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Interview mit Reinhard Beck und Olaf Suplicki: Teil I – Die Entstehung der BVB | Fan- und Förderabteilung

Interview mit Reinhard Beck und Olaf Suplicki: Teil I – Die Entstehung der BVB | Fan- und Förderabteilung

Reinhard Beck und Olaf Suplicki standen unserem Mediateam Rede und Antwort. Beide sind Gründungsmitglieder der BVB | Fan- und Förderabteilung (FA) und erinnern sich, was sie vor zehn Jahren dazu veranlasste, die Abteilung zu gründen, wie die Anfangszeit der FA war, welche Aktionen gut in Erinnerung geblieben sind und welches Verhältnis sie heute zu der FA pflegen. Im ersten Teil dieses Interviews ist zu lesen, warum die beiden eine Fanabteilung beim BVB gründen wollten.

FA: Reinhard, Olaf, zehn Jahre ist es her, seit die FA gegründet wurde. Wie nahm das Ganze im Jahr 2004 seinen Lauf und welche Rolle habt Ihr beide im Vorfeld gespielt?

FA10_WebsiteReinhard Beck: Am besten beginne ich mal damit, wie wir beide überhaupt zueinander gefunden haben. Ich war damals noch sehr aktiv für schwatzgelb.de. Die Vereinshistorie des BVB einschließlich der Fanhistorie war für mich ein interessantes Thema. Das war für mich der Aufhänger, mit vielen Leuten aus der damaligen aktiven Fanszene das Gespräch zu suchen – damals waren das vor allem Kutten und Vielfahrer. Deren Geschichte und Entwicklung, vor allem in den 70er-, 80er- und 90er-Jahren, wollte ich in einem Buch erzählen. Dazu habe ich Recherchearbeit betrieben und mit allen möglichen Leuten gesprochen. Irgendwann habe ich mit Olaf von den Wittener Wölfen gesprochen und er sagte mir, ich solle mich mit einem gewissen Olaf Suplicki unterhalten, der damals immer aktiv dabei war. Der Name sagte mir damals nichts, weil Olaf zu der Zeit aus der Fanszene verschwunden war. Ich musste ihn lange suchen. Irgendwann bekam ich dann seine Telefonnummer und rief ihn schließlich an. Aber er wollte erst gar nicht! Er sagte, er wolle über den Verein nicht reden, das Thema sei für ihn erledigt. Ich musste wirklich Überzeugungsarbeit leisten, bis ich es mal geschafft hatte, ihn zu einem Kaffee zu überreden.

Olaf Suplicki (schmunzelt): Wir wollten uns ursprünglich eine halbe Stunde unterhalten und saßen dann sechs Stunden zusammen!

Reinhard Beck: Sechs Stunden! Und ich war natürlich total begeistert, weil ich jemanden gefunden hatte, der die Fanszene von A bis Z kannte und die 70er- und 80er-Jahre aktiv mitgestaltet hatte.

Olaf Suplicki: Ich war in den 70er-Jahren schon aktiv, als es noch den BFC gab. Da hatten wir schon einmal eine Abteilung im Verein. Die wurde dann durch interne Geschichten wieder aufgelöst. Später habe ich den Freundeskreis Borussia Dortmund gegründet. Das war quasi der größte Fanclub hier und wir haben erstmals Flieger zu Auswärtsspielen gechartert und andere Sachen gemacht. Dann rief eines Abends Reinhard an, der dieses Buch schreiben wollte. Ich wollte zunächst nichts damit zu tun haben, denn im Jahr 2002 hatte ich einen Auftritt bei der Jahreshauptversammlung im Konzerthaus hingelegt und damals darauf hingewiesen, dass Borussia Dortmund auf dem Weg in die Pleite sei und dass das nicht gut gehen werde. Daraufhin bin ich von der kompletten Versammlung weggebuht worden. Außer Willi Wittke von der Westfälischen Rundschau hatte ich eigentlich keine Fürsprecher. Alle waren dagegen, wir waren ja gerade Deutscher Meister geworden, die Schale stand da und alle waren glücklich. Und dann komme ich daher und haue so ein Ding raus. Ich dachte mir, wenn mir keiner zuhören will, dann lass das Ding halt gegen die Wand fahren. Für mich war klar: Ich mache nichts mehr für Borussia! (Olaf Suplicki macht eine kleine Pause und fängt zu lächeln an) Aber trotzdem saßen Reinhard und ich irgendwie ganz begeistert wegen dieses Buches zusammen. Parallel zu dieser Zeit traf sich eine Gruppe Fans in der „Sonne“ und sagte: „Borussia geht es schlecht. Wir müssen jetzt was für den Verein unternehmen.“ Reinhard rief mich damals an und sagte mir, ich solle dazukommen. Ich hatte gesagt: „Du hast einen Knall, da gehe ich auf keinen Fall hin!“

