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Zum 10. Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf: Interview mit Wilfried Harthan

Zum 10. Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf: Interview mit Wilfried Harthan

Am Karfreitag 2014 jährt sich der Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf zum 10. Mal. Aber wie kam es eigentlich zur Idee der Veranstaltung und was hat sich in den vergangenen zehn Jahren getan? Wir haben vor dem Jubiläum mit Wilfried Harthan von den „Naturfreunden Dortmund Kreurzviertel“ gesprochen.

Der Czerkus-Lauf findet 2014 bereits zum 10. Mal statt. Wie habt ihr damals angefangen und warum?

JHS_4363Wilfried Harthan: Ausgegangen ist die Idee zum Czerkus-Lauf von den Naturfreunden Dortmund Kreuzviertel. Darunter waren zahlreiche BVB-Fans. Wir hatten damals schon einen Lauftreff und sind im Rombergpark und in der Bittermark joggen gegangen. Außerdem erschien damals das Buch von Gerd Kolbe („Der BVB in der NS-Zeit“), in dem er auch die Person Heinrich Czerkus vorstellt. Irgendwann entstand aus diesem Lauftreff heraus die Idee zum Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf. Der fand 2005 zum ersten Mal statt. Am Anfang gestaltete sich das etwas mühsam, wie man auf dem Bild erkennen kann, aber nach und nach wurden es immer mehr. 2008 stieg zum ersten Mal das Fanprojekt mit einem eigenen Bulli und eigenen Teilnehmern ein. Im Jahr 2009 trat das Fanprojekt dann als Mitveranstalter auf. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Tafel für Heinrich Czerkus in der Roten Erde angebracht. Von diesem Zeitpunkt an hat der Lauf immer größere Kreise gezogen. Vor allem öffnete die Veranstaltung auch die Tür in Richtung des BVB. 2009 wurde der BVB-Fanclub Heinrich Czerkus gegründet. Und 2012 trat schließlich der BVB offiziell als Mitveranstalter auf. So wurde der Lauf die – sagen wir ruhig – große Sache, die er heute ist.

Es war ja auch eine der ersten anti-rassistischen Aktionen vor dem Hintergrund, dass sich der BVB mit den Themen NS-Zeit und rechtes Gedankengut in Dortmund auseinandersetzt. War das tatsächlich die Ursprungsidee, dass man mit diesem Lauf ein Zeichen setzen möchte: „Wir in Dortmund haben zwar ein rechtes Klientel, aber wir wehren uns dagegen?“

Harthan: Auf alle Fälle. Dafür war es uns auch wichtig, die Figur Heinrich Czerkus in den Mittelpunkt zu stellen. Er war ja nicht der einzige, der dort (im Rombergpark, Anm. d. Red.) umgebracht wurde. Uns ist auch gelegentlich die Frage gestellt worden, warum wir eine Person hervorheben. Uns ging es nicht darum, Widerstandskämpfer erster oder zweiter Klasse zu kreieren, sondern es ging uns einzig und allein darum, alle anderen gemeinsam mit Heinrich Czerkus zu ehren.

Wie kam der Kontakt zum Fanprojekt zustande?

Harthan: Wir haben damals im Vorfeld viele Institutionen und FanclubHCG-frühers angeschrieben, unter anderem den BVB. Von dem hörten wir am Anfang allerdings relativ wenig. Damals ging es um die Existenz des Vereins – im Nachhinein habe ich volles Verständnis dafür, dass der Verein andere Sorgen hatte. Das Fanprojekt hatten wir in diesem Zusammenhang auch angeschrieben. Wir haben gesagt: „So sieht es aus, wäre das nicht etwas für euch?“ Daraufhin nahmen sie 2008 zum ersten Mal als Fanprojekt teil. Einzelne Leute aber auch vorher schon.

Beschreibe doch kurz die Strecke, die ihr lauft. Ist das immer noch dieselbe wie in den Anfangsjahren oder habt ihr die mit steigender Teilnehmerzahl verändern müssen?

Harthan: Nein, die Strecke ist immer gleich geblieben. Es geht von der Roten Erde los, dann unten am Volksbad vorbei in die Bolmke und über die Ardeystraße hinweg in den Rombergpark. Dort wurden die Widerstandskämpfer damals umgebracht. Unser Weg führt durch den Rombergpark hindurch, am Tierpark vorbei und dann über die Olpketalstraße zum Mahnmal in die Bittermark. Wenn man so will, folgt der Lauf den letzten Stationen im Leben des Heinrich Czerkus.

Kommen wir zur aktuellen Situation: Im vergangenen Jahr waren schon Hunderte Teilnehmer dabei. Man hat das Gefühl, der Lauf bekommt von Jahr zu Jahr mehr Aufmerksamkeit. Welcher Aufwand steckt für euch dahinter als Fanclub und Hauptorganisator?

Harthan: Das stimmt, es ist viel Arbeit. Man muss aber sagen, dass bei den vier Veranstaltern eine sehr gute Aufgabenteilung herrscht. Die Naturfreunde übernehmen einen Teil, der Heinrich-Czerkus-Fanclub, das Fanprojekt und auch die Fanabteilung. Im Grunde genommen haben wir heute weniger Arbeit als früher, weil sich die Arbeit auf mehr Schultern verteilt.

HCG-2012Was muss man denn alles bedenken, wenn man eine solche Veranstaltung durchziehen möchte?

Harthan: Man muss die Veranstaltung zunächst bei der Stadt beantragen. Das war am Anfang ein bisschen mühselig, aber da der Weg immer derselbe ist – die Stadt macht gewisse Auflagen, die man erfüllen muss – ist das Jahr für Jahr das gleiche. Die wollen eine Veranstalterhaftpflichtversicherung und ähnliche Sachen sehen. Sie wollen, dass an bestimmten neuralgischen Punkten Ordner stehen. Das läuft also schon seit Jahren immer in der gewohnten Art und Weise. Was die Organisation angeht, hängen wir im Vorfeld Plakate auf und markieren die Strecke. Das Fanprojekt baut zum Beispiel am Start einen Infostand auf, an dem man Waffeln kaufen und Kaffee trinken kann. Die Fanabteilung stellt schon seit zwei Jahren sehr zuverlässig die Ordner für die Strecke. Das war früher ein kleines Problem, dafür Leute zu finden, aber mittlerweile läuft es ganz toll.

Man hat das Gefühl, die Veranstaltung wird von Jahr zu Jahr größer. Wie groß kann oder soll das Ganze aus Sicht eures Fanclubs noch werden? Gibt es da eine Grenze?

Harthan: Da lassen wir uns überraschen. Zum einen liegt der Termin immer in den Osterferien, da sind viele Leute weg. Mal ist Ostern früher oder später, also gibt es ziemliche Schwankungen. Dann ist da noch das Wetter: Letztes Jahr war es regnerisch und kalt, trotzdem kamen rund 500 Teilnehmer. Wenn das Wetter in diesem Jahr mitspielt, könnten es durchaus 600 oder 700 werden.

JHS_4318Dieses Jahr hat die neugegründete Initiative ballspiel.vereint! eine Parallelveranstaltung im BORUSSEUM organisiert („Tatort Stadion“). Seid ihr dort auch involviert und wart in die Planung eingebunden?

Harthan: Der Heinrich-Czerkus-Fanclub ist da personell nicht aktiv. Das ist parallel zum Lauf für uns auch nicht zu leisten. Vor dem Start gibt es so viel zu erklären und zu regeln, dass dafür keine Zeit bliebe.

Du warst in den zehn Jahren bisher bei jedem Lauf dabei. Gibt es eine Anekdote, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist oder etwas, das diesen Lauf besonders charakterisiert?

Harthan: Für mich ist das erfreulichste, dass wir von Jahr zu Jahr immer mehr geworden sind. Es gibt aber diese Geschichte aus dem vergangenen Jahr: Da war eine Dreiergruppe am Start – zwei Schwarzgelbe und ein Blau-Weißer. Mich hat es sehr gefreut, dass jemand in der Lage war zu sagen: „Die alte Rivalität zwischen dem BVB und Schalke hin oder her, heute springe ich über meinen Schatten und gehe mit.“

Der 10. Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf findet am 18. April ab 13 Uhr statt. Läufer, Jogger und Radfahrer treffen sich ab 12 Uhr an der Roten Erde, ihr Weg führt anschließend zum Denkmal in der Bittermark.

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