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Interview mit Reinhard Beck und Olaf Suplicki: Teil II – Die Anfangszeit der BVB | Fan- und Förderabteilung

Interview mit Reinhard Beck und Olaf Suplicki: Teil II – Die Anfangszeit der BVB | Fan- und Förderabteilung

Im zweiten Teil des Interviews mit Reinhard Beck und Olaf Suplicki erzählen die beiden, was für Auseinandersetzungen sie im ersten Jahr als Vorstandsmitglieder der BVB | Fan- und Förderabteilung (FA) erlebt haben und warum Olaf Suplickis Frau entscheidenden Anteil daran hat, dass es die FA noch gibt.

BVB | Fan- und Förderabteilung: Wie reagierte damals die Vereinsseite auf die Gründung der FA und Eure Forderungen?

Reinhard Beck: Es gab anfänglich viele Personen im Verein, die uns mit Skepsis begegneten. Damals gab es auch Kritiker im Verein, die sagten: „Lasst die nicht zu groß werden!“ Uns hat gestört, dass es eine solche Meinung im Verein gab, das wir Leute absägen oder irgendwelche Posten haben wollen. Das war natürlich völliger Blödsinn!

20141115_10_Jahre_Fanabteilung_JHS_061Wie habt Ihr diese Vorurteile und diese Angst abbauen können?

Olaf Suplicki: Das ist im Laufe der Jahre passiert. Schon früh haben wir gemerkt, dass wir als FA unsere Kritiker von unserer Arbeit überzeugen müssen. Einer unserer ersten Besuche war beim Ältestenrat. Wir sind dahin gefahren und haben gesagt: „Wir haben gehört, dass Ihr Schwierigkeiten mit unser Außendarstellung hab. Deshalb wollen wir Euch zeigen, was wir vorhaben.“ Wir haben unter ihnen echte Fürsprecher gefunden. Anschließend haben wir auch in den anderen Abteilungen unsere Ideen vorgestellt, z.B. im Bereich Organisation von Dr. Hockenjos. Wir haben uns zu jedem Thema, dass die Fans betraf zu Wort gemeldet und gesagt: „Wenn Ihr ein Anliegen habt, zu den Belangen der Fans, fragt uns.“ So konnten wir sehr viele Vorurteile abbauen, die die Leute gegenüber der FA anfänglich hatten. Wir haben uns in Fan-Themen eingemischt und im Sinne der Fans und des Vereins Lösungsvorschläge erarbeitet, das hat uns Türen geöffnet. Innerhalb der FA haben wir unsere Aktivitäten weiter ausgebaut und AGs gegründet, wie z. B. die AG Tradition, die AG Fanpolitik, die AG WM 2006 und ein Antirassismusprojekt um Ideen und Problemlösungen dort erarbeiten zu lassen. Zusätzlich haben wir Regionalvertreter eingesetzt und einen Fanbeirat aufgestellt. Es war eine unglaublich hektische Zeit, aber wir haben das relativ gut organisiert bekommen. Nur hatten wir irgendwann den Eindruck, dass der Verein die FA gar nicht richtig wahrnimmt. Nach dem Motto: „Jetzt haben sie eine Abteilung und dann sind sie auch zufrieden.“ Und dann kam es zur Not-for-Sale-Demo.

Reinhard Beck: Mit Not for Sale sollte klar zum Ausdruck gebrachten werden: Unser Verein ist nicht zu verkaufen. Der Verein war der Auffassung, dass wir die Initiatoren, zumindest die Mitinitiatoren der Demo waren. Schließlich hatten wir ja einen klaren Auftrag von den Fanvertretern und den Mitgliedern: Michael Meier sollte den Verein verlassen!

Olaf Suplicki: Organisiert haben die Demo die Ultras und andere aktive Fangruppen. Uns war wichtig, dass das ganze nicht eskalierte. Ich weiß noch, wie ich mit dem Megaphon auf dem Friedensplatz stand und zu den anwesenden Fans gesprochen habe. Ich hab noch eine Ansprache im Stadion gehalten und wir haben während der Spiele in der neunten Minute das Vereinslied gesungen, um Verbundenheit zu dokumentieren. Die Fans haben damals friedlich demonstriert.

Konntet Ihr in dieser Situation im Verein Einfluss nehmen? War der Stellenwert der FA zu der Anfangszeit schon so groß?

Olaf Suplicki: Die Situation war sehr schwierig. Es kam einfach keine Ruhe in die Fanszene, weil man plante, den Vertrag mit Michael Meier zu verlängern.Wir haben Dr. Rauball damals in einem Gespräch gesagt: „Die Menschen gehen auf die Straße, weil sie Angst haben, dass die Werte unseres Vereins verkauft werden. Verantwortlichen für diese Situation machten die Fans und Mitglieder ganz klar Gerd Niebaum und Michael Meier. Wenn Michael Meier bleibt, bekommen Sie bei den Fans keine Ruhe mehr rein.“

