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3. Europäischer Fußball-Fan-Kongress

Die Vertreter vieler europäischer Fanvereinigungen, Fanclubs, aber auch einzelne unorganisierte Fußballfans trafen sich vom 17. bis 19. Juli in Barcelona beim 3. Europäischen Fußball-Fan-Kongress. Der Kongress stand diesmal unter dem Motto „Money can´t buy passion“. Als Gründungsmitglied von Football Supporters Europe (kurz FSE) nahm die Fan- und Förderabteilung ebenfalls am Kongress teil. Es konnte ein durchweg positives Fazit im Anschluss an den Kongress gezogen werden. Vorab muss man jedoch festhalten, Barcelona stellte einen würdigen Rahmen für einen Fußballkongress dar. Beide großen Vereine (FC Barcelona und Espanyol Barcelona) beteiligten sich am Rahmenprogramm zum Kongress bzw. stellten Veranstaltungsorte zur Verfügung und organisierten den Kongress. In den Workshops konnten gute Anregungen und Forderungen erarbeitet werden, die durch das gewählte FSE-Komitee weiter ausgearbeitet und an die UEFA herangetragen werden. Hervorzuheben ist ebenfalls die erfolgreiche Wahl des neuen FSE-Komitees. Mit Christian Bieberstein wurde unser deutscher Vertreter, der von der Interessengemeinschaft „Unsere Kurve“ bestimmt wurde gewählt. FSE - Barcelona Zunächst einmal aber der chronologische Ablauf des Kongresses. Nach der Besichtigung des Stadions Nou Camp, sowie des Vereinsmuseums, wurde der Kongress am Freitagabend in den Räumen des Nou Camps offiziell durch Danny Wurbs (Koordinatorin FSE), einem Vertreter des katalanischen Fußballverbandes und einem Vizepräsidenten des FC Barcelona eröffnet. Bei typsich spanischer Hitze startete am Samstag die offizielle Veranstaltung, im neuen Stadion von Espanyol Barcelona vor den Toren Barcelonas. Das Estadi Cornellà-El Prat wurde zur Saison 2009/2010 eingeweiht und bietet Platz für 40.500 Zuschauer. Zu Beginn sprachen ein Vertreter von Espanyol Barcelona, der alle Teilnehmer recht herzlich im Stadion begrüßte und William Gaillard, ein Berater des UEFA-Präsidenten Michel Platini. Er bedankte sich für die Ideen und Ausarbeitungen vom 2. Fankongress in Hamburg 2009 und erwähnte, dass einige Projekte auch umgesetzt wurden bzw. werden. Das Thema Fanbeauftragte als Teil der Lizensierung für europäische Wettbewerbe, aber auch die europaweite Lizensierung wurden im letzten Jahr diskutiert und befinden sich in der Umsetzungsphase. Die europaweite Lizensierung besagt, dass Vereine nur das Geld für neue Spieler ausgeben dürfen, welches aus sportlichen Wettbewerben oder Spielertransfers eingenommen wurden. Investoren haben lediglich die Möglichkeit ihr Geld für den Ausbau der Infrastruktur (Trainingsgelände, Stadion oder Jugendakademien) zu investieren. Nach den Eröffnungsreden teilte sich das Plenum in 6 Workshops auf.

  • Workshop 1 – Vor leeren Rängen forever?! Derzeitige Sanktionsformen im Fußball vs Selbstregulierung
  • Workshop 2 – The fucked up Economics of Football “Unsere kaputte Fußballwirtschaft“
  • Workshop 3 – Action Heroes gegen den modernen Fußball? Ultras im Sport.
  • Workshop 4 – Not here for YOUR entertainment! Weibliche Fußballfans
  • Workshop 5 – Eine Lücke schließen, Fanbeauftragte als Modell in Europa
  • Workshop 6 – Rettungsdienst notwendig?!? Die EM 2012 aus der Fanperspektive

Die BVB Fan- und Förderabteilung nahm geschlossen am Workshop „Sanktionsformen vs. Selbstregulierung“ teil, da bereits im Vorfeld mit FSE besprochen wurde, das Dortmunder Modell vorzustellen. Darüber hinaus gab es gerade in der vergangenen Spielzeit einige Sanktionen in Deutschland, sodass dies ein aktuelles Thema war. An diesem Workshop nahmen insgesamt ca. 15 Leute teil. Die Teilnehmer kamen aus den Ländern England, Wales, Norwegen, Belgien, Spanien, Holland, Dänemark und Deutschland. Redner waren Dirk Vos aus Belgien und Svein aus Norwegen. Der erste Vortrag stellte die Sanktionsmöglichkeiten der UEFA bzw. der Verbände vor. Er erläuterte wie diese gegen geltende Gesetze verstoßen. Die Behandlung von Fußballfans verstößt häufig gegen Straf-, Zivil- und sogar Menschenrechte. Des Weiteren wurde das Thema Diskriminierung von Gästefans angesprochen. Diese wurden anhand von Beispielen, wie teurere Karten für Gästefans – trotz gleicher Kategorie wie Heimfans oder Verbot von Getränken für Gästefans auf der Tribüne dargestellt und ausgearbeitet. Ein Vertreter von Ajax Amsterdam berichtete über die unterschiedliche Behandlung der Zuschauer bei Sanktionen durch die UEFA. So sollte ein UEFA-Cup-Spiel in Belgrad vor leeren Rängen stattfinden. Dies wurde aber nur für „normale“ Fans umgesetzt. VIPs hatten trotzdem Zugang zum Stadion. Der zweite Vortrag aus Norwegen berichtete über das Thema Selbstregulierung. In Norwegen ist alles im Stadion erlaubt. Auch der Gebrauch von Pyro ist nicht verboten. Die Fans sitzen in den Sicherheitsbesprechungen und können so ein gutes Netzwerk aufbauen. So können sie frühzeitig Problemen mit anderen Fans, Ordnern oder auch Polizei vorbeugen. Eine Empfehlung an die UEFA aus unserem Workshop war, dass die UEFA eine Evaluation veranlassen soll, wie erfolgreich welche Sanktionen sind und ob alternative Sanktionen stärker berücksichtigt werden können. Wie der Erfolg bei Sanktionen messbar ist, ist ebenfalls eine Frage, die der UEFA zur Klärung aufgegeben wurde. Sollte die UEFA Sanktionen aussprechen, müssen die auch übergreifend angewendet und somit keine Ausnahmen wie im Beispiel aus Amsterdam gemacht werden. Generell wurde festgestellt, dass mit Kommunikation, Fanwissen oder auch Fanbeauftragten viele Sanktionen umgangen werden können. Der Workshop 2 zum Thema kaputte Fußballwirtschaft erarbeitete interessante Informationen. Aktuell ist die Hälfte aller Profivereine ohne ausgeglichenen Haushalt. Der prozentuale Anteil in der Champions League wird wahrscheinlich noch höher liegen. Eine Verbesserung kann nur erreicht werden, wenn Einsparungen vorgenommen und sich die Denkweisen ändern. Die Fans müssen die Maßnahmen mittragen und akzeptieren. Ein wichtiger Schritt ist, das Mitspracherecht der Fans in den Vereinen zu stärken. Eine Empfehlung aus dem Workshop an die UEFA lautet, die Fanvertreter wieder stärker in die Ausarbeitung des Lizensierungsmodells mit einzubeziehen. Im dritten Workshop “Ultras“ wurde beschlossen, einen Aktionstag zu planen. Das genaue Thema des europäischen Aktionstages wird zu einem späteren Zeitpunkt in einer kleinen Gruppe nach dem Kongress ausgearbeitet. Mit dem Thema Sexismus beschäftige sich unter anderem der Workshop 4. Die Teilnehmerinnen planen zur Frauen-WM 2011 eine Ausstellung zum Thema Sexismus und Frauen im Fußball (mit Bildern, Portraits etc.). Der Workshop 5 zum Thema “Fanbeauftragte“ war eine Weiterführung der Arbeit vom EFFC 2009. Wie oben erwähnt, hat die UEFA Fanbeauftragte in die Lizenzierung aufgenommen. Das Konzept der Fans ist nahezu 1:1 übernommen worden. Die Umsetzung ist nun in Arbeit. Die Empfehlung des Workshops an die UEFA ist, dass Fans Aufstellungen ausarbeiten, welche Erwartungen und Anforderungen an Fanbeauftragte gestellt werden. Der nächste Schritt wird sein, die Kommunikation zu intensivieren, um so die Umsetzung in den Vereinen zu forcieren. Im letzten Workshop zum Thema Fanbotschaften bei der EM 2010 in Polen und der Ukraine wurden ein Konzept und Ideen entwickelt, wie die FSE die regionalen Gruppen durch Unterstützung stärken kann. Insgesamt sind sehr gute Ergebnisse aus den Workshops erarbeitet worden. Das Komitee wird sich nun dieser Ausarbeitungen annehmen und der UEFA vorstellen. Der Abend fand einen lockeren Ausklang in Barceloneta, einem Stadtteil der direkt am Meer liegt. Bei Paella, Cerveza und Fußballspielen wurden einige interessante Gespräche geführt. Am Sonntag fand die Mitgliederversammlung des FSE statt. Im Gegensatz zu den Workshops ist dieser Tag für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Alle individuellen, lokalen und nationalen Mitglieder der FSE nahmen an der Mitgliederversammlung im Stadion von Espanyol Barcelona teil. Nach dem Jahresbericht des Komitees über die europaweiten Aktivitäten der FSE und der Finanzen, wurden zunächst einmal Satzungsänderungen besprochen und darüber abgestimmt. Im Anschluss an die Entlastung des Komitees wurden die Kandidaten zur Wahl des neuen Komitees vorgestellt. Von den 8 Vertretern des alten FSE-Komitees, sind 6 wieder angetreten. Ein spanischer und ein britischer Vertreter haben auf eine weitere Kandidatur aus persönlichen Gründen verzichtet. Die neuen Kandidaten setzten sich aus Spanien, Dänemark, Portugal, Schweden und Deutschland, zusammen. Die 6 alten Komiteemitglieder sowie die Vertreter aus Deutschland und Portugal wurden gewählt. Somit wird mit Christian Bieberstein vom HSV Supporters Club ein Vertreter aus der Bundesverband “Unsere Kurve“ im Komitee sitzen. Das Komitee setzt sich wie folgt zusammen:

  • Kevin Miles, Football Supporters Federation, England
  • Christian Bieberstein, Unsere Kurve, Deutschland
  • Christina Magnussen, Norsk Supporterallianse, Norwegen
  • Dirk Vos, Supportersfederatie Profclubs, Belgien
  • Michal Riecansky, The Stands Are Ours!, Slowakei
  • Shay Golub, Israfans, Israel
  • Tam Ferry, Association of Tartan Army Clubs, Schottland
  • Pedro Miguel Silva, Sporting Club de Portugal, Portugal

Einen Ausblick auf den nächsten Kongress gibt es auch schon. Vom 1. bis 3. Juli findet der 4. Kongress ausgerichtet von Alpha Bröndby in Kopenhagen statt. Weitere Informationen zum Football Supporters Europe findet ihr unter: www.footballsupporterseurope.org Der nächste Borussentreff am 24.8. wird unter dem Motto „Fanpolitik in Dortmund“ stehen. Wir werden über unsere Aktivitäten berichten, aber auch noch einmal einen Rückblick zum Fankongress geben. Möglicherweise können wir auch einen Gast aus dem neuen FSE Vorstand begrüßen dürfen. Alle BVB-Fans sind herzlichst eingeladen. Nähere Informationen werden zukünftig hier erscheinen. Eure BVB | FAN & FÖRDERABTEILUNG Daniel Nowara, Tobi Westerfellhaus

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