• english
  • polski
  • tuerkce
  • espanol
  • nippongo
  • hindi
  • thai
Du bist hier: Startseite » Archiv » Biernot an Spieltag 1: die Hintergründe

Biernot an Spieltag 1: die Hintergründe

Seit der vergangenen Saison steht die BVB | Fan- und Förderabteilung im engen Kontakt mit dem Cateringunternehmen der BVB-Heimspiele, der Firma Aramark. Ziel dieser ständigen Kommunikation im Vor- und Nachhinein unserer Heimspiele ist es, besondere Vorkommnisse, Probleme und Missverständnisse bei der Versorgung der Fans anzusprechen und gegebenenfalls für eine Verbesserung der Situation zu sorgen. So kommt es von Seiten der Fans immer wieder vereinzelt zu Ausfälligkeiten gegenüber Mitarbeitern, während sich auf Seiten der Fans des Öfteren über die (zu) langsame und unzureichende Bewirtung beschwert wird.

Beim Saisonauftakt am vergangenen Freitag kam es im Bereich des Bierverkaufes zu erhöhten Wartezeiten, was natürlich auch zu einer verständlichen Unzufriedenheit der Fans geführt hat. Wartezeiten von 15 – 20 Minuten und ein Komplettausfall der mobilen Bierverkäufer ab ca. 1 Std. vor Spielbeginn müssen besprochen werden. Um Licht ins Dunkle zu bringen trafen sich die BVB / Fanabteilung mit den Herren Thomas van de Hoeve (Districtmanager Aramark Rest. GmbH) und Michael Latschenberger (Betriebsleiter Aramark Rest. GmbH im SIP)

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:

Herr Latschenberger, Herr van de Hoeve, was lief am vergangenen Freitag falsch, dass es zu den enormen Wartezeiten im Bereich des Bierausschanks kommen konnte?

Latschenberger:

Wir hatten im Vorfeld, wie zu jedem Spiel, dass Stadion ordnungsgemäß für alle Bereiche mit Getränkevorräten bestückt. Zu jedem Zeitpunkt des Spiels waren genügend Bier und Alkoholfreie Getränke vorhanden. Wir waren für den Saisonauftakt korrekt vorbereitet, es gab keine Anzeichen für Probleme.

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:

Und dennoch kam es dann am Freitag genau dazu.

Latschenberger:

Im Vorfeld des 1. Bundesligaspieles BVB – HSV am 05.08.2011 wurden wie gewohnt alle Kühlhäuser und Kioske mit Bier und alkoholfreien Getränken bestückt.

Die Mengenplanung berücksichtigte sowohl die Wettersituation als auch die zu erwartende Stimmung im Stadion.

Die Getränke Menge war ausreichend für ein Bundesligaspiel und es befand sich während der gesamten Veranstaltung ausreichend Ware im Stadion.

Die gesamten Kühllager im Stadion waren in Funktion und bestückt.

Am Donnerstag gegen 20:00 Uhr wurden die Kühlanlagen noch einmal auf Funktion geprüft. Im Verlauf der folgenden Stunden fielen aus noch nicht geklärten Gründen die Kühlanlagen im Lagerbereich aus. Am Freitag gegen Mittag wurden die Kühllager wieder in Betrieb genommen. Der Temperaturverlust konnte leider nicht mehr kompensiert werden. Erschwerend kam es im Laufe des Tages immer wieder zu Stromausfällen.

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:

Wo genau liegt da das Problem?

Latschenberger:

Ungekühltes Bier, über 6 Grad, schäumt mehr, das heißt, der Ausschank dauert deutlich länger. Das gekühlte Bier mussten wir hingegen gleichmäßig im gesamten Stadion verteilen, um zumindest an jeder Station einen Zapfhahn versorgen zu können. Beim Transport hat sich dieses Bier aber ebenfalls zusätzlich aufgeschäumt, was das Ausschenken weiter erschwerte.

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:

Was passierte mit den mobilen Bierverkäufern die ansonsten überall im Stadion für Entlastung sorgen können?

Latschenberger:

Die Unterversorgung der festen Stände hat dazu geführt, dass wir etwa eine Stunde vor dem Spiel diesen mobilen Verkauf einstellen mussten, da kein kaltes Bier mehr verfügbar war und sich das warme Bier in den Tragefässern nicht ausschenken lässt, es kommt nur Schaum. Das heißt uns fehlten 55 Bierverkäufer im Stadion, was die Fans vermehrt zu den festen Ständen holte. Dort konnte man aufgrund der zu hohen Biertemperatur jedoch auch nicht regulär ausschenken.

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:

Ein Stromausfall im Stadion dürfte maximal fünf Minuten gedauert haben, springt die Kühlanlage anschließend nicht automatisch wieder an?

Van de Hoeve:

Da die Sicherung der Stromverteilung für die Kühlanlage rausgesprungen ist, und diese nur manuell wieder in Betrieb genommen werden kann, wurde die Anlage nicht direkt wieder in Betrieb genommen, sondern erst bei Entdeckung des Vorfalls am nächsten Morgen. Wir überprüfen jedoch gerade eine Möglichkeit, dass solche Vorfälle in Zukunft automatisch gemeldet werden und dann durch einen Mitarbeiter direkt behoben und die Kühlung wieder in Betrieb genommen werden kann.

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:

Und noch mal für das technische Verständnis: Die bekannten Zapfanlagen kühlen das Bier, nach dem man die Fässer angeschlossen hat, selbstständig. Wieso muss das Bier im Stadion vorgekühlt an die Ausgabestellen geliefert werden?

