit dem er 1976 nur knapp am Bundesliga-Aufstieg (gegen den BVB) scheiterte, Werder Bremen, Saarbrücken und AEK Athen.

Der engagierte Zeitgenosse:
Schon in seiner aktiven Zeit als Fußballer schaute Hans Tilkowski gern über den sozialen Tellerrand hinaus. Seinen persönlichen sportlichen und gesellschaftlichen Erfolg sah er nie als selbstverständlich an. Deshalb entschied er sich schon früh, etwas an jene in unserer Gesellschaft zurückzugeben, die sich in persönlichen Nöten befanden und befinden. So spielte er fast ein Jahrzehnt in der Uwe-Seeler- Elf für wohltätige Zwecke. Danach begann er, eigene soziale und karitative Aktionen zu organisieren. Zu den herausragenden Benefiz-Initiativen gehörte 1989 das Spiel einer Ruhrgebiets-Auswahl gegen eine Weltelf. Der damalige Geschäftsführer der Westfalenhallen Hermann Heinemann stellte sich gemeinsam mit ihm in den Dienst der guten Sache. 300.000 DM kamen im Stadion „Rote Erde“ für UNICEF zusammen. Hilfsaktionen für leukämie- und tumorkranke Kinder folgten, Hans Tilkowski wurde Ehrenbotschafter der Organisation „Friedensdort International“. Und, und, und….

Auch „kleinteilig“ ist er immer bereit zu helfen. Die langjährige Ratsfrau Rosi Liedschulte aus Dortmund: „Wenn ich Hans Tilkowski bat, zu unserer „MS-Weihnachtsfeier“ ins Rathaus zu kommen, war er immer zur Stelle. Sehr zur Freude unserer MS-Kranken, die ja fast alle BVB-Fans waren und sind!“
Da kann es nicht verwundern, dass der „schwarze Hans“ für sein vorbildliches Engagement auch mehrfach offiziell ausgezeichnet wurde. Hier seien nur das Bundesverdienstkreuz am Bande, der Verdienstorden des Landes NRW und das Bundesverdienstkreuz erster Klasse erwähnt.

Wir verneigen uns und sagen: „Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag, Hans Tilkowski!“

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