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Sevilla-Vorfälle bei „Ultras im Abseits“

Es ist nun über anderthalb Jahre her, einige Borussen werden den 15. Dezember 2010 jedoch immer noch genau vor Augen haben. Und in nicht besonders guter Erinnerung. Das dürfte nicht nur am Ergebnis des Spiels gelegen haben sondern auch an den unrühmlichen Zwischenfällen, die sich rund um die Euro League-Partie in Sevilla zugetragen haben. Das Buch „Ultras im Abseits“ hat sich dem Thema angenommen. Hier unsere Rezension. 

Die BVB | Fan- und Förderabteilung hat die Polizeigewalt in Sevilla in dieser Zeit öffentlich angeprangert, Fans um die Zusendung von Erfahrungsberichten gebeten und versucht, den Sachverhalt aufzuarbeiten. Gemeinsam mit Alexandra Schröder vom Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum bemüht sich  die Task Force Sevilla seither um die Aufklärung der Ereignisse. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist nun in Form des Beitrags „Zu Risiken und Nebenwirkungen bei Fußballspielen in Spanien“ im Buch „Ultras im Abseits? Porträt einer verwegenen Fankultur“ von Martin Thein und Jannis Linkelmann erschienen.

Ultras-im-AbseitsAnhand von Gesprächen mit Betroffenen, der Auswertung von Fragebögen und den Schilderungen der Fanbeauftragten schildert Alexandra Schröder darin die Chronologie der Ereignisse aus Sicht von Dortmunder Fans. Sei es das Verhalten der Polizei vor und nach dem Spiel sowie gegenüber der inhaftierten Personen – die Fans wurden Opfer einer „unverhältnismäßigen Vorgehensweise der spanischen Beamten“. Dazu Verletzungen z.B. durch den wahllosen Einsatz von Schlagstöcken am Spieltag; aber auch weitreichendere Konsequenzen für die Inhaftieren werden einmal mehr deutlich: Ihr erzwungenes Geständnis sorgte in Deutschland für einen Eintrag ins Bundezentralregister.

Das komplette Kapitel gibt es hier

Wer hierzulande auf Jobsuche ist, weiß, dass ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis  Grundvoraussetzung für die Einstellung in verschiedensten Berufsgruppen ist. In Ermangelung eines rechtsstaatlichen Verfahrens in Spanien stehen die Betroffenen noch heute vor dem langwierigen Prozess, „die daraus resultierenden Folgen zu minimieren oder bestenfalls zu beseitigen.“

Abgesehen von diesem Beitrag mit schwarz-gelber Beteiligung stehen in den restlichen Kapiteln des Buches die Ultras als Fankultur im Mittelpunkt. Jeder Stadionbesucher hat vermutlich seine eigenen Erfahrungen mit Mitglieder einer Ultragruppe gemacht. Sei es in Form farbenfroher Choreografien, lautstarker Gesänge, Protestaktionen oder auch dem Verlust von Fanartikeln oder Gewalteinwirkung.

Wie viele Facetten diese „Subkultur“ hat und aus wie vielen Perspektiven sie betrachtet werden kann, darüber geben die rund 270 Seiten einen ebenso umfassenden wie wertefreien Überblick. Das liegt in erster Linie daran, dass sowohl Ultras selbst, Fanbetreuer und Journalisten, aber eben auch Vertreter der Polizei oder der ehemalige DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn zu Wort kommen. So ergibt sich ein interessanter und gut verständlicher Eindruck für jeden, der sich mit dem Entstehen und der Entwicklung dieser Kultur näher auseinander setzen möchte.

„Ultras im Abseits“ ist im Werkstatt-Verlag zu finden und kann für 14,90 Euro hier erworben werden.

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