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Flagge gezeigt gegen Diskriminierung und Rassismus

Flagge gezeigt gegen Diskriminierung und Rassismus

Der Karfreitag ist in Dortmund ein Tag des Gedenkens an die Opfer rechter Gewalt. 1945 wurden in der Bittermark im Süden der Stadt 300 Menschen ermordet, ihre Leichen versuchten die Nationalsozialisten in Bombenkratern verschwinden zu lassen.

Zu den damals Ermordeten zählt auch Heinrich Czerkus. Der ehemalige Platzwart des BVB ist neben Franz Hippler und Fritz Weller einer der drei Widerstandskämpfer aus den Reihen der Borussia. Seinen Namen trägt der BVB-Fanclub Heinrich Czerkus, der den gleichnamigen Heinrich-Czerkus-Lauf zu Ehren des bekanntesten schwarz-gelben Widerstandskämpfers in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal zusammen mit den Naturfreunden Kreuzviertel, dem Fanprojekt und dem BVB organisiert. Der Lauf ist kein Gedenken in stiller Trauer, sondern ein lebendiges Zeichen, dass braunes Gedankengut im schwarz-gelben Fanherz keinen Platz hat.

dsc_0067Vor dem Czerkus-Lauf wartete im Borusseum in diesem Jahr die Eröffnung der Ausstellung „Tatort Stadion 2“, die die Faninitiative „ballspiel.vereint!“ nach Dortmund holte. Die Ausstellung thematisiert Diskriminierung verschiedenster Art beim Fußball und informiert über Faninitiativen, die dagegen ankämpfen. Noch bis zum 27. April ist „Tatort Stadion 2“ im Borusseum zu sehen.

Obwohl schlechtes Wetter vorhergesagt war, verzogen sich die Regenschauer pünktlich zum Start des Laufs. So konnten die fast 700 Wanderer sowie später die Jogger und Radler die sieben Kilometer von der Roten Erde bis in die Bittermark bei schönstem Wetter bestreiten. Auf dem Weg, der jedes Jahr durch den Rombergpark und am Tierpark vorbei führt, kommen die Teilnehmer immer wieder an Streckenposten in gelben Warnwesten vorbei: Das Helferteam der BVB | Fan- und Förderabteilung unterstützte den Lauf wieder einmal an allen Stellen, an denen Autos oder viele andere Fußgänger die Strecke kreuzten.

Angekommen am Mahnmal in der Bittermark wartete bereits das Team des Fanprojekts mit Getränken, Müsliriegeln und Urkunden auf die Teilnehmer des Laufs. Bei der anschließenden Gedenkfeier sprach der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau mahnende Worte: „Was hier in der Bittermark passiert ist, dürfen wir nie vergessen.“ Motivation genug für viele BVB-Fans, den Heinrich-Czerkus-Lauf zur Tradition am Karfreitag zu machen.

dsc_0094Die Gedenkfeier in der Bittermark erinnert mittlerweile nicht nur an die Opfer der grauenhaften Morde 1945, gleichzeitig werden aktuelle rechtsradikale Problematiken in Dortmund thematisiert. Vor einem Jahr hielt Gamze Kubaşık, deren Vater vom NSU ermordet wurde, eine emotionale Rede. In diesem Jahr erzählte Lars Ricken, der von 1993 bis 2007 als Profi in Schwarz-gelb auflief und heute als Jugendkoordinator beim BVB arbeitet, im Interview von seinen Erfahrungen mit Rechtsradikalismus und den Bemühungen des Vereins gegen rechts. Rickens ehemalige Rückennummer 18, die auf die 18 BVB-Gründer zurückgeht, steht in der rechten Szene für die Initialen Adolf Hitlers. Das A ist der erste Buchstabe im Alphabet, das H der achte. „Rechtsradikale dachten, ich sympathisiere mit ihnen“, berichtete Ricken und ergänzte: „Dass Dortmunder Vororte zum Teil als Hochburgen Rechter gelten, macht mich traurig.“

dsc_0105Neben dem Blick in die Vergangenheit schaute Ricken vielmehr auf den Czerkus-Lauf, bei dem er selbst mitgelaufen war, und in die Zukunft. Die vielen Teilnehmer in Schwarz-gelb und die Stimmung beim Lauf machten ihn stolz: „Diese Leute sind das Versprechen, dass wir nicht vergessen.“ Zudem erzählte der Held des Champions-League-Finals 1997 von der Arbeit des BVB gegen rechts. Erst eine Woche zuvor hat eine Gruppe von BVB-Fans die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers in Dachau besucht, zwei weitere Gedenkstättenfahrten werden im Sommer stattfinden, im Stadion sind Flyer zur Aufklärung über rechte Symbole verteilt worden, im Juli nehmen Fans an der Mondiali Antirazzisti, einem antirassistischen Fußballturnier in Italien, teil. Außerdem werden durch die BVB-Stiftung „leuchte auf“ verschiedene antirassistische Projekte gefördert. Für die Zukunft versprach er: „Der BVB ist sich seiner gesellschaftlichen Rolle bewusst, wir werden noch viel mehr machen.“

Mehr Fotos vom 10. Heinrich-Czerkus-Lauf

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