Reinhard Beck: Das war im Spätherbst 2004. Wir hatten damals in der Fanszene eine sehr breit gestreute Masse unterschiedlicher Fanvertreter mit beispielsweise Andreas Aßmann, Daniel Nowara und Guido Schnittker, die später auch aktiv im Vorstand der FA waren. Dazu Leute von schwatzgelb.de, von The Unity, unterschiedlicher Fanclubs usw. – also alles Leute, die man aus den Fantreffen kannte. Darunter fanden sich viele Leute, die von Grund auf sehr kritisch waren, aber im positiven Sinne mit einem kritischen Blick auf das Geschehen im Verein. Wir haben uns letztlich an besagtem Tag in der „Sonne“ getroffen.

Olaf Suplicki: Ich kam dorthin, nachdem auch meine Frau mir gesagt hatte: „Fahr dahin, das ist dein Verein.“ Aber eigentlich wollte ich nur zuhören. Ich musste an diesem Abend auch früher weg. Alle haben dann überlegt, was wir für den Verein machen sollen – einen Dachverband oder eine Abteilung gründen? Ich habe gesagt, dass wir eine Abteilung bräuchten. Wir durften das nicht nur kurzfristig sehen, sondern auch im Hinblick auf die Zukunft. Dem ist man dann auch gefolgt.

Reinhard Beck: Olaf war weg und wir beschlossen anschließend, dass wir den Verein davon überzeugen wollen, eine Fanabteilung zu gründen. Wie, wussten wir noch nicht genau. Wir wussten nur, dass ein paar Tage nach diesem Treffen ein Fantreffen stattfand, bei dem Gerd Niebaum und auch Reinhard Rauball angekündigt waren. Also haben wir einen Vorabvorstand gebildet – das war zum größten Teil der spätere Vorstand. Es war relativ schnell klar, dass ich den Vorsitz machen musste, das wollte ich nicht ohne Olaf als Vize. Da kannten wir uns erst vier Wochen, aber ich wusste, wie wichtig es war, jemanden zu kennen, der vieles von früher kannte und schon einiges über die Jahre mitbekommen hatte!

Olaf Suplicki: Ich weiß noch genau, dass ich am Tag danach mit meiner Familie im Vergnügungspark war, als mein Handy klingelte. Reinhard war dran und sagte zu mir: „Herzlichen Glückwunsch, Du bist in den Vorabvorstand gewählt worden.“ Ich sagte: „Seid Ihr bekloppt?“ Aber er meinte, aus der Nummer käme ich nicht mehr raus.

Reinhard Beck: Ich sagte: „Ich mache das nicht ohne dich!“ Also habe ich ihn mehr oder weniger erpresst. Ich musste noch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten. Wir saßen noch einige Male zusammen, aber letztendlich hat er zugestimmt. Danach stand diese Fanversammlung an und ich hatte die Aufgabe, die Fanabteilung vorzustellen. Ich wusste ja, was meine Borussia ist, was mein Verein ist und was der mir alles gibt. Die Intention war eigentlich nur, Niebaum dazu zu bewegen, noch mal möglichst viele Mitglieder und Fans zu einer Versammlung rufen können, um darüber abzustimmen – ganz offiziell als e. V. –, dass wir diese Abteilung auf den Weg bringen möchten. Und im Prinzip auch, um uns von den Fans und Mitgliedern die Legitimation zu holen: „Ja, geht auf die nächste Mitgliederversammlung und stellt den Antrag.“

FA: Was war die übergeordnete Hoffnung, die mit dem Gedanken an eine Fanabteilung einherging?

JHS_6252_2Olaf Suplicki: Was Borussia Dortmund damals total abhandengekommen war, waren eine gewisse Bodenständigkeit und Fannähe. Ebenso die Ehrlichkeit. Es war keine Transparenz mehr zu erkennen. Ich habe hier niemandem mehr irgendwas geglaubt. Das war das ganz große Problem. Wir wollten uns mit der FA im Verein einbringen um helfen zu können und den Verantwortlichen zeigen zu können: Ohne uns, die Vereinsmitglieder, geht das es jetzt nicht mehr! Dieser Verein gehörte nicht Gerd Niebaum und Michael Meier, sondern den Mitgliedern da draußen und sonst niemandem. Dann kamen noch diese Geschichten mit der Verpfändung des Namens und des Logos hoch. Ich war natürlich von dem Gedanken getrieben, dass dieser Verein niemals in die Brüche gehen, nie untergehen darf. Mir hat dieser Verein im Laufe der Jahre so viel gegeben, dass ich einen Teil zurückgeben und sehen wollte, dass das hier vernünftig läuft. Dabei ging es mir gar nicht um sportlichen Erfolg. Der war völlig sekundär. Am Anfang war das überhaupt kein Thema. Die Spieler, die Mannschaft, das interessierte uns alles nicht. Uns interessierte nur der Verein. Deswegen war es wichtig, Rückgrat zu zeigen.

Reinhard Beck: Es gab damals von uns einen Artikel in der „Welt“, der vor allem Meier nicht gefallen hat. Der Artikel hieß „Wenn der Tiger seine Zähne zeigt“, darin ging es um die BVB-Fans. Wir haben gesagt, dass es uns um den Verein gehe und um die Menschen, die diesen Verein lieben. Es gehe uns erst in zweiter Linie darum, ob wir Meister werden oder 100 Millionen auf dem Konto hätten. Der Verein soll sauber und ordentlich geführt werden und möglichst schuldenfrei sein. Er soll autark sein, aber auch die Menschen mitnehmen. Das alles ist Borussia! Borussia gehört nicht einer Person – wir alle sind Borussia! Daraus ist z. B. auch die Idee „Wir sind Borussia“ entstanden.

FA: Die Mitgliederversammlung stand also an. Habt Ihr dann den FA-Antrag gestellt?

Olaf Suplicki: Ich saß eines Abends vor dem Fernseher und dachte mir, ich stelle einen Antrag zur Trennung der Gewalten im Verein. [Es geht um das Amt des Präsidenten im Verein und um den Chef der KGaA.] Ich habe ihn Sonntagabend getippt und ihn am Montag per Einschreiben zu Borussia Dortmund geschickt, was zur Folge hatte, dass wir umgehend mit unserem Vorabvorstand im Besprechungsraum in der fünften Etage saßen. Reinhard Rauball bat mich, den Antrag zurückzuziehen, um nicht noch unnötig weitere Unruhe in die zu erwartende angespannte Stimmung der Mitgliederversammlung zu tragen. Ich schlug Rauball vor, der Gründung der Fanabteilung zuzustimmen, dann könnte ich mit guten Gewissen den Antrag zurückstellen. Rauball hatte sich dann mit Hans-Joachim Watzke und Michael Meier besprochen und sagte: „Okay, Sie kriegen Ihre Abteilung.“

Vorstand1Reinhard Beck: Dann kam die Jahreshauptversammlung und wir mussten bis zur letzten Minute warten. Wir dachten schon, Rauball hält sich nicht an seine Zusage. Er war schon im Abklang, als er sagte, eine Sache hätte er noch. Es gehe um die Fanabteilung und er, als Präsident, sage zu: „Wir machen das!“ Vor allen Mitgliedern. Das war der Start der ganzen Nummer. Jetzt muss man noch eins sagen: Das ist der Grund, weshalb wir beide sagen, dass man Reinhard Rauball hundert Prozent trauen kann! Wir hatten vorher nur diese eine mündliche Zusage. Handschlag, fertig aus.

Olaf Suplicki: Der Startschuss fiel und dann ging es erst richtig los. Von dem Zeitpunkt an waren wir ja legitimiert, uns aktiv in den Verein einzubringen. Ich glaube heute, das hatte man beim BVB damals unterschätzt. Wenn ich heute Zeitungsberichte sehe, wird mir heiß und kalt angesichts dessen, was wir damals bewegt haben. Ich habe damals so vom Stapel gelassen und Gas gegeben! Mein Ziel war es dabei immer, mit der Arbeit der Fanabteilung das „Wir“ Gefühl im Verein zu stärken. Carsten Cramer hat die Zusammenarbeit zwischen Reinhard und mir damals so formuliert: „Da kommen Sie wieder, der Pfarrer mit seinem Kettenhund.“ Reinhard war es oft, der mit viel Geduld in den Gesprächen versuchte sein Gegenüber von den akuten Fanabteilungsthemen zu überzeugen. Ich war da oft, sagen wir mal, ungeduldiger und bin die Themen frontal angegangen. Ich glaube aber, dass wir beide da ein gutes Team waren und so haben wir Ziele und Wünsche der Fanabteilung, innerhalb und außerhalb des Vereins, oftmals auch umsetzen können.

Im zweiten Teil des Interviews erzählen Reinhard Beck und Olaf Suplicki, wie sie die Anfangszeit der FA erlebt haben.

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