Van de Hoeve:

Weil es sich bei unseren Anlagen nicht um Durchlaufkühlanlagen handelt. Die Fässer werden im Kiosk, in zusätzlichen kleinen Kühlhäusern, gekühlt, bei Bedarf angeschlossen und dann gezapft. Dass liegt daran, dass Durchlaufkühler nur eine beschränkte Kapazität haben, die unserem Bedarf nicht gerecht werden können.

Die Probleme fingen in dem Moment an, als der Vorrat aus diesen Kühlhäusern aufgebraucht war und neues, bedingt durch den Stromverlust, nicht optimal gekühltes Bier aus dem Hauptlager unter der Südwest-Ecke angeliefert werden musste.

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:

Wie hat Aramark auf die Probleme reagiert?

Latschenberger:

Wir haben versucht, gekühlte Biervorräte aus der Nachbarschaft zu besorgen. Das war leider erst zur Halbzeit möglich, da zuvor alle Anfahrtsstraßen gesperrt waren. Außerdem haben wir alle Mitarbeiter des Vertriebs eingeschaltet, die haben versucht, die stetige Bierversorgung der Kioske an zumindest einem Zapfhahn zu ermöglichen.

Van de Hoeve:

Der zusätzlich beschaffte Biervorrat konnte leider nicht den ausgefallenen Bierbedarf decken.

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:

Von welcher Menge an wegfallenden Bier reden wir da?

Van de Hoeve:

Das waren zwei große Kühlcontainer, jeweils 20 Fuß groß. Insgesamt fassen diese Boxen 100 Hektoliter, sprich: Es fehlten 10.000 Liter Bier, was wiederum rund einem Drittel des gesamten Bierbedarfs entspricht und damit bricht natürlich der reguläre Versorgungsbetrieb zusammen. Ich bin jetzt seit 1995 als Gastronom im Dortmunder Stadion aktiv, aber an einen Ausfall der Technik in diesem Umfang und mit diesen Auswirkungen kann ich mich nicht erinnern.

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:

Kann man denn schon sagen weshalb es zum Stromausfall kam?

Van de Hoeve:

Die Techniker analysieren das zurzeit. Es gab bekanntlich massive Umbaumaßnahmen während der Sommerpause und letztlich gab es nicht nur in unserem Bereich Probleme mit der Stromversorgung. Letztlich können wir aber noch nicht genau sagen woran es lag. Ob’s ein Kurzschluss war, ein technischer Defekt der Kühlanlage oder ob jemand den Stecker rausgezogen hat – es kann theoretisch alles gewesen sein. Wir wissen es noch nicht.

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:

Viele Leute haben sich nach dem Spiel bei der Fanabteilung beschwert. Wie sind sie mit den Beschwerden die bei Aramark eingingen umgegangen?

Latschenberger:

Uns haben schriftlich zwölf Beschwerden erreicht. Die habe ich, wenn eine Telefonnummer angegeben war angerufen, ansonsten habe ich auch jedes Mail persönlich beantwortet.

Auch am Spieltag selbst haben wir schon mehrere verärgerte Fans gesprochen und Ihnen die Situation erklärt.

Alle haben sehr verständnisvoll reagiert und waren positiv von der Rückmeldung angetan.

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:

Letzte Frage: Was konnten denn Ihre Mitarbeiter in den Kiosken vom Verhalten der Fans berichten?

Latschenberger:

Grundsätzlich muss man sagen, dass es in einem Stadion dieser Größenordnung immer auch unvernünftige und haltlose Menschen gibt. Zu großen Teilen waren die Fans zwar verärgert, wofür wir großes Verständnis haben. In Ausnahmesituationen mussten sich die Mitarbeiter aber auch Beschimpfungen gefallen lassen, wurden beworfen oder bespuckt und hatten Angst weiter zu arbeiten. Insgesamt war das aber von unseren 800 Mitarbeitern nur ein verschwindend geringer Anteil. Noch mal: Zu großen Teilen waren die Fans unzufrieden, was wir in dieser Situation verstehen können, haben aber nicht weiter negativ reagiert.

Van de Hoeve:

Am Ende konnten wir die Fans beruhigen, sind mit dem nötigen Respekt an die Sache rangegangen und haben die Situation, bis auf wenige Stellen, sehr gut regeln können. Da muss man klar trennen zwischen 99% der Leute und den berüchtigten ein-zwei Leuten. Das Gäste und Fans bei einer Verdoppelung der durchschnittlichen Wartezeit verärgert sind, dass kann man nur verstehen!

Wir, als BVB | FANABTEILUNG verurteilen das Verhalten der angesprochenen Fans. Zu jedem Zeitpunkt muss, wie groß der Ärger auch sein mag, den Mitarbeitern im Stadion der nötige Respekt gegenüber gebracht werden. Dinge wie Anspucken, Beleidigen oder Bewerfen sind niveaulos und beschämend!

Vor den kommenden Heimspielen wird Aramark die Vorfälle auf Flugblättern ansprechen und die Probleme noch einmal erläutern. Gemeinsam aber möchten wir zum würdigen und vernünftigen Verhalten gegenüber den Aramark-Mitarbeitern aufrufen.

Mit schwarz-gelben Grüßen

Eure

BVB | FAN – UND FÖRDERBTEILUNG:


Anmerkungen und Hinweise zu diesem Thema richtet ihr bitte an:
abteilungsleitung@bvb-fanabteilung.de

Scroll To Top