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Gedenkstättenfahrt nach Lublin – Tag 4

Gedenkstättenfahrt nach Lublin – Tag 4

IMG_8894Heute treffen wir uns im Konferenzraum des Hotels zu einem Workshop. In diesem erarbeiten wir einzelne Täterbiografien und analysieren die Aussagen einiger deutscher Zeitzeugen aus der Nachkriegszeit. Unter anderem betrachten wir historische Quellen der Vernichtung, vor allem Akten des SS- und Polizeiführers im Distrikt Lublin, Odilo Globocnik. Bei der Lektüre einiger seiner Aussagen fällt uns die kalte und neutrale Beamtensprache Globocniks auf.Er verklausulierte den tausendfachen Massenmord als bürokratisch durchorganisierte Aufgabe. Seine Auflistungen von gestohlenen Wertgegenständen und Opfern verdeutlichen uns seine pure Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Opfer. Außerdem sehen wir ein Filminterview mit einem ehemaligen Mitarbeiter der Deutschen Reichsbahn, dem Chef des „Fahrplanwesens“ von Krakau. Es führt uns beispielhaft vor Augen, dass Täterinnen und Täter noch lange Zeit nach der Shoah ihr Wissen über die konkreten Ausmaße der Vernichtung geleugnet haben. Viele kennen diesen Umgang mit der Geschichte aus dem persönlichen Umfeld.

Wir verlassen im Anschluss das Hotel in Richtung eines nahegelegenen jüdischen Friedhofs, welcher durch die Nazis geschändet wurde. An diesem Ort wird uns klar, dass die Täterinnen und Täter der Shoah nicht nur ihre bürokratische Pflicht erfüllten, sondern zugleich ihre jüdischen Opfer demütigen wollten. Es gab viele, die von der Richtigkeit ihrer Taten überzeugt waren.

Am Nachmittag verknüpfen wir die Informationen des Vormittags mit den historischen Orten in der Stadt, die mit den deutschen Täterrinnen und Tätern in Verbindung stehen. Hier erkundigen wir zunächst das damalige „Deutsche Viertel“, in dem sich heute noch die Villa des bereits erwähnten Odilo Globocnik befindet. Neben ehemaligen Verwaltungsgebäuden befand sich hier auch ein von den Deutschen errichtetes Vergnügungsviertel, das unter anderem eine Kegelbahn beherbergte. Insgesamt plante die nationalsozialistische Führung, hier etwa 40.000 „Volksdeutsche“ anzusiedeln.

IMG_8941Unser Weg führt uns zum ehemaligen Ghetto. Auf dem jüdischen Marktplatz vermissen wir das hier zunächst aufgestellte Ghetto-Mahnmal. Dieses wurde nach dem Verkauf des Grundstücks an eine Stelle versetzt, die sich außerhalb des ehemaligen Ghettogeländes befindet und nur relativ schwer aufzufinden ist. Stattdessen soll hier nun ein Einkaufszentrum entstehen. Erneut wird uns die oftmals herrschende Gleichgültigkeit gegenüber der dunklen Vergangenheit der Orte, die wir besuchen, bewusst. Morgen steht uns wieder ein intensiver Tag mit einer Führung durch das ehemalige Vernichtungslager in Sobibor bevor.

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