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Die 50+1 Regel bröckelt

Lange Zeit stand die 50+1 Regel im Deutschen Fußball für eine gewisse Sicherheit vor der Übernahme von Investoren und wurde sowohl von Fans als auch von Vereinen als wichtig erachtet. Die Profivereine waren sich weitestgehend darüber einig, dass man einen anderen Weg gehen wolle, als diverse andere europäische Fußballligen. In vielen anderen Ländern ist es Gang und Gäbe, dass Fußballvereine nicht von den Mitgliedern bestimmt werden, sondern von einem Unternehmen, einer Personengruppe oder einer Einzelperson als Besitzer und somit Entscheidungsträger geführt werden. Diese Aufgabe erledigen die Besitzer aus Sicht der Fans mal mehr, mal weniger gut. 

Die 50+1 Regel schreibt vor, dass der Verein selbst, und somit seine stimmberechtigten Vereinsmitglieder, immer über die Stimmenhoheit im Verein bzw. über die eventuell ausgegliederte Kapitalgesellschaft der Profimannschaft verfügt. Jedoch wurde bei der Einführung der Regel eine Sondergenehmigung geschaffen, die als „Lex Leverkusen“ bekannt wurde und besagt, dass Wirtschaftsunternehmen, die vor dem 01.01.1999 bereit 20 Jahre lang als großer Förderer des Verein tätig waren, grundsätzlich die Stimmenmehrheit über die Fußballabteilung erlangen könnten.

Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, der als Kritiker der 50+1 Regel gilt, ist nach gescheiterten Versuchen, die Regel DFL-intern zu kippen, vor das zuständige Schiedsgericht gezogen und dies stimmte dem Änderungsantrag Kinds nun zu. Damit fällt der Stichtag 01.01.1999 und die DFL wird nicht drumherum kommen, die Statuten für den Profifußball so zu ändern, dass jeder Förderer, der sich mindestens 20 Jahre lang in einem Verein finanziell engagiert hat, diesen Verein auch theoretisch besitzen darf.

Die BVB | Fan- und Förderabteilung sieht in dieser Änderungen mittelfristig eine Gefahr für den Deutschen Fußball und erkennt viele offene Fragen. Grundsätzlich steht die BVB| Fan- und Förderabteilung dafür ein, dass die Vereine und ihre Vertreter von den Vereinsmitgliedern bestimmt werden. Auch wenn die Fußballvereine sich mittlerweile zu großen Unternehmen entwickelt haben, so sind sie für uns doch ganz anders zu betrachten als ein normales Wirtschaftsunternehmen. Der Fußball ist weiterhin Volksport Nr. 1 und sollte unser Meinung nach eine gesunde Basisdemokratie beibehalten.

Uns ist es wichtig, dass auch die Interessen der Fans gewahrt bleiben. Und entgegen der Meinung von Martin Kind, der in einem Interview erklärte, dass sich Fans lediglich „Erfolg und ein modernes Stadion“ wünschen würden, wünschen wir uns zudem ein Mitspracherecht, einen Verein, der sich seiner Tradition und Wurzeln bewusst ist, einen Verein, der Fans als Fans und nicht als Kunden behandelt, einen Verein, bei dem der Erfolg nicht über allem steht und nicht zuletzt wünschen wir uns auch gegnerische Vereine, die ebenso lebendig sind.

Aber bezüglich der Neuregelung wollen wir auch einige Fragen in den Raum werfen, die deutlich machen, wie schwammig und gefährlich die Änderung im Regelwerk sein könnte. In dem späteren Regelwerk müssen eindeutige Regelungen getroffen werden, denn sonst sehen wir spätestens ab der zweiten Generation von möglichen Vereinsbesitzern einige Problempunkte:

1.Beispiel: Ein Mäzen, der seinen Verein seit über 20 Jahre fördert, übernimmt diesen Verein. Dies wäre nach der anstehenden Änderung zulässig. Doch was passiert, wenn der Mäzen verstirbt und seinen Besitz Leuten vermacht, die eben keine 20 Jahre lang Förderer des Vereins waren?

2.Beispiel: Ein Verein überlässt einem langjährigen und zuverlässigen Sponsor das Sagen über den Verein, da die Führung des Sponsors dazu beitragen möchte den Verein nach „oben“ zu bringen und ihm zu helfen. So weit so gut. Jedoch kann es innerhalb des Sponsor-Unternehmens jederzeit zu einem Wechsel der Führungspositionen kommen und die neue Führung andere Ziele verfolgen.
Möchte eben jenes Unternehmen dann lieber Geld mit dem Verein verdienen, anstatt den Verein zu fördern, entsteht schnell eine andere Situation. Wechselt heute ein Vereinspräsident den Kurs, kann er ggf. von den Mitgliedern abgewählt werden. Einen Besitzer kann man nicht abwählen. Ganz gleich wie er mit dem Verein umgeht.

3.Beispiel: In vielen europäischen Vereinen haben heute Öl-Multis das Sagen, die wenig vertraut sind mit den jeweiligen Interessen der Fans. Dies soll durch diese Vorgabe, dass man sich zunächst 20 Jahre lang für den Verein engagiert haben muss, in Deutschland ausgeschlossen werden. Um die Regelung zu umgehen, könnte ein zukünftiger Besitzer vorab einfach eine kleine Firma erwerben, die schon 20 Jahre lang beim entsprechenden Verein tätig ist. Durch diese Hintertür bräuchte er womöglich keine 20 Tage darauf warten, um einen Verein zu übernehmen.

4.Beispiel: Ein Verein erhält einen Besitzer und dieser möchte nach den Verein nach einigen Jahren weiterverkaufen. Als potentielle Käufer gibt es 2 Firmen: Firma A, die 20 Jahre mit dem Verein zusammenarbeiten und bereit ist eine gewisse Summe zu zahlen und Firma B, die zwar erst 5 Jahre Partner des Vereins ist, aber bereit ist das Doppelte zu zahlen. Im Zweifel wird der Besitzer natürlich lieber an die Firma B verkaufen und sich dieses Recht notfalls einklagen. Hält die Regel dann einer rechtlichen Untersuchung stand? Wir haben da unsere Bedenken.

Wir könnten noch weitere Beispiele anführen, denken aber, dass auch so schon klar ist, dass es diverse Fälle geben kann, die nicht eindeutig geklärt sind und wo im Zweifel die Gerichte entscheiden müssten. Generell lässt sich sagen, dass der weitere Kurs eines Vereins, nach dessen Verkauf, mittelfristig äußerst unklar ist. Nur eins ist gewiss, wir Fans haben dann nur noch wenig mit zureden.

Aber diese Szenarien kann man als Fan immer noch gut und relativ unkompliziert verhindern. Nämlich indem man zu einen Mitglied seines Vereins wird und diesen über die Vereinssatzung entsprechend absichert.

In der Satzung des BVB heißt es z.B. seit knapp 3 Jahren: „Der Verein hält alle Geschäftsanteile an der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH und ist infolge dessen ihr Alleingesellschafter. Der Vorstand, der den Verein insoweit vertritt und dem die Wahrnehmung und Erfüllung aller diesbezüglichen Rechte und Pflichten obliegt, hat sicherzustellen, dass der Verein auch künftig 100% an der Borussia Dortmund Gesellschaftsführungs-GmbH beteiligt ist, d.h. in der   Gesellschaftsversammlung über sämtliche Stimmanteile verfügt.“ 

Dadurch bedarf ein möglicher Verkauf der Stimmanteile eine Satzungsänderung und kann deshalb schon vorab von den BVB-Mitgliedern verhindert werden. Daher können wir jedem Fan unseres geliebten Vereins nur nah legen Mitglied der BVB| Fan- und Förderabteilung zu werden und so mit dafür zu sorgen, dass unser BVB niemals fremdbestimmt wird.

Gegen Vereinsverkäufe und pro 50+1!

Eure
BVB| Fan- und Förderabteilung

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