20141115_10_Jahre_Fanabteilung_JHS_069Reinhard Beck: Wir schilderten Dr.Rauball damals, das die Fans Aki Watzle das Vertrauen, als neuen Mann schenken. Bei ihm waren die Fans bereit zuzuhören. Die Fans wollten Dr. Rauball und Aki Watzke aber mit Michael Meier hatten alle ihre Erfahrungen gemacht und für sie stand fest: „Das geht nicht mehr.“ Das war am 11. Februar, an diesem Tag titelte die Presse: „Nach Niebaum-Rücktritt: Demonstration am Samstag nicht abgesagt“ –Die Not-for-Sale-Demo fand statt. Wir standen zu diesem Zeitpunkt schon vor einer echten Zerreisprobe. Wir spürten ja nicht nur fehlende Akzeptanz im Verein, sondern mussten uns auch gegen Anfeindungen aus der Fanszene zur Wehr setzen. Besonders auf Olaf hatten sich einige Leute eingeschossen. Auch Dr. Rauball forderte öffentlich den Rücktritt von Olaf. Olaf war eigentlich bereit, sich für die FA zu opfern und wollte aufhören. Ich bin deshalb zu Olaf gefahren und wir wollten die Einzelheiten zu seinem Rücktritt besprechen. Vor Olaf´s Haustür traf ich auf seine Frau Claudia, die im Garten arbeitete. Da bekam ich dann eine Ansage, die ich wohl nie vergessen werden (Reinhard schmunzelt): „Was seid ihr für Freunde? Der Olaf kämpft Tag und Nacht, opfert sich auf und ihr fallt beim kleinsten Sturm um. Das ist das Allerletze!“ Die Ansage dauerte so gut fünf Minuten und sie verfehlte Ihre Wirkung bei mir nicht. Olaf Suplicki: Ich weiß noch, ich kam vor die Tür weil ich meine Frau schimpfen hörte. Ich sah Claudia mit dem Rücken zu mir, in Gummistiefeln und wild fuchtelnd mit einer Harke in der Hand. Vor ihr stand Reinhard kreidebleich, der mich sah und nur sagte: „Wir gehen jetzt besser.“

Reinhard Beck: Claudia hat mir die Augen geöffnet. Wir mussten Stärke zeigen und dann kam uns die Idee die Mitglieder entscheiden zu lassen. Wir standen ja für Transparenz ein und die konnten wir nun zeigen. Wir luden die Mitglieder zu einer Delegiertentagung im Stadion ein. Da ging der Erste ans Mikro und sagte: „Das geht so nicht, Olaf Suplicki muss weg!“ Anschließend trat Werner Wirsing nach vorne.

Olaf Suplicki: Man konnte eine Stecknadel fallen hören, als er Sachen über meine Arbeit in der FA erzählte, mit welchem Einsatz ich mich für die FA einsetze und er setze sich für meinen Verbleib in der FA ein. Anschließend stand der ganze Saal auf und applaudierte, ich blieb im Amt. Ich war zutiefst gerührt. Werner Wirsing hat damals in einer schwierigen Situation mit seiner Rede einen großen Beitrag für die FA geleistet. Den Anwesenden wurde klar, welch großer Einsatz und wie viel Arbeit und Herzblut aller Beteiligten in der FA Arbeit liegt und das wir das nicht für uns tun, sondern für den Verein und seine Mitglieder und Fans. Von dem Zeitpunkt an gingen beim BVB alle Türen auf. Niemand hat sich mehr verweigert, weil langsam bei allen die Überzeugung wuchs, dass die FA einen echten Mehrwert für den Verein leisten kann. Wir sind danach erst so richtig in die Umsetzung gegangen und haben bei den vielen angeschobenen Projekt auch die volle Unterstützung des Vereins erfahren

20141115_10_Jahre_Fanabteilung_JHS_051Reinhard Beck: Das kann ich nur zu 100 % bestätigen. Auch diese Gespräche und Diskussionen in der Anfangszeit der FA haben für gegenseitiges Verständnis gesorgt. Mir ist da gut unsere Diskussion in der damaligen Satzungskommission mit Aki Watzke im Gedächtnis geblieben. Es ging unter anderem um die Trennung der Funktion im Präsidium des Vereins und in der Geschäftsführung der KGaA. Verein und KGaA sollten nicht von der gleichen Person geführt werden, wie unter Niebaum. Aki Watzke sagte, er verstehe das, man solle aber die Tür nicht verschließen, weil es vielleicht mal jemanden gebe, der als Schatzmeister oder Vizepräsident so gut ist, dass der Verein ihn in der Geschäftsführung haben wolle. Wir konnten seine Argumente nachvollziehen, aber wir hatten einen klaren Auftrag von den Mitgliedern und so lernten wir Aki Watzke von einer Seite kennen, die wir auch noch heute sehr an ihm schätzen. Er ist sehr direkt, spricht aus, was er denkt und handelt danach. Er hatte uns damals klipp und klar gesagt: „Wenn das die Entscheidung ist, werde ich mein Amt als Schatzmeister niederlegen!“ Einen Tag später wurde uns mitgeteilt, dass Aki Watzke als Schatzmeister zurücktreten wird. Er lies sich nicht einmal dazu umstimmen, zumindest bis zum Ende seiner Amtszeit Schatzmeister zu bleiben. Er sagte: „Wenn diese Ämtertrennung gewünscht ist, dann setze ich das sofort um.“ Damit hatte er sich bei uns beiden Respekt und Anerkennung verdient!

Olaf Suplicki: Damals haben zusammen viele Entscheidungen getroffen, bei denen Kompromisse geschlossen worden sind, immer im Sinne von Borussia Dortmund. Das war manchmal für die Mitglieder und die Fans nicht nachvollziehbar, aber du musst auch mal Entscheidungen treffen, die draußen niemand versteht, weil sie notwendig sind. Letztendlich ging und geht es immer darum das Beste für Verein, Mitglieder und Fans zu erreichen.

Zu Teil I des Interviews

Im dritten Teil des Interviews berichten Olaf Suplicki und Reinhard Beck über Aktionen und Veranstaltungen, die ihre Amtszeit stark prägten.

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