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„Gegen alle Widerstände“ – Champions-League-Triumph 1997

In dieser Spielzeit wurden schon häufig in den Medien Parallelen zwischen der aktuellen Champions-League-Saison und den erfolgreichen BVB-Jahren Mitte der 90er gezogen. Da lohnt sich ein genauerer Blick auf den bis dato größten europäischen Erfolg in der Geschichte Borussia Dortmunds.

Ende der 80er Jahre richtete der BVB seine Ziele wieder auf den Gewinn von Titeln und internationalem Prestige aus, um dem Mittelmaß der Vorjahre zu entkommen. Die Maßnahmen zeigten mit dem Gewinn des DFB-Pokals 1989 erste Früchte. Anfang der 90er holte man mehrere (deutsche) gestandene Fußballspieler von italienischen Vereinen zu Borussia Dortmund, u.A. Stefan Reuter, Matthias Sammer, Karlheinz Riedle, Júlio César, Andreas Möller und Jürgen Kohler. Diese „Rückholaktionen“ waren ein wichtiger Baustein für den Gewinn der zweiten doppelten Meisterschaft 1995 und 1996. Hier zeigt sich ein erster Unterschied zur Meistermannschaft der letzten beiden Jahre, die hauptsächlich aus jungen Spielern bestand.

Als deutscher Meister qualifizierte sich der BVB für die Teilnahme an der Champions League. In der Gruppenphase spielte Borussia Dortmund gegen Widzew Łódź, Steaua București und Atlético Madrid. Die ersten drei Spiele gewann der BVB (2:1, 3:0 und 1:0). Der Spielstil war zum Missfallen der Zuschauer und der Medien teilweise nur effektiv, aber nicht unbedingt schön. Die Mannschaft bezahlte den Erfolg auch in der Spielzeit 1996/97 teuer: Aufgrund der vielen Spiele – Bundesliga, Champions League und Nationalmannschaft – häuften sich die Verletzungen der Fußballer und Trainer Ottmar Hitzfeld musste sich oft immer wieder neue Alternativen einfallen lassen. Beim Rückspiel gegen Atlético Madrid im Westfalenstadion trat eine ersatzgeschwächte Mannschaft an und verlor 1:2, was den Trainer erboste und den BVB um das Weiterkommen in die nächste Runde bangen ließ. Diese Niederlage sollte die einzige bleiben. In der Partie gegen Widzew Łódź machte Borussia Dortmund den Einzug ins Viertelfinale klar. Die Dortmunder Fans entschuldigten sich auf Transparenten für die gewalttätigen Ausschreitungen deutscher Rechtsradikaler beim Länderspiel zwei Monate zuvor. Diese Geste kam auf polnischer Seite sehr gut an. Das letzte Spiel der Gruppenphase war zugleich auch das torreichste: Borussia Dortmung gewann gegen Steaua București mit 5:3. Der BVB und Atlético Madrid waren in ihrer Gruppe punktgleich, aber der spanische Verein hatte die bessere Tordifferenz, sodass Dortmund auf den zweiten Platz kam.

Im Viertelfinale: Rickens erster großer Auftritt

Im Viertelfinale traf der BVB auf AJ Auxerre. Das Hinspiel am 5. März 1997 gewann Dortmund dank zweier Einwechselspieler 3:1. Nachdem Karlheinz Riedle in der 12. Minute das 1:0 geschossen hatte, traf René Schneider, der in der 38. Minute für Wolfgang Feiersinger gekommen war, kurz nach der Pause zum 2:0. 20 Minuten später verkürzte Lamouchi für die Franzosen auf 2:1. Eine Minute nach seiner Einwechslung bereitete Ibrahim Tanko mit einem Solo das 3:1 durch Andreas Möller in der 84. Minute vor. Das Rückspiel blieb bis zur 60. Minute torlos, dann drosch der 20-jährige Lars Ricken den Ball in die gegnerischen Maschen. Bei diesem Ergebnis blieb es bis zum Ende.

Der Gegner im Halbfinale hieß Manchester United, einem der Vorbilder von Borussia Dortmunds Vereinsführung. Im ausverkauften Westfalenstadion fand am 9. April 1997 das Hinspiel statt. Beide Mannschaften konnten verletzungsbedingt nicht ihre Stammspieler aufs Feld schicken. Die Partie begann zurückhaltend und gewann erst in der zweiten Halbzeit an Fahrt. René Tretschok schnappte sich schließlich in der 76. Minute den Ball und donnerte ihn ins gegnerische Tor. Dieser Endstand bedeutete nicht nur eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel, sondern auch den ersten BVB-Sieg gegen ManU. Zwei Wochen später fand das Rückspiel in England statt. Schon nach acht Minuten konnte Dortmund jubeln: Lars Ricken hatte bereits zum dritten Mal das entscheidende 1:0 geschossen. Manchester United machte nun Druck, doch Jürgen Kohler rettete vor allem mit seiner Heldentat gegen Eric Cantona in der 17. Minute der Borussia den Sieg, obwohl er unter Magen- und Darmkrämpfen litt. Die BVB-Fans feierten ihn mit „Jürgen Kohler, Fußballgott“-Chören. Auch die Manchester-Fans zeigten Größe und feierten nach dem Spiel nicht nur die eigenen Spieler, sondern auch den BVB. Der Verein bedankte sich dafür mit einer ganzseitigen Anzeige im Daily Mirror.

Sammer wird rechtzeitig fit für das Finale

Das Finale gegen Juventus Turin stand unter keinem guten Stern. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Trainer und dem Präsidenten sowie Teilen der Mannschaft ließen sich nicht mehr verbergen und wurden teilweise in den Medien ausgetragen. Vor allem die unterschiedliche Gewichtung von Bundesliga und Champions League wurde zu einem Streitthema. Ottmar Hitzfeld beendete auch deswegen nach der Spielzeit seine Trainertätigkeit beim BVB. Die Stärken der letzten Jahre – kollektive Disziplin und eine abgestimmte Führung – gingen verloren. Die Mannschaft ließ sich nur noch durch die Aussicht auf einen europäischen Erfolg zusammenhalten. Zudem kamen erste Gerüchte über drohende finanzielle Engpässe auf.

Das Endspiel in der Champions League fand am 28. Mai 1997 im Olympiastadion in München statt. Die mitgereisten Fans verbreiteten schon vor dem Spiel in der Münchener Innenstadt eine schwarz-gelbe Festtagsstimmung. In der Vereinsführung waren nicht alle so zuversichtlich wie die Fans. Manager Michael Meier war vor dem Spiel so nervös, dass ihm der junge Ricken versprach, dass er „das Dingen machen“ werde. Im Stadion feuerten 30.000 Fans ihre Dortmunder Jungs an. Trainer Hitzfeld stellte die Mannschaft taktisch wie in der Bundesliga auf und ließ sich nicht von Gedankenspielen über eine mögliche Strategie des Gegners von seiner Grundidee des 3-5-2 abbringen.

Der rechtzeitig genesene Matthias Sammer verdrängte Wolfgang Feiersinger, der ihn in den meisten Spielen sehr gut vertreten hatte, auf die Tribüne und auch Kapitän Michael Zorc wurde erst in der 89. Minute eingewechselt. Auch Karlheinz Riedle konnte trotz einer Schienbeinverletzung zehn Tage vor dem Finale auflaufen. In der Nacht vor dem Spiel träumte er, dass er zwei Tore machen würde, doch danach sah es zunächst nicht aus.

Auf den Triumph folgen erste Risse

Juventus Turin als Titelverteidiger galt ganz klar als Favorit und dominierte anfangs auch, doch die Mannschaft um Zinedine Zidane und Didier Deschamps vergab ihre Chancen auf den Führungstreffer. In der 29. Minute klärte Turins Torwart Angelo Peruzzi eine Ecke von Andreas Möller zu kurz und Paul Lambert konnte den Ball durch die Turiner Abwehr für Karlheinz Riedle auflegen, der ihn dann aus sechs Metern ins Tor hämmerte. Die Favoriten zeigten sich angesichts des Rückstandes geschockt. Noch ehe sie sich davon erholen konnten, köpfte Riedle einen weiteren Eckstoß von Möller ins Turiner Tor. Noch vor der Pause traf Vieri für Turin ins BVB-Tor, doch der ungarische Schiedsrichter Puhl gab den Treffer wegen Handspiels nicht. Nach der Pause schickte Juve-Trainer Marcello Lippi mit Alessandro del Piero einen dritten Stürmer aufs Spielfeld. Der Joker stach in der 64. Minute und der Ausgleich schien in der Luft zu liegen. Wenige Minuten später wechselte Hitzfeld Ricken ein.

Dieser hatte das Spiel aufmerksam von der Bank aus verfolgt und bemerkt, dass der italienische Torwart öfters relativ weit vor dem Tor stand. Wenige Sekunden nach Rickens Einwechslung passte Möller genau auf den Youngster, der den Ball aus gut 30 Metern Entfernung über Peruzzi ins Tor lupfte. Der Jubel war riesig. Juventus Turin erholte sich nicht mehr von diesem Schlag und die BVB-Fans auf den Rängen sangen während der letzten Minuten „Oh, wie ist das schön …“. Nach dem Abpfiff waren das Staunen und die Freude über den Überraschungssieg von Borussia Dortmund groß. Im Fernsehen kommentierte Marcel Reif den Erfolg folgendermaßen: „Das muss man sich selber erstmal klarmachen: Borussia Dortmund Champions-League-Sieger 1997. […] Gegen alle Widerstände von außen, sicherlich auch von innen.“

Die Mannschaft feierte den ersten deutschen Champions-League-Sieg ausgelassen. Doch auch in der Stunde des Triumphs zeigten sich die Risse im Verein. So blieb der Trainer während der Ehrenrunde allein auf dem Rasen zurück. Eine Situation, die es heute nicht geben würde, da der Verein aus seiner Vergangenheit gelernt hat. In Dortmund gab es spontane Feiern und Zehntausende bereiteten der Mannschaft am folgenden Tag einen triumphalen Empfang.

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