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Boykott-Veranstaltung in Hamburg

Für den ersten Dienstagabend in 2012 hatte die Initiative „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“  ins Conference-Center des Stadions eingeladen. Was folgte waren zwei Stunden heiße Diskussion rund um den Boykott beim HSV und das weitere Vorgehen der Initiative.

Tobias Westerfellhaus moderierte die DiskussionsrundeMit 200 Gästen hatte man kalkuliert und „eigentlich damit gerechnet, vor 50 Leuten zu sprechen“, gab Mit-Organisator Arne Kazperowski unumwunden zu. Nun, gegen 18.45 Uhr platzte der vorbereitete Teil des Conference-Centers in der Nordtribüne aus allen Nähten, sodass kurzer Hand die Trennwand beiseite geschafft und die Raumgröße somit verdoppelt wurde. Mit knapp 20 Minuten Verspätung und einem immer noch bis zum letzten Platz besetzten Center ging das erste offene Treffen der „Kein Zwanni“-Initiative dann los.

Am Mikrofon standen für „Kein Zwanni neben Arne Kazperowski auch Marc Quambusch, Christian Schöler und aus Hamburg vom Supporters Club Christian Bieberstein, während Tobias Westerfellhaus , Mitorganisator der Kein-Zwanni-Kampagne aus der FA, die Diskussion moderierte.

Zu Beginn gibt es zunächst einen kurzen Blick nach Hamburg. Dort, so erklärte Christian Bieberstein, treffe der Boykott durchaus auf fruchtbaren Boden, wenn auch ein eigener Boykott aufgrund der niedrigen Dauerkartenpreise für die Hamburger Nordkurve zurzeit nicht gegenüber dem Verein vertretbar sei. Die später gestellte Frage, wieso die Hamburger, ebenfalls Mitglied im Kein Zwanni-Bündnis, nicht das Gastspiel in Dortmund boykottierten, beantwortet und begründet Bieberstein mit dem hohen Andrang der HSV-Fans auf das Saisonauftakt-Spiel beim BVB – eine ähnliche Situation, in der sich die Dortmunder Fanszene am 20. Januar befindet – und den Boykott dennoch ansetzte.

Von der Hamburger Fanszene, rund um den Supporters Club und die Ultragruppierung Chosen Few, wird es am 18. Spieltag neben einer Sonderauflage des Fanzines Seemannsgarn, einem 90-minütigen Spruchband über dem Mittelrang der Nordkurve und der Thematisierung im Supporters TV, auch ein Gespräch mit dem HSV-Vorstand zum Thema Ticketpreise geben. „Wir wollen einheitliche Ticketpreise für unsere Gäste – die Kategorien müssen weg“, stellt der stellvertretende Abteilungsleiter von Deutschlands größter Fanorganisation (der Supporters Club hat über 70.000 Mitglieder) klar.

IMG 2490Daraufhin kommt die Diskussion auf, welche Aktionen von Dortmunder Seite aus geplant sind. Daniel Lörcher, Sprecher der Kampagne und THE UNITY-Vorstand, erklärte, dass TU den lautstarken Protest vor dem Hamburger Stadion unterstützen wird und in die Hansestadt reist. Vorjahreserfahrungen beim Derbyboykott hätten gezeigt, dass eine Veranstaltung mit dem gemeinsamen Verfolgen des Spiels in Dortmund durch behördliche Auflagen unmöglich gemacht werde. Bei einer Abstimmung im Saal und auf Facebook sprechen sich anschließend ebenfalls rund 2/3 aller Befragten für eine Aktion in Hamburg aus.

Näheres dazu wird in den kommenden Tagen bekannt gegeben. Christian Bieberstein wies aber bereits daraufhin, dass die Kneipendichte rund ums ehemalige Volksparkstadion stark begrenzt ist. Marc Quambusch plädiert dafür, auch während des Spiels vor dem Stadion zu protestieren und das Spiel gegebenenfalls am Radio zu verfolgen „nur so kann die Aktion erfolgreich Aufmerksamkeit erzeugen“, sagte der „Kein Zwanni“-Sprecher.

Was auch immer letztlich geplant ist – der Vorsitzende der BVB-Fanabteilung, Marco Blumberg, sicherte schon mal zu, dass die FA so viele Busse wie angefragt auf den Weg gen Hansestadt schicken werde. Zusätzlich wird Christian Schöler zeitnah alle Fanclubs anschreiben und um eine gemeinsame Bustour an die Elbe bitten, um möglichst viele boykottierende Borussen an die Elbe zu bringen.

Gegen halb neun verlagerten sich die Gespräche dann in die allgemeine Richtung der Kampagne. Die Bitte „in Zukunft auch und besonders die Sitzplätze ins Augenmerk zu nehmen“ wird von allen Anwesenden begrüßt. Schließlich bestehen die Gästeblöcke mittlerweile größtenteils aus eben jenen Sitzplätzen, die wiederrum teilweise unverhältnismäßig teurer sind als die bislang im Fokus stehenden Stehplätze.

Im Anschluss kommen das Auswärtsderby im April und ein möglicher erneuter Boykott zur Sprache, eine klare Richtung kristallisiert sich jedoch nicht heraus, schließlich möchte man das „Mittel Boykott“ nicht ausreizen. Eben das war zuvor auch von einem Fan gefordert worden. Zudem hat sich schon in Hamburg herausgestellt: Die Masse an Borussen, die solche Spiele nutzt um dennoch im Stadion anwesend zu sein und den BVB spielen zu sehen, ist einfach zu groß, um jedes kritische Spiel zu boykottieren. Alternativen müssen her, konnten aber auch am Dienstagabend nicht wirklich gefunden werden.

IMG 2468Hier wird schnell ein Problem der bisherigen Aktion deutlich: Die Teilnahme anderer Fanszenen ist deutlich zu gering. „Bislang kam da relativ wenig“, bedauert Christian Bieberstein. Während „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ nahezu aus dem ganzen Land Unterstützer findet, scheint die Thematik, zu welchen Eintrittspreisen man diese legale Pyrotechnik überhaupt zünden möchte, scheinbar kaum einen zu interessieren. Lediglich aus Köln, München, Aachen und Hamburg kamen bislang konkrete Interessensbekundungen – zu wenig, um wirklich bundesweit auf die Kampagne aufmerksam zu machen.

„Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“ braucht mehr Unterstützung, damit alle betroffenen Vereine der Bundesliga an den Gesprächstisch gebracht werden können. Denn eins ist klar: Den Vereinen muss ihre soziale Verantwortung bewusst gemacht werden. Finanzielle Einbußen müssen durch die Möglichkeit lukrativ gemacht werden, den Nachwuchs durch fanfreundliche Eintrittspreise an sich binden zu können, statt für „englische Verhältnisse“ zu sorgen. Das kann durch Gespräche mit den Verantwortlichen geschehen, ein Boykott hingegen nur ein Zeichen setzen und Aufmerksamkeit schüren.

Gegen 21 Uhr endete das Treffen dann mit einem recht erfreulichen Fazit: In Dortmund scheinen sich viele Fans für die Thematik zu interessieren, anders ist der hohe Andrang nicht zu erklären. Ideen und Kritiken wurden ausgetauscht, Probleme und Erreichtes aufgezeigt – eine Basis auf der weiter Aufgebaut werden kann. Denn in einem waren sich alle einig: Es wird ein langer, zäher Prozess, aber es wird Zeit, dass etwas passiert!

In diesem Sinne:

Fußball muss bezahlbar sein – für alle